Wie soll man diese Tragödie fassen? Vielleicht mit der Zahl 2025. Für die Künstlerin Henrike Naumann versprach das Jahr, ein Höhepunkt zu werden, aufregend, erfolgreich und glücklich. Sie bekam einen Ruf als Professorin an die Hochschule für bildende Künste in Hamburg, wo sie ihre Arbeit im kommenden Herbst beginnen sollte. Sie wurde mit Ausstellungsanfragen überhäuft und trat im Herbst ein Stipendium an der Villa Massimo in Rom an. Sie war als eine von zwei Künstlerinnen ausgewählt worden, 2026 im Deutschen Pavillon auf der Venedig-Biennale ausstellen zu dürfen. Die Ausstellung, die kommende Woche beginnt, ist eine der berühmtesten Ausstellungen der Welt. Außerdem brachte Henrike Naumann im Februar 2025 eine Tochter zur Welt. Aus dem Wochenbett schickte sie mir ein Foto von ihrem winzigen Baby auf dem Arm ihres Mannes Clemens Villinger. Sie schrieb dazu ein Lob auf Väter in Elternzeit und dass sie sich freue, nun alles mit ihm und der Tochter herauszufinden. Aber das Leben spielte anders. Einen Tag nach dem ersten Geburtstag ihrer Tochter, im Februar 2026, starb Henrike Naumann mit 41 Jahren.
