
Der amerikanische Hilton-Konzern bereitet nach Informationen der F.A.Z. eine Auflösung der Verträge mit zwei Frankfurter Luxushotels vor, nachdem deren iranischer Eigentümer vom US-Finanzministerium unter Sanktionen gestellt wurde. Betroffen sind das Hilton Frankfurt City Centre und das Hilton Frankfurt Gravenbruch. Zuvor hatte der Finanzdienst Bloomberg darüber berichtet.
Eigentümer der beiden Häuser ist der iranische Bauunternehmer und Bankier Ali Ansari, der sich hinter mehreren Holdings verbirgt. Washington wirft Ansari vor, er sei ein „Schlüsselfinanzier“ für Irans Obersten Führer Modschtaba Khamenei, andere Führungsfiguren der Regimes und der Islamischen Revolutionsgarden. So schrieb es das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums Mitte Juli. Schon im vergangenen Herbst war Ansari von Großbritannien mit Sanktionen belegt worden, er kann seitdem nicht mehr über seine Londoner Immobilien verfügen.
Washingtons Sanktionen verschärfen nun aber den Druck auf den US-Hotelkonzern Hilton International, alle Geschäftsbeziehungen mit Ansari abzubrechen. Schon seit Anfang Februar laufen dazu interne Überlegungen.
Ansari besitzt Immobilienvermögen von 400 Millionen Euro
Ansari hält Medienberichten zufolge über mehrere Briefkastenfirmen ein Vermögen unter dem Dach der Smart Global Ltd, die auf der Karibikinsel St. Kitts und Nevis registriert ist. Sein Firmenimperium umfasst Holdings und Konten in Luxemburg, der Schweiz, Großbritannien, Deutschland und Spanien. Neben den zwei Frankfurter Hotels gehören ihm ein Steigenberger Golfresort auf Mallorca, ein Einkaufszentrum in Oberhausen und Luxusimmobilien in London. Laut Schätzungen sind diese etwa 400 Millionen Euro wert. Die beiden Hotels stehen in den Bilanzen der Holdings mit jeweils rund 80 Millionen Euro.
Nach der Verhängung der Sanktionen durch die Behörden OFAC ist es für US-Bürger und Unternehmen illegal, mit Ansari und seinen Firmen Geschäfte zu machen. Das Finanzministerium setzte Hilton aber eine Übergangsfrist bis zum 9. August. Danach würde sich der Konzern strafbar machen, wenn Hilton weiter mit Firmen des sanktionierten Bankers zusammenarbeitet. Ein Sprecher von Hilton International teilte der F.A.Z. mit, der Konzern werde „dafür sorgen, dass die Gesetze vollständig eingehalten werden“.
Die beiden Frankfurter Hotels, die Ansaris Firmen gehören, stehen schon seit Monaten finanziell unter Druck. Durch Berichte der „Financial Times“ und der F.A.Z. von Ende Januar wurden die Iran-Verbindungen erstmals bekannt. Daraufhin reagierte der Buchungskonzern Booking.com und entschied, die beiden Hotels von seiner Website zu streichen. Das trifft die Häuser, denn die Hotels erhalten üblicherweise bis zu ein Fünftel ihrer Buchungen über Booking.
Übernachtung in Präsidenten-Suite für 1000 Euro
Das Hilton Frankfurt Gravenbruch im Neu-Isenburger Ortsteil Gravenbruch gilt als Promi-Hotel. Beispielsweise stieg wiederholt die deutsche Fußballnationalmannschaft in diesem Haus ab. Eine Übernachtung in der „Präsidenten-Suite mit Seeblick“ dort kostet 1058 Euro. Bis 2024 firmierte es unter der Marke Kempinski, Eigentümer ist aber seit mehreren Jahren ein Tochterunternehmen von Ansaris Smart Global Ltd.
Im Stadthotel Frankfurt City Centre, nur wenige von der Alten Oper entfernt, kostet die „King Penthouse Suite“ mit Blick auf die Skyline mindestens 880 Euro pro Nacht. In der Lobby herrscht normaler Hotelbetrieb. Von den Turbulenzen um den Eigentümer ist nichts zu bemerken. Angesprochen auf Gerüchte über ein Ende der Hilton-Verträge, winkt ein Rezeptionist ab und verweist an die Hotelleitung. Das Management, das schon seit Monaten bei Presseanfragen mauert, äußerte sich nicht. Auffällig ist: Über die Hilton-Website waren am Freitag auch noch für Mitte August Buchungen in beiden Hotels möglich.
Hilton International mit 27 Marken betreibt mehr als 9000 Hotels in 144 Ländern. Der US-Konzern ist dabei in sehr vielen Fällen nicht Eigentümer der Häuser, sondern schließt langfristige Verträge mit einem lokalen Eigentümer. Die rund 60 deutschen Hilton-Hotels tragen nur einen kleinen Teil zum Konzernumsatz von 12 Milliarden Dollar bei. Dennoch könnte die Iran-Affäre dem Unternehmen durch einen Reputationsschaden schaden.
Eng mit Irans Machtelite vernetzt
Ali Ansari lässt über seinen Anwalt abstreiten, dass er ein Finanzier des Teheraner Regimes sei. „Er bestreitet vehement, dass er eine finanzielle oder persönliche Beziehung mit Modschtaba Khamenei hat“, schrieb sein Londoner Anwalt Roger Gherson der F.A.Z. Westliche Iran-Fachleute halten dieses Dementi für unglaubwürdig. Sie verweisen auf sehr enge Beziehungen Ansaris zum Khamenei-Clan, anderen führenden Regimevertretern und Kommandeuren der Revolutionsgarde IRGC.
Der 63 Jahre alte Geschäftsmann, der laut US-Finanzministerium in Dubai lebt, hat in den vergangenen Jahrzehnten ein großes Vermögen in der Bau-, Öl- und Bankbranche aufgebaut. Die Familie profitierte schon seit der Islamischen Revolution von 1979 von staatlichen Aufträgen. Eines der größten Einkaufszentren des Landes gehört ihr ebenfalls. Die von der Ansari-Familie gegründete Bank Ayandeh profitierte von politischer Protektion.
Das US-Finanzministerium wirft Ansari vor, öffentlich finanzierte Vermögenswerte systematisch veruntreut und ins Ausland verschoben zu haben, um sich selbst, Regimeeliten und die Revolutionsgarden zu bereichern.
Ansaris Ayandeh-Bank brach im Oktober 2025 spektakulär zusammen und hinterließ Milliardenschulden. Diese Bankenkrise verschärfte Irans Wirtschaftskrise. Die Notenbank intervenierte, um eine Ausbreitung der Bankenkrise zu verhindern. Dadurch geriet die Landeswährung Rial weiter unter Druck, die Inflation stieg und die Wirtschaftskrise verschärfte sich.
Ende Dezember begannen Proteste in Teheran und anderen Städten, die das Regime im Januar brutal niederschlug; dabei wurden mehrere Tausend Menschen getötet. Anderthalb Monate später begannen die USA und Israel den Krieg gegen Iran.
