In Großbritannien nehmen die Rücktrittsforderungen gegen Premierminister Keir Starmer nach schlechten Wahlergebnissen seiner Labour-Partei weiter zu. Mehr als 70 der gut 400 Labour-Abgeordneten entzogen dem angeschlagenen Regierungschef am Montag öffentlich ihre Unterstützung, wie britische Medien berichteten.
Laut der Zeitung The Guardian und dem Sender Sky forderten auch ranghohe Kabinettsmitglieder, darunter Außenministerin Yvette Cooper und Innenministerin Shabana Mahmood, der Premierminister solle einen geordneten Machtübergang einleiten.
Labour hatte vergangene Woche bei den Kommunalwahlen in England über 1.400 Mandate in kommunalen Gremien verloren. Bei der Parlamentswahl in Wales, wo Labour jahrzehntelange stärkste Kraft war, rutschte die Partei hinter die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru und Reform UK auf Platz drei.
Starmer gibt sich kämpferisch
Aus Protest gegen die Parteiführung kündigten mehrere parlamentarische Assistenten seiner Minister ihren Rücktritt an und forderten Starmer auf, sich von der Regierungsspitze zurückzuziehen. Als Erste traten ein Mitarbeiter von Gesundheitsminister Wes Streeting, Joe Morris, und ein Mitarbeiter aus dem Umweltministerium, Tom Rutland, zurück. Kurz darauf folgten Naushabah Khan aus dem Cabinet Office und Melanie Ward aus dem Team von Vizeregierungschef David Lammy.
Sie alle haben die Position des Parliamentary Private Secretary (PPS) inne, eine Art Assistenzposten. Sie werden von Ministerinnen und Ministern ernannt und fungieren laut der Parlamentswebseite als deren »Augen und Ohren« im Unterhaus. Die unbezahlte Position ist für ambitionierte Abgeordnete oft der erste Regierungsposten.
Rücktrittsforderungen hatte Starmer bereits mehrfach abgelehnt, bei einer Krisenrede am Vormittag gab er sich kämpferisch. Er wisse, dass er Zweifler habe und diese von sich überzeugen müsse – »und das werde ich«, sagte er. Nach seiner Rede bekam der Premier auch Zuspruch aus den eigenen Reihen.
