Der Arbeitsmarkt macht es Arbeitnehmern derzeit nicht leicht. Junge Akademiker, die gerade frisch ihr Studium abgeschlossen haben, suchen oft monatelang nach einer Stelle. Im mittleren Management werden Jobs abgebaut, und so mancher Mittfünfziger muss erstmals seit vielen Jahren wieder Bewerbungen schreiben. Und dann sind da noch die vielen Stellen in der Industrie, die gestrichen werden.
Und dennoch gibt es weiterhin Branchen und Berufe, in denen händeringend nach Personal gesucht wird. Das Jobportal Stepstone hat für die F.A.S. ausgewertet, wo noch Stellen ausgeschrieben sind. Zu den Branchen, die die meisten Stellen ausgeschrieben haben, zählen die Logistik, das Bauwesen, das Handwerk, die Gastronomie, der Vertrieb, die IT und das Ingenieurwesen. Zusammen kommen sie auf einen Anteil von knapp der Hälfte der ausgeschriebenen Stellen.
Aktuell gebe es eine zunehmende Zweiteilung im Arbeitsmarkt, sagt Christina Langer, Arbeitsmarktforscherin bei Stepstone. „In vielen operativen und technischen Berufen bleibt der Bedarf hoch, während Unternehmen in wissensintensiven Bereichen deutlich selektiver einstellen.“ Zurückgegangen ist die Nachfrage beispielsweise in Bereichen wie Marketing, Administration und Personalwesen.
Offene Stellen für Informatiker und Handwerker
Zur ersten Gruppe gehören jene Bereiche, die die Umsätze der Unternehmen treiben und die nah am Kunden sind. Daher ist beispielsweise der Bedarf an klassischen Verkaufstätigkeiten hoch, etwa Vertriebsmitarbeiter im Außendienst. Bei Verkäufern meldet die Jobplattform ein Plus von fast 70 Prozent.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Hinzu kommt: Auch wenn sich Informatiker zuletzt verstärkt Sorgen machen, ob die Künstliche Intelligenz sie ersetzt, gibt es auch in diesem Bereich noch viele Stellen. Die IT macht derzeit rund acht Prozent aller Jobangebote auf der Plattform aus. Vor allem spezialisierte Rollen sind gefragt, etwa als SAP-Experte oder im Beratungsbereich. Viele Unternehmen stellen ihre SAP-Landschaften oder allgemein ihre IT-Systeme neu auf und sind daher mit Transformationsprojekten beschäftigt. Dafür werden Fachkräfte gesucht.
Wer wiederum einen sehr praxisnahen Job ausüben möchte, wird im Handwerk fündig. Schweißer oder Zerspanungsmechaniker sind besonders gefragt, hier hat sich die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Vergleich zum ersten Quartal verdoppelt, teils sogar verdreifacht.
Engpässe bei Tierärzten und Steuerberatern
Nun ist natürlich klar, dass nicht jeder die notwendigen Voraussetzungen für die ausgeschriebenen Stellen besitzt oder dass der Arbeitssuchende dafür überqualifiziert ist. Aus einem Biologen wird nicht so schnell ein Buchhalter, aus einem Bäcker kein Informatiker. Doch der Arbeitsmarkt erfordert heute mehr Flexibilität als noch vor ein paar Jahren. Zudem sind viele Unternehmen mittlerweile offen für Quereinsteiger. Sie bieten teils interne Weiterbildungsmöglichkeiten an. Auch die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Arbeitssuchende dabei, sich neu zu orientieren und die eigenen Stärken besser einzusetzen.
Die Arbeitsagentur bietet einen Überblick über jene Wirtschaftsbereiche, in denen es bei Fachkräften Engpässe gibt. Dabei wird auch ins Verhältnis gesetzt, wie viele Arbeitslose auf die ausgeschriebenen Jobs kommen. Denn Tausende offene Stellen klingen oft vielversprechend – bis man weiß, dass besonders viele Menschen genau diesen Job suchen. Unterschieden wird bei der Agentur zusätzlich nach Qualifikationslevel. Unter den am höchsten ausgebildeten Arbeitskräften gibt es vor allem bei den Tierärzten, der Steuerberatung und in der Wirtschaftsprüfung Engpässe. Ebenso gesucht werden Lehrkräfte, Augenoptiker und Pharmazeuten.
In den Ausbildungsniveaus darunter sind vor allem medizinische Fachangestellte, Sanitär- sowie Heizungstechniker und Busfahrer gefragt.
Bleibt noch die Frage nach dem Geld. Bei der Orientierung, wie viel Gehalt es in den verschiedenen Branchen gibt, hilft die Arbeitsagentur ebenfalls. Sie veröffentlicht diese Zahlen im sogenannten Entgeltatlas. Dabei lässt sich auch nach Regionen unterscheiden, denn die Vergütungslevel unterscheiden sich nicht nur zwischen den Berufen, sondern auch innerhalb Deutschlands. Betrachtet wird der Medianwert – also die Hälfte verdient weniger, die andere Hälfte mehr. Ein erfahrener Informatiker kann demnach mit einem monatlichen Bruttogehalt von 6500 Euro rechnen. Ein Vertriebsassistent kommt auf 4400 Euro, ein Altenpfleger auf 4100 Euro. Busfahrer können mit etwa 3500 Euro rechnen und medizinische Fachangestellte mit etwa 3100 Euro.
Feststeht dabei: Quereinsteiger müssen damit rechnen, dass sie anfangs oft weniger verdienen als in ihrer ursprünglichen Tätigkeit – schließlich müssen sie erst Erfahrung im jeweiligen Bereich sammeln. Doch wer es schafft, die eigenen Fähigkeiten überzeugend einzusetzen, holt den Gehaltsunterschied manchmal schneller auf als gedacht.
