
Der Weg dorthin nahm eine gewisse Zeit in Anspruch. Schon im Jahr 2018 sei die Entscheidung gefallen, das Angebot um Trainingscenter zu erweitern. Dazu ist das Gemeinschaftsunternehmen Taktikum gegründet worden, an dem der Mittelständler 75 Prozent hält. Partner ist Proreta Tactical, die schon länger in dem Bereich aktiv sind. Eine erste Anlage wurde von Heckler & Koch in Brandenburg erworben und wird derzeit modernisiert. „Künftige Nutzer werden zum aktuellen Stand hauptsächlich das Militär oder Behörden sein.“
Gielke sagt, die Schießanlagen in Deutschland seien in die Jahre gekommen und böten zum Teil auch nicht eine vollumfängliche Trainingsumgebung an einem Ort an, was für eine effiziente und realistische Trainingsmöglichkeit notwendig sei. „Oftmals sind es nur Schießbahnen, dort sind keine Multifunktionsräume dabei. Dann muss man in die nächste Halle zum Selbstverteidigungskurs, oder zum anderen Ort für den Theorieunterricht fahren.“ Aktuell werden gerade von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben etwas mehr als 1 Milliarde Euro in den Bau von bundesweit elf baugleichen Einsatztrainingszentren investiert. Das Erste soll im September 2027 an den Zoll im nordrhein-westfälischen Beckum übergeben werden, wie die Behörde mitteilte. Mit von der Partie ist das Familienunternehmen Goldbeck.
Hoher Bedarf in Deutschland und Europa nach Trainingszentren
Das Bauunternehmen ist nach Angaben von Manager Volker Huber seit 2024 im Bereich von Trainingszentren für Sicherheitsbehörden aktiv. „Dazu gehören je nach Anforderung unter anderem Sporthallen und flexible Einsatztrainingsgebäude mit Raumschießanlagen“, sagt der Geschäftsführer der Goldbeck Nordost GmbH. Den Bedarf in Deutschland und Europa nach Trainingszentren schätze man sehr hoch ein. „Sicherheitsbehörden bekunden verstärkt die Absicht, in eine zeitgemäße Trainingsinfrastruktur zu investieren, um ihre Einsatzkräfte unter realistischen Bedingungen aus- und fortzubilden.“ Als Bau- und Dienstleistungsunternehmen schaffe man die Gebäudeinfrastruktur für diese Trainingsumgebungen.
Nach Angaben von Experten ist für eine reine Schießanlage in einfacher Ausführung ohne Schießkino eine Investition von unter 10 Millionen Euro notwendig. Ein Grundstück und Ähnliches ist bei der Summe noch nicht dabei. Heckler & Koch sieht Potential für solche Anlagen nicht nur im Heimatmarkt. Manager Gielke sagt: „Wir sind aktuell in Deutschland und auch mit Ländern in Europa im Gespräch, entsprechende Trainingsanlagen schlüsselfertig zu bauen oder zu modernisieren und teilweise künftig zu betreiben.“ Länder will er auf Nachfrage nicht nennen. Er macht aber klar, dass nur solche Staaten in Fragen kommen, in die der Mittelständler auch seine Waffen liefert. Der Umsatz des Unternehmens lag im ersten Halbjahr 2026 bei 263,9 Millionen Euro und damit 47,1 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Seinen Gewinn konnte das Unternehmen mehr als verdreifachen: Waren es zuvor 11,8 Millionen Euro, so schoss der Wert ein Jahr später auf 40,8 Millionen in die Höhe.
Hintergrund der Entwicklung sind die höheren Verteidigungsausgaben von Nato-Staaten seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine 2022. Zu den Kunden von HK gehören neben der Bundeswehr auch Frankreich, das inzwischen ebenfalls auf eine Waffe der Schwarzwälder Firma als Standard-Sturmgewehr seiner Armee setzt, und Nachbarstaaten Russlands, etwa Norwegen und die baltischen Staaten.
Alles aus einer Hand
Nach Frankreich ist 2016 erstmals nicht nur eine Waffe geliefert worden, sondern auch Zubehör. „Immer mehr Länder und Behörden bestellen einen Satz und nicht mehr nur die Waffe allein. Sie wollen alles aus einer Hand.“ So habe sich das Unternehmen im Jahr 2022 entschieden, Systemlieferant zu werden. Das Angebot reicht vom einfachen Holster, Tragegurt oder Zielfernrohr, Schalldämpfer bis hin zum Rotpunktvisier. Es gebe mehrere Zulieferer beim Thema Zubehör, vor allem in Europa, wie Gielke weiter berichtet.
Beim neuen Sturmgewehr für die Bundeswehr wurden die Optiken und Laserlichtmodule vom Verteidigungsministerium extra ausgeschrieben. Das liefern andere nicht das im Schwarzwald ansässige Unternehmen mit seinen 1250 Beschäftigten allein am Stammsitz, welches auch gezielt seinen Service ausbaut. Denn: „Investitionen in neue Waffen sind wichtig und aktuell sehr präsent, aber Einsatzbereitschaft entsteht erst durch eine leistungsfähige Service- und Instandhaltungsorganisation. Hier sehen wir großes Potential und einen wachsenden Bedarf im Markt.“ Die ersten abgeschlossenen Serviceverträge seien ein sichtbarer Beleg dafür, dass sich der strategische Aufbau der eigenen Serviceorganisation auszahle und man erfolgreich neue Geschäftsmodelle etabliere.
Der Auftragseingang lag im ersten Halbjahr bei 260 Millionen Euro und damit etwas niedriger als zuvor. Ein echter Dämpfer war das allerdings nicht, weil im Juli eine große Bestellung der Bundeswehr einging: Ende vergangenen Jahres bewilligte der Bundestag die Aufstockung eines Sturmgewehr-Rahmenvertrages von zuvor 120.000 auf nun 250.000 Stück. Im Juli erfolgte der Abruf des kompletten Rahmenvertrages, das füllte die Auftragsbücher beträchtlich.
