Das Schöne am Fußball ist, dass er Generation für Generation mit kollektiven Erinnerungen versorgt. Die einst allen Ernstes gedruckte Schlagzeile „Auge raus, Bein weg“ weist mitnichten, wie Jüngere glauben mögen, auf ein Unglück hin. Fußballanhänger der Generation Mauerfall und älter erkennen den Nationalmannschaftskontext. Manchmal aber wächst der Erinnerungswert, der mit den Namen der Heroen verknüpft wird, ins Gegenständliche. Wo Erinnerungen verewigt werden, wird Platz geschaffen für Fußballerstatuen. Und dann wird es, sagen wir, schwierig.
Es kann so viel schiefgehen. Zum Beispiel Cristiano Ronaldo: Wer erinnert sich an die kleine Büste am Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo? Darüber lachte die Welt.

Zum Beispiel Zlatan Ibrahimovic: Drei Meter hoch, 500 Kilogramm schwer, und die Bronzeplastik schimmerte, na klar, goldig in der skandinavischen Sonne vor dem Stadion von Malmö FF. Vor ihrer Einweihung im Oktober 2019 hatte Ibrahimovic höchstselbst schulfrei für Malmös Jugendliche verfügt. Acht Wochen später wurde das Kunstwerk zum ersten Mal demoliert, weil Ibrahimovic sein Geld in den Lokalrivalen Hammarby IF steckte.
Oder aber, und an dieser Stelle kommen wir zum Ausgangspunkt „Bein weg“ zurück: so eine Fußballerstatue kann Begehrlichkeiten wecken, die Stichworte sind Altmetall und Marktwert. Essen, 3. Oktober 2025, Tag der Deutschen Einheit, Tatort Hafenstraße: Die bis heute nicht ermittelten Täter setzen die Säge an. Dem Abbild Helmut Rahns geht es wie Generationen von RWE-Fans: Der „Boss“ muss leiden. Doch der Coup misslingt. War die lebensechte Plastik des Lebemanns aus Katernberg zu schwer? Wurden die Täter überrascht wie Gyula Grosics von Rahns Flachschuss im WM-Finale 54? Unklar.
Seither jedenfalls stand das Bronzeabbild Helmut Rahns, geschaffen von der Bildhauerin Inka Uzoma, mit angesägtem Unterschenkel vor dem Stadion an der Hafenstraße. Ein unhaltbarer Zustand. Die gute Nachricht: Das Leid hat ein Ende. Zu Wochenbeginn nun war ein Kran angerückt, um den Boss vom Sockel zu heben. Die Statue wird von einem Metallbauunternehmer mit RWE-Mitgliedsausweis und Dauerkarte fachmännisch instand gesetzt und soll vor dem letzten Heimspiel der Saison am 9. Mai wieder auf den Stammplatz zurückkehren. Und dann soll, so stellen sie sich das in Essen vor, Rot-Weiss Essen nach 19 Jahren in die Zweite Bundesliga zurückkehren. Das wäre dann wieder so ein Moment, der ins kollektive Gedächtnis rücken würde.
