
5. Mai 2026 · Wie das kleine Land im Kaukasus mit Tee, Naturwein und Käse Traditionen neu belebt und weltweite Exportschlager produziert
Frauen mit breiten Hüten pflücken unter der heißen Augustsonne Teeblätter und füllen ihre Weidenkörbe, dahinter ragen die Berge des Großen Kaukasus empor. „Kaum jemand weiß, dass Georgien einst nach China, Indien und Sri Lanka der viertgrößte Teeproduzent und -exporteur der Welt war!“, sagt Hannes Saarpuu, Gründer von „Renegade Tea Estate“, während er über seine Plantagen in der Region Imeretien führt. „Die Sowjetunion benötigte Unmengen Tee. Ganz Westgeorgien war damals eine einzige riesige Plantage …, aber die Qualität war miserabel.“ Nach dem Fall des Kommunismus brach die georgische Teeindustrie zusammen, die Felder verwilderten. Saarpuu und sein Team haben die alten Teefelder auf 50 Hektar wiederbelebt – mit harter Arbeit seit 2018. Heute steht „Renegade Tea Estate“ für eine wachsende Anzahl kleiner Produzenten, die in Georgien mit viel Kreativität Tradition neu definieren.
„Kaum jemand weiß, dass Georgien einst nach China, Indien und Sri Lanka der viertgrößte Teeproduzent und -exporteur der Welt war!“
HANNES SAARPUU
Georgien ist zu einem beliebten Reiseziel für Wanderer und Weinliebhaber geworden. Das kleine Land im Kaukasus, mit Russland im Norden, der Türkei und Armenien im Süden sowie Aserbaidschan im Osten, ist nur etwa so groß wie Bayern, hat aber sieben verschiedene Klimazonen: von den schneebedeckten Bergen Oberswanetiens bis zu den sonnenverwöhnten Weingütern Kachetiens. Jede Region hat ihre eigenen kulinarischen Traditionen und Spezialitäten. Politisch steht das Land an einem Scheideweg: Nach der Verleihung des EU-Kandidatenstatus im Dezember 2023 schmückten Europaflaggen die Häuser vor allem in den Städten. Doch seit der Wahl 2024 sitzt die kremlnahe Partei „Georgischer Traum“ in der Regierung. Wohin sich das Land entwickelt, ist ungewiss.
