
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Finanzämter laufend mit Innovationen auf sich aufmerksam machen würden? Diese Behörden, deren Formulare sperrig sind und in deren Bescheiden sich jenseits der entscheidenden Zahl, wie viele Steuern noch zu entrichten sind oder freundlicherweise erstattet werden, die Spannung in endlosem Juristendeutsch verliert?
Aber es sind tatsächlich die hessischen Finanzämter, die immer wieder mit Neuerungen auffallen. Am Montag hat das zuständige Ministerium mitgeteilt, dass sie vom 1. August an landesweit über eine einheitliche Telefonnummer erreichbar sein werden und in naher Zukunft dort die Künstliche Intelligenz die Standardfragen beantwortet. Die zehnstündige Erreichbarkeit montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr wünschte man sich auch von allerhand anderen Einrichtungen der öffentlichen Hand.
Die schnellsten Finanzämter Deutschlands
In den vergangenen Monaten hatte es für Schlagzeilen gesorgt, dass in einem Pilotprojekt 100.000 Hessen ein vorgefertigter Steuerbescheid geschickt wurde, mit dem sich drei Viertel der Angeschriebenen einverstanden gezeigt hatten. Schon vor geraumer Zeit waren innerhalb Hessens Arbeitsplätze von Finanzämtern in den Städten zu solchen in ländlichen Regionen verlagert worden, was vielen Beamten das Leben leichter macht und diese Räume stabilisiert. Dass die Finanzämter Hessens zuletzt schneller als die aller anderen Bundesländer Steuererklärungen bearbeitet haben – dem Bund der Steuerzahler zufolge im Schnitt in 41 Tagen –, ist auch keine schlechte Nachricht.
Vielleicht eignen sich Finanzbehörden wegen ihres klar umrissenen und homogenen Auftrags besonders für die Schaffung neuer Strukturen. Vielleicht ist ihre Implementierung auch leichter, weil die Ämter nicht in der ersten Reihe der öffentlichen Verwaltung stehen, sondern zwar mit nahezu jedem Bürger Kontakt haben, aber doch vielfach nur einmal im Jahr. Womöglich hilft es auch, dass die Amtszeiten der Präsidenten der Oberfinanzdirektion in Frankfurt, also des Ober-Finanzamts Hessens, stets lang waren, das Ruder mithin nicht wieder und wieder herumgerissen wurde; Konstanze Bepperling ist erst die Neunte seit dem Zweiten Weltkrieg auf dieser Position.
Jedenfalls ist es erfreulich, dabei zuzusehen, wie sich die Finanzämter immer weiter modernisieren. Die Straffung der Routinen setzt in den Behörden im Idealfall Kräfte frei, um denjenigen auf die Schliche zu kommen, die den Staat im großen Stil betrügen wollen. Schließlich ist es eine Aufgabe für die Ewigkeit: Vieles kann man sich anders vorstellen im Auftritt der öffentlichen Hand – aber einen Staat, der ohne Geld auskommt, den wird es niemals geben.
