
Der Rettungswagen kommt. Zweiundzwanzigste Woche plus fünf. Eine schwangere Frau, in der 22. Schwangerschaftswoche also. Die Fünf, das sind fünf Tage, die das ungeborene Baby näher Richtung Leben bringen. Fachleute sind sich nicht ganz einig, wo genau der Grenzwert liegt, von dem an ein Fötus überhaupt eine Chance hat, zu überleben. Vor der 22. Woche aber gilt es als so gut wie ausgeschlossen.
Christiane Warta und ihre Kolleginnen bilden im Hebammenzimmer einen Kreis. „Time-out“ nennen sie das: Die Hebammen bereiten sich auf den Notfall vor, der da im Rettungswagen Kurs auf das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer hält. Die Patientin kommt mit einem Fruchtblasenprolaps. Die Fruchtblase hat sich durch den Muttermund gewölbt, das könnte vorzeitige Wehen auslösen.
Die Frau droht zu entbinden, viel zu früh. Nur mit intensivmedizinischer Behandlung gibt es überhaupt eine Chance für das Kind. Jeder Tag, den es länger im Bauch der Mutter bleibt, steigert die Aussichten. Von der 23. Woche an wächst die Wahrscheinlichkeit, zu überleben, deutlich.
Warta ist an diesem Tag die Schichtleiterin. Sie verteilt die Aufgaben. Wer übernimmt die Frau? Wie werden die anderen Frauen auf der Geburtsstation auf die anwesenden Hebammen verteilt? Braucht es mehr Unterstützung – die Antwort lautet Ja, also wird eine Kollegin aus der Bereitschaft geholt. Wie lange können sie die Geburt hinauszögern? Dass das Baby in den nächsten Tagen zur Welt kommen und ein paar Tage später sterben wird, wissen die Hebammen zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
