Ernst Schmid, dem langjährigen Geschäftsführer der HiFi-Profis, ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Ende vergangener Woche wurde der Kaufvertrag unterschrieben und damit ein Schlusspunkt hinter das Sanierungsverfahren gesetzt, das Schmid, wie er im Gespräch im Frankfurter Haupthaus deutlich macht, gerne vermieden hätte.
Die allgemeine Kaufzurückhaltung, insbesondere in der Luxuskategorie, ein Bankkredit aus der Zeit der Corona-Pandemie, der zurückgezahlt werden musste, generelle Veränderungen in der Branche – all das hatte zur Schieflage der HiFi-Profis geführt. Der Name steht für 36 Millionen Euro Jahresumsatz, nach Angaben Schmids ist man damit der größte inhabergeführte Elektronikfachhändler in Deutschland. Eineinhalb Jahre lang habe er nach Investoren gesucht und sich um Zugeständnisse der Vermieterseite bemüht, sagt Schmid. Dann sei der Punkt gekommen, „wo etwas passieren musste“.

Im vergangenen Dezember, mitten im Weihnachtsgeschäft, hatte Schmid für seine beiden HiFi-Profis-Gesellschaften in Wiesbaden und Frankfurt wegen finanzieller Schwierigkeiten die Reißleine gezogen und beim Frankfurter Amtsgericht ein Schutzschirmverfahren beantragt. Es ermöglicht Unternehmen, sich bei einem geordnet weiterlaufenden Geschäftsbetrieb und unter Aufsicht leichter und schneller zu restrukturieren.
Horne, der wie Schmid als Aushilfskraft während des Studiums zu den HiFi-Profis stieß und blieb, führt als Inhaber und Geschäftsführer die beiden Filialen in Wiesbaden und Frankfurt jetzt unter dem Dach einer Gesellschaft, der AV Media-Projekte GmbH. Unter dieser lief ursprünglich das Bang-&-Olufsen-Markengeschäft der HiFi-Profis in Wiesbaden, die Marke ist inzwischen in die HiFi-Profis-Geschäfte integriert.
Die Restrukturierung, die von Sanierungsexperten der Linitilia-Law-Rechtsanwaltsgesellschaft begleitet wurde – als Sachwalter wurde Thomas Rittmeister, Partner der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte, zur Seite gestellt –, geht nicht ohne Einschnitte einher, um Kosten zu sparen. Ein Drittel der Frankfurt-Belegschaft, 15 von 45 Arbeitnehmern, musste das Unternehmen verlassen, die HiFi-Profis-Filiale in Mainz wurde geschlossen, das Studio 26 in Stuttgart abgekoppelt. An den verbleibenden beiden Standorten – Wiesbaden mit rund 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche und Frankfurt mit 2000 – wird die Verkaufsfläche in den nächsten Monaten um jeweils etwa ein Drittel verkleinert. Bis Ende des Jahres sollen die Umbauten abgeschlossen sein.
Auch inhaltlich wollen die HiFi-Profis neue Akzente setzen auf einem Unterhaltungselektronik-Markt, der nicht weniger angespannt ist als im Dezember, wie Horne feststellt. So wolle man künftig stärker auf Service und Erlebnis setzen. Das Angebot an Fernsehgeräten solle verkleinert, dafür ein stärkerer Fokus auf HiFi-Artikel wie Bluetooth-Boxen und Soundbars gelegt werden. Das Sortiment solle stärker kuratiert werden mit Angeboten, die in guter Qualität auch den Kunden mit kleinerem Geldbeutel ansprechen.
„Qualität ist nicht nur eine Frage des Preises“, sagt Schmid, der den Übergang mit begleiten wird. DieHiFi-Profiss in der heutigen Form sind sein Kind. Schmid war es, der mit dem Umzug der Frankfurt-Filiale seinerzeit vom Eschenheimer Turm in einen Neubau mit Tiefgarage an die Große Friedberger Straße ein Bekenntnis zur Innenstadt setzte. Architektur und Einrichtung, vieles in dem modernen Haus, das nur gemietet ist, trägt seine Handschrift.
Stärker herausstreichen wollen die HiFi-Profis künftig auch ihre Kompetenz beim sogenannten Projektgeschäft, das die Planung von Unterhaltungselektronik schon beim Rohbau berücksichtigt. „Es gibt immer noch Architekten, die nicht wissen, dass es unsichtbare Lautsprecher gibt“, sagt Horne.
