
Die drei Männer aus Biblis, die seit Samstag nach dem Schwimmen im Rhein vermisst wurden, sind offenbar gestorben. Um die Mittagszeit hat die Polizei im Bereich Biebesheim und Kornsand (Landkreis Groß-Gerau) drei männliche Leichen aus dem Rhein geborgen. Nach Mitteilung aus dem Polizeipräsidium Südhessen handelt es sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ um die seit Samstag vermissten Männer, die beim Schwimmen im Rhein untergegangen waren. Die Identifizierung der Toten dauerte am Nachmittag noch an.
Polizei und Rettungsdienste beraten nun, wie solche Unglücke in Zukunft verhindert werden können. Verbotsschilder allein werden das Problem wohl nicht lösen. Die anhaltende Hitze treibt Menschen ins Wasser. Das Getümmel und der Lärm in den Freibädern sind nicht jedermanns Sache. Deshalb suchen zahlreiche Menschen Abkühlung in Seen und Flüssen und gehen dabei ein hohes Risiko ein.
Besonders gefährlich ist das Baden im Rhein. Verschiedene Kommunen entlang des Rheins haben deshalb Verbotsschilder aufgestellt. Auch in Südhessen stehen diese Schilder. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Sie werden ignoriert. Genauso wie die Gefahren des Rheins, der wegen seiner Strömungsverhältnisse zu den gefährlichsten Flüssen Deutschlands zählt.
Suche nach Vermissten am Sonntag abgebrochen
Das zeigte sich am Samstag, als ein 50 Jahre alter Mann, der regelmäßig im Bibliser Ortsteil Nordheim im Landkreis Bergstraße im Rhein schwimmen war, nicht mehr nach Hause zurückkehrte. Angehörige, die am Ufer vergeblich auf ihn gewartet hatten, alarmierten die Rettungsdienste. Der Mann wurde trotz einer sofort eingeleiteten Suche, an der auch ein Hubschrauber beteiligt war, bisher nicht gefunden. Fast zur gleichen Zeit gingen zwei 23 und 27 Jahre alte Männer in Höhe der NATO-Rampe nahe Gernsheim im Landkreis Groß-Gerau ins Wasser.
Offenbar um sich ein wenig abzukühlen. Dabei wollte einer der jungen Männer dem anderen helfen, der laut Polizei und Zeugen in eine Notlage geraten war. Dabei versanken beide im Wasser. Sie sollen Nichtschwimmer gewesen sein. Auch sie wurden bisher nicht gefunden, obwohl Zeugen sofort die Rettungsdienste alarmierten. Die Suche nach den Vermissten wurde am Sonntag zunächst fortgesetzt, dann aber abgebrochen. Wegen der starken Strömung des Rheins könnten die drei Männer sehr schnell abgetrieben worden sein. Es bestehe so gut wie keine Hoffnung, die drei Personen noch lebend zu finden, hieß es auf Nachfrage beim Polizeipräsidium Südhessen.
Die Gemeinde Biblis hat in ihrem Gemeindegebiet entlang des Rheins keine Hinweisschilder auf die Gefahren des Badens im Rhein aufgestellt. Das sei Sache des Wasser- und Schifffahrtsamtes, teilte die Gemeinde auf Anfrage mit. Die Kommunalpolizei fahre ganzjährig die sogenannten NATO-Straßen ab. Wegen der Besitzverhältnisse seien die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde Biblis begrenzt. Der Schwerpunkt liege auf zeitweiser Präsenz und nicht in der gezielten Ansprache von Personen. Kontrollen des Uferbereichs und der Wasserseite oblägen der Wasserschutzpolizei. Die Kommunalpolizei werde nur tätig, wenn sie Personen im Wasser antreffe.
DLRG-Einsatzleiter über Badende: „Einige sind beratungsresistent“
Niklas Glotzbach ist Einsatzleiter beim DLRG-Kreisverband Groß-Gerau und oft am Rhein unterwegs. Entlang des Flusses gebe es ein paar idyllische Bereiche, die zum Baden einladen. Bei ihren regelmäßigen Übungen auf dem Rhein sprechen DLRG-Mitarbeiter Badende gezielt an. Mit ernüchterndem Ergebnis. Einige seien einsichtig, die große Mehrheit aber nicht. „Die sind beratungsresistent.“ Sie hielten sich für gute Schwimmer, die regelmäßig im Rhein schwimmen und mit den Gefahren umgehen könnten. Glotzbach warnt: „Der Rhein verändert sich permanent.“
393 Menschen sind nach einer Bilanz der DLRG im vergangenen Jahr in Deutschland bei Badeunfällen ertrunken. In Hessen waren es 19, sieben mehr als ein Jahr zuvor.
Weil es in den vergangenen Jahren entlang des Rheins in Südhessen immer wieder Todesfälle gab, haben die Kommunen reagiert. Sie haben Verbotsschilder aufgestellt, die auf die Gefahren des Badens im Rhein hinwiesen. Immer wieder gehen ausgerechnet an diesen Stellen trotzdem Menschen ins Wasser. Dabei ist es nicht nur die gefährliche Strömung. Wer stundenlang in der Sonne gelegen hat und dann plötzlich ins kalte Wasser springt, bei dem kann der Kreislauf versagen. Kinder, die vermeintlich sicher in Ufernähe mit den Füßen im Wasser stehen, können von den Wellen vorbeifahrender Schiffe mitgerissen werden.
