
Der Kampf um die Macht beim Fußball-Weltverband FIFA hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die FIFA wirft der Europäischen Fußball-Union (UEFA) im Zuge der juristischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Verbänden eine „Desinformationskampagne“ vor. In ihrer Stellungnahme bei einem Bundesbezirksgericht in Florida bezichtigt die FIFA die UEFA zudem, dass sie mit ihren juristischen Schritten versuche, die kommende FIFA-Präsidentschaftswahl zu beeinflussen.
In ihren eingereichten Dokumenten spricht die FIFA von „zahlreichen falschen oder irreführende Aussagen“ der UEFA über den Weltverband und seinen Präsidenten Gianni Infantino. Darunter sei die Behauptung, Infantino habe aus dem gescheiterten Investorenplan persönlichen Profit schlagen wollen.
Hintergrund ist die von der UEFA vorbereitete Strafanzeige in der Schweiz gegen Infantino. Dabei geht es um die Rolle des FIFA-Chefs beim inzwischen verworfenen Plan, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren auch aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen. Ziel der UEFA ist es, Infantino vor der Präsidentschaftswahl beim Kongress im März 2027 zum Aufgeben zu zwingen.
Infantino stellt mehr Geld in Aussicht
Um die Anzeige voranzutreiben, hat die UEFA vor US-Gerichten die Herausgabe von relevanten Unterlagen beantragt – unter anderem durch die FIFA selbst sowie die Investmentgesellschaft Thrive Capital, die als Hauptinvestor eine wichtige Rolle in Infantinos Plan gespielt hatte. Die Unterlagen sollen als Beweismittel verwendet werden.
In dem Antrag kritisiert die UEFA unter anderem den „absurd niedrig“ angesetzten Unternehmenswert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Der Plan sei dazu gedacht gewesen, Infantino und einem kleinen Kreis „eine dauerhafte Beteiligung an den wertvollsten Vermögenswerten der FIFA zu verschaffen und ihnen anderweitig Gewinne daraus zu ermöglichen – zum Nachteil der FIFA, ihrer Mitglieder und anderer Akteure innerhalb der Fußballfamilie“, hieß es. Diese Vorwürfe wies die FIFA mit ihren nun eingereichten Unterlagen zurück.
Zuvor hatte Infantino seinen Kritikern weitere Angriffsfläche genommen und seine Bereitschaft für Reformen beim Fußball-Weltverband untermauert. In einem Brief an alle sechs Präsidenten der Kontinentalverbände, der dem Portal „The Athletic“ vorliegt, signalisiert Infantino die Bereitschaft, weitere Gelder an die Mitgliedsverbände aus den Reserven der FIFA auszuschütten.
Der FIFA-Präsident reagierte damit auf entsprechende Forderungen des UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin, Victor Montagliani (CONCACAF) und Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa, dem Präsidenten des Asiatischen Fußballverbandes (AFC). Die Forderungen würden bei der Sitzung des FIFA-Councils am 15. Oktober geprüft werden.
„Ich möchte der Höhe des Betrags nicht vorgreifen“, schrieb Infantino: „Ich werde das höchstmögliche Maß an zusätzlicher Finanzierung unterstützen, das sich verantwortungsvoll im Rahmen der ordnungsgemäßen Governance-Prozesse der FIFA umsetzen lässt – unter fairer Anwendung sowie gestützt auf transparente und überprüfbare Regelungen.“
Am vergangenen Montag hatte sich Infantino per Brief an die 211 Mitgliedsverbände gewandt und ebenfalls Reformbereitschaft signalisiert. Der seit Wochen in der Kritik stehende Schweizer geht somit weiter in die Offensive. Er strebt bei der Neuwahl im März 2027 eine weitere Amtszeit an. Neben anderen fordert vor allem die UEFA den Rückzug Infantinos.
