Es greift zu kurz, sie eine Schriftstellerin zu nennen. Ingeborg Bachmann nämlich war eine Dichterin, sie wurde, heute kaum noch begreifbar, mit ihrer Lyrik berühmt und nicht mit einem Roman. Man muss jedem, der mit ihrem Namen nur noch etwas Biografisches, nur noch die Schmerzensfrau verbindet, die an den Zwängen ihrer Zeit zerbrach, am Patriarchat, am Kapitalismus oder an den Nazis, zuerst die Gedichte zur Lektüre geben, und zwar mit missionarischem Eifer. Sie zählen zum Verstörendsten, zum Eindringlichsten, letztlich zum Schönsten, was im 20. Jahrhundert geschrieben wurde.
