
Gegendemonstranten haben eine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens in einem überwiegend katholischen Teil der nordirischen Stadt Portadown blockiert. Erstmals seit den Neunzigerjahren hatte die zuständige Parades Commission zuvor den Marsch entlang der Garvaghy Road erlaubt. Auf der Straße hatten sich jedoch nach Angaben britischer Medien am Sonntagmorgen bei heftigem Regen Hunderte Gegendemonstranten versammelt. Die Parade, bei der 35 Teilnehmer, aber keine Bands oder Unterstützer zugelassen waren, konnte deshalb zunächst nicht starten.
Laut britischen Medien beteiligten sich auch Mitglieder der in Irland und Nordirland für die Wiedervereinigung eintretenden Partei Sinn Féin an dem Protest gegen die Parade. In der Nähe der Straße wurden am Morgen Feuerwerkskörper abgeschossen.
Die nordirische Regierungschefin, Michelle O’Neill, rief auf der Plattform X zu „Ruhe auf allen Seiten“ auf. Die Sinn-Féin-Politikerin schrieb aber auch, sie unterstütze das Recht der Anwohner, „gegen diesen unerwünschten konfessionell geprägten Marsch“ zu protestieren. „Dieser Marsch sollte nicht die Garvaghy Road hinuntergehen.“
Die Entscheidung, die Parade auf der Straße zuzulassen, hatte ein Gericht in der Nacht auf Sonntag bestätigt. Seit 1998 hatte die Parades Commission den Marsch über die Straße untersagt. In den Neunzigerjahren kam es im Zuge des sogenannten Drumcree-Konflikts zu teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen bei der Parade.
Der Oranier-Orden wurde 1795 als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus in der Kleinstadt Portadown gegründet. Seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken.
