
Ein Spielfilm aus der Hand eines Tech-Giganten aus dem Silicon Valley: Diesen Eindruck hinterlässt „Deep Frame“ von Henning Morales. Er wird in Frankfurt ausgewählten Zuschauern gezeigt. Produziert wurde der Film größtenteils mithilfe Künstlicher Intelligenz. Er entspricht wohl dem, was sich viele unter einem KI-Film vorstellen: Charaktere und Dialoge wirken in „Deep Frame“ roboterhaft. Am auffälligsten ist, dass der 104 Minuten lange Film nicht berührt.
Morales ist eigens aus Kalifornien angereist: „Ich möchte, dass der Film bekannter wird.“ Präsentiert wird er im Massif Central, einem Kulturzentrum in der Frankfurter Innenstadt. Das, was Morales „Deutschland-Premiere“ nennt, habe der Film bei der Berlinale außerhalb des Wettbewerbs gehabt. Die Reaktionen dort seien „overwhelming“ gewesen, überwältigend.
„Deep Frame“ ist Noir-Thriller und Musical zugleich. Der Plot ist simpel, es geht um einen Kunstraub. Männer führen wichtige Gespräche, es gibt den klassischen Gangster-Typen mit spanischem Akzent, Frauen kommen über die Rolle des hübschen Beiwerks kaum hinaus. Visuell kann man Morales kaum etwas vorwerfen: So sieht eben ein Film aus, der vollständig mit KI erzeugt wurde – und die Herstellung sei, wie Morales betont, alles andere als einfach gewesen. Jede Szene musste einzeln gepromptet werden, wobei der KI genau vorzugeben war, was sie zu tun hatte. Trotzdem kann all das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Drehbuch, Plot und Dialoge schwach sind.
15 KI-Systeme waren nötig, um den Film zu erstellen
„Deep Frame“ sei „der weltweit erste, auf visueller Ebene zu 100 Prozent von KI generierte Spielfilm“, sagt Morales. Überhaupt wird an diesem Abend mit Superlativen um sich geworfen: Das, was er mit seinem Experiment vorweise, sei mutig, bahnbrechend und eine große Chance für die Branche. Mit hybriden Produktionen, die aus KI-Anteilen und traditioneller Machart bestünden, könne man Filme günstiger, schneller und detailreicher realisieren.
Morales – und das ist erleichternd – rät also davon ab, sich zukünftig nur auf KI zu verlassen, schließlich sei die Arbeit mit Kamera und Mensch der eigentliche Spaß am Filmemachen. Und wenn es nicht so teuer wäre, sähe er ganz von KI ab: „Deep Frame hätte ohne den Einsatz von Künstlicher Intelligenz das Zehnfache gekostet.“ Jetzt hätten die Produktionskosten unter einer Million Euro gelegen. „Deep Frame“ spielt im New York der Achtzigerjahre. In vielen Szenen reihen sich die Autos der damaligen Zeit aneinander. „Allein eine dieser Aufnahmen hätte eine Million Dollar gekostet.“
An Morales’ Film waren 60 Menschen und 15 KI-Systeme beteiligt, entstanden ist er innerhalb von 90 Tagen. Die Charaktere sind „actor-avatars“, wurden also echten Schauspielern nachempfunden, die auch die Dialoge eingesprochen haben. „Auch die Musik wurde von echten Menschen in einem echten Studio produziert.“ Wenn das die Zukunft sein soll und dabei stolz auf die wenigen übriggebliebenen Aspekte verwiesen wird, die nicht aus der Hand von KI stammen, ist das für die Filmbranche ein gruseliger Ausblick.
