Mit der Meisterschale aus Pappe machten die Serienmeisterinnen des FC Bayern die Alte Försterei unsicher. „Der Zug, der Zug, der Zug hat keine Bremsen“, sangen Matchwinnerin Giulia Gwinn und ihre Mitspielerinnen. Volle Kraft voraus mit doppeltem Schwung: Dass das Rückkehrer-Duo Gwinn und Klara Bühl für den vorzeitigen Titelgewinn in der Bundesliga sorgte, passte perfekt vor dem Kracher-Hinspiel in der Champions League an diesem Samstag (18.15 Uhr/Disney+) in der Münchner Fußball-Arena gegen den FC Barcelona.
„Haben ein bisschen Späße gemacht“
„Es war natürlich im ersten Moment schon ein herber Rückschlag. Das muss ich schon zugeben“, erinnerte sich die Außenstürmerin nach dem triumphalen Comeback: „Vor allem, wenn es dann heißt, es sind einige Wochen bis zwei, drei Monate.“
Das Timing hätte aber nicht besser sein können. Trainer José Barcala wechselte beide Nationalspielerinnen in der zweiten Halbzeit ein. Gemeinsam sorgten sie in einem packenden Spiel gegen nicht aufgebende Union-Frauen für die Entscheidung. „Wir haben vorhin tatsächlich ein bisschen Späße gemacht“, erzählte Gwinn: „Wäre doch schön, wenn wir es entscheiden.“
Denn die Münchnerinnen wollten den Titelgewinn unbedingt an diesem Mittwochabend in Berlin-Köpenick sicherstellen und sich für den Angriff aufs Triple weiter rüsten. „Das kann uns nur guttun, dass wir jetzt wirklich Rückenwind mitnehmen und den ersten Titel der Saison eingefahren haben“, sagte Gwinn vor dem Duell mit Barcelona, das fast zeitgleich ebenfalls den vorzeitigen Meisterschaftsgewinn feierte, dank eines 4:1 im Stadtduell mit Espanyol.
Der elfte Titel insgesamt, der siebte in Serie. Auch hier nur eine Fiesta light. „Verantwortlich für die zurückhaltende Feier war der FC Bayern München“, schrieb Spaniens „Mundo deportivo“.
Die nationale Dominanz beider Teams ist erdrückend. Barcelona gewann 25 seiner 26 Partien, eine ging verloren. 116:7 lautet die Torbilanz. Der Vorsprung auf Platz zwei – Real Madrid – beträgt 16 Punkte. Und: Die Katalaninnen hatten den Bayern zum Auftakt der Königsklassen-Saison eine deftige 1:7-Niederlage beigebracht.
Präsident Hainer schaut auf Barcelona statt Mainz
Die Münchnerinnen verloren noch gar kein Spiel in der Liga, mit 19 Siegen nacheinander hübschten sie den Vereinsrekord auf. 84:8 Tore, 15 Punkte mehr als der VfL Wolfsburg auf Platz zwei – dem Gegner im DFB-Pokalfinale am 14. Mai.
Vereinspräsident Herbert Hainer nannte die vierte deutsche Meisterschaft in Serie „die nächste historische Großtat“. Er kündigte an, dass er am Samstag zu den Bayern-Frauen gegen Barcelona ins Stadion gehe statt zu den Männern nach Mainz.
Den FC Bayern zeichne es schon immer aus, dass er im Erfolg nicht nachlasse – „das gilt auch im Frauenfußball“, betonte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen. Voll verinnerlicht hat das auch Bühl, die seit dem Sommer 2020 beim FC Bayern spielt.
„Ich glaube, wir sind tatsächlich sehr, sehr damit gut gefahren, dass wir auf unsere Konstanz setzen, dass wir einfach schauen, unsere Leistung immer wieder zu bringen, dass wir uns gegenseitig auch im Training fordern, in den Spielen fordern“, erzählte Bühl. Es mache hungrig nach allem Möglichem und man glaube daran, dass man alles erreichen könne.
