Trotz Inflation sind die Reallöhne in Deutschland im ersten Quartal gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lagen die Bruttomonatslöhne zwischen Januar und März im Durchschnitt 4,1 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Da die Verbraucherpreise im selben Zeitraum nur um 2,2 Prozent stiegen, ergab sich ein Reallohnplus von 1,8 Prozent.
Besonders kräftig stiegen die Nominallöhne im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden mit 6,9 Prozent sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 6,5 Prozent und in der Energieversorgung mit 5,9 Prozent. Vergleichsweise geringe Zuwächse gab es dagegen in Erziehung und Unterricht mit 3,5 Prozent, im Baugewerbe mit 2,9 Prozent sowie in der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung mit 0,1 Prozent.
Niedrigverdienende profitierten von Mindestlohnerhöhung
Durch die Erhöhung des Stundenmindestlohns auf 13,90 Euro zum Jahresbeginn, legten die Verdienste bei Beschäftigten mit niedrigen Einkommen überdurchschnittlich zu. Das unterste Fünftel der Vollzeitbeschäftigten verzeichnete einen Anstieg von 7,0 Prozent. Insgesamt stiegen die Verdienste von Vollzeitkräften um 4,3 Prozent.
Beim obersten Einkommensfünftel fiel das Plus mit 3,5 Prozent geringer
aus.
Die Löhne bei Auszubildenden legten um 6,8 Prozent zu – hauptsächlich wegen der Erhöhung der Mindestausbildungsvergütung auf 724 Euro im Januar. Durch die Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobs auf 603 Euro verdienten geringfügig Beschäftigte 4,4 Prozent mehr.
WSI warnt vor steigender Inflation
Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung warnt jedoch vor einer baldigen Wende bei der Reallohnentwicklung. »Falls die Inflation im Zuge des Irankriegs das Lohnwachstum überholt, sinkt die Kaufkraft der Beschäftigten wieder«, sagte der Referatsleiter für Tarif- und Einkommensanalysen beim WSI, Malte Lübker.
Hohe Kraftstoffpreise als Folge des seit Ende Februar währenden Irankriegs haben die Inflation im April auf 2,9 Prozent getrieben – den höchsten Stand seit Anfang 2024. Ein Impuls beim privaten Konsum wäre ein wichtiger Beitrag dazu, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nicht stagniert. »Voraussetzung dafür ist wiederum eine positive Kaufkraftentwicklung«, sagte Lübker.
