
Mit 82 Jahren hat man im Leben einiges erlebt. Für Heinz Schimmelbusch war der Mittwoch dennoch ein besonderer Tag. Denn der in Wien geborene Vorstandsvorsitzende des Rohstoffkonzerns AMG durfte an diesem Tag die Glocke auf dem Parkett der Frankfurter Börse läuten. Zwar handelte es sich nur um ein Zweitlisting, da AMG schon seit 2007 an der Euronext in Amsterdam notiert ist. Doch für Schimmelbusch war es die endgültige Rückkehr an den Main: den Ort, an dem sein Stern als Manager einst aufging und auch jäh erlosch – zumindest vorübergehend. Denn im vergangenen Jahrhundert, als der Bundeskanzler noch Helmut Kohl hieß, führte Schimmelbusch als Vorstandschef die Frankfurter Metallgesellschaft (MG) auf einen rasanten Expansionskurs, der 1993 nach Fehlspekulationen am Ölmarkt für ihn abrupt mit seiner Demission endete.
Mehr als 30 Jahre später kehrt „Schibu“, wie er noch immer genannt wird, zurück mit der Nachfolgegesellschaft Advanced Metallurgical Group, kurz AMG. Nur einen Vokal vom Kürzel der Metallgesellschaft entfernt. Nach mehr als 50 Jahren im Rohstoffgeschäft wisse man nicht genau, ob man alles gelernt habe „oder vielleicht auch schon voll abgeschrieben ist“, sagt Schimmelbusch mit einem Lächeln im Gesicht vor Journalisten, Analysten und Investoren im Nachgang des Börsengangs. Mit der Vergangenheit will sich der Österreicher aber nicht lange aufhalten. Viel lieber redet er über die Projekte seines Unternehmens und die vielen Pläne, die ihm immer noch durch den Kopf gehen in einem Alter, in dem viele Menschen ganz andere Themen bewegen.
Aus dem Fonds entsteht der neue Konzern
Nach dem Aus in Deutschland zog es Schimmelbusch in die USA, wo er 1998 einen Fonds auflegte, der zehn Familienunternehmen aufkaufte, die über die nötige Technologie zur Rohstoffförderung und Verarbeitung verfügten. Letzteres war für ihn der entscheidende Unterschied zu klassischen Bergbaukonzernen. Die eigentliche Wertschöpfung ergibt sich laut Schimmelbusch aber durch die Kenntnisse über die Weiterverarbeitung: „Wir denken in Werteketten.“ Schimmelbusch wollte damals zurück in die Industrie, und so bildete das Konglomerat den Kern für AMG, das bis heute seinen Konzernsitz in Pennsylvania hat. Im Laufe der Jahre ist daraus ein Konzern geworden, der 2025 einen Umsatz von 1,7 Milliarden Dollar erzielte. Mehr als die Hälfte stammte von der Tochtergesellschaft AMG Technologies, deren Herz in Hanau schlägt. Dort sei man Weltmarktführer auf den Gebieten der Wärmebehandlung und Vakuumtechnologie, womit Produkte für die Luftfahrtindustrie veredelt werden.
Mehr als 600 Millionen Umsatz stammen aus dem Geschäft mit Vanadium, das unter anderem bei der Härtung von Stahl eine wichtige Rolle spielt. Chinas Anteil am Weltmarkt liegt bei rund 90 Prozent. AMG ist nach eigenen Angaben der größte Lieferant im Rest der Welt. Allerdings gewinnt man den Rohstoff nicht aus dem Boden wie die Chinesen, sondern in Recyclinganlagen aus alten Katalysatoren. In Bitterfeld hat AMG wiederum die erste Lithiumhydroxid-Anlage Europas eröffnet, in dem das Konzentrat aus der eigenen Mine in Brasilien verarbeitet wird.
Der Traum von der Kernfusion
„Die Wertetreiber von AMG sitzen in Deutschland“, sagt Ebrahim Attarzadeh von Münchmeyer Petersen Capital Markets, der das Zweitlisting in Frankfurt federführend betreut hat. Allerdings brauche man im Rohstoffgeschäft einen langen Atem. Perspektivisch sieht der Investmentbanker ein Preisziel von 50 Dollar je Aktie, aktuell sind es nur 28 Dollar. Die Kursschwankungen in den vergangenen Jahren waren groß, was für die Branche nicht selten ist.
Schimmelbusch hat derweil noch große Ziele: „Mein Traum ist es, in der Fusionsenergie in Deutschland eine Rolle zu spielen.“ Es gibt hoffnungsvolle Kernfusion-Start-ups hierzulande, die beim Durchbruch der sauberen und gefahrlosen Energie eine Rolle spielen könnten. Und AMG ist laut Schimmelbusch längst im Boot: „Wir produzieren schon Komponenten für Pilotanlagen.“
