
Die Zahl der in Hessen aktiven Gewerbebetriebe ist im vergangenen Jahr um mehr als 11.000 gestiegen. Das geht aus dem Gründungsbarometer hervor, das der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) und die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern am Mittwoch veröffentlichten. Demnach legte die Zahl der Gewerbeanmeldungen 2025 um fünf Prozent zu, während die Zahl der Abmeldungen um sieben Prozent zurückging. Per Saldo stieg die Zahl der Gewerbebetriebe damit um 11.566.
Zwar geht nicht jede Gewerbeanmeldung auf eine Neugründung zurück – auch Umzüge von Unternehmen, Rechtsformänderungen oder Eigentümerwechsel können Grund für eine Gewerbeanzeige sein. Aber nach Zahlen des Statistischen Landesamtes, die für das Gründungsbarometer ausgewertet wurden, handelte es sich bei mehr als 53.000 der rund 64.000 Gewerbeanmeldungen 2025 tatsächlich um Neugründungen. Die meisten davon entfielen auf Dienstleistungen, den Handel und das Baugewerbe.
Nach Einschätzung des HIHK ist das Gründungsgeschehen vor dem Hintergrund der schwachen Konjunktur „differenziert“ zu bewerten. Positiv sei, dass „viele Menschen bereit sind, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen“, kommentierte HIHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller. „Gleichzeitig müssen wir das Gründungsgeschehen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage realistisch einordnen: Gründungen entstehen teilweise auch aus schwierigen Beschäftigungsperspektiven heraus.“
In Offenbach ist die Gründungsintensität am höchsten
Die meisten Gewerbeanmeldungen, nämlich mehr als 13.000, wurden im Kammerbezirk der IHK Frankfurt verzeichnet, zu dem auch der Hochtaunuskreis und der Main-Taunus-Kreis gehören. Bezogen auf die Einwohnerzahl, war das Gründungsgeschehen allerdings in Offenbach besonders ausgeprägt: Dort kamen auf 1000 Einwohner rund elf Gewerbeanmeldungen, in allen anderen hessischen Kammerbezirken lag dieser Wert unter zehn.
In Statistiken zu Start-ups, also Neugründungen, die sich durch innovative Geschäftsideen auszeichnen, liegen unter den hessischen Städten regelmäßig Darmstadt oder Frankfurt vorn. Hinsichtlich der Gewerbeanmeldungen, die überwiegend auf Unternehmen mit klassischen Geschäftsmodellen zurückgehen, zeichnet sich Offenbach schon seit Jahren durch eine besonders hohe Dynamik aus. Allerdings ist dort ausweislich der Zahlen des Statistischen Landesamts 2025 auch die Zahl der Gewerbeabmeldungen gestiegen, entgegen dem landesweiten Trend.
Männer gründen häufiger als Frauen, das Verhältnis liegt laut Gründungsbarometer seit Jahren etwa bei 60 zu 40 Prozent. Zudem bestätigt auch die aktuelle Ausgabe, dass Ausländer überproportional stark am Gründungsgeschehen beteiligt sind: Während der Anteil der ausländischen Staatsangehörigen an der hessischen Gesamtbevölkerung bei 19 Prozent liegt, betrug ihr Anteil an den Gründern von Einzelunternehmen im vergangenen Jahr 30 Prozent.
Das vermehrte Gründungsgeschehen schlug sich auch in höheren Teilnehmerzahlen an Beratungsangeboten der Kammern nieder. Auch Beratungsgespräche und Veranstaltungen zum Thema Unternehmensnachfolge waren stärker gefragt. Allerdings klafft hier weiter eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage: Mehr als 1000 Beratungsgesprächen mit verkaufswilligen Unternehmern standen rund 500 Übernahmeberatungen für potentielle Käufer gegenüber.
