Wir sind die berühmtesten Stufen der Stadt, wahrscheinlich sogar des ganzen Landes, zwar nicht hochgerannt wie der berühmteste Boxer der Filmgeschichte, aber doch schnell hinaufgestiegen, drehen uns um und werfen einen Blick zurück. Er wird gerahmt von zwei Fahnen, die im Wind flattern, die blau-gelbe von Philadelphia und die Stars and Stripes, die Landesflagge Amerikas, die auch ein Kind dieser Stadt ist.
Mit dem Kunstmuseum im Rücken blicken wir den Benjamin Franklin Parkway herunter und haben ein Bild vor Augen, in dem sich Philadelphias Geschichte wie in einem Historiengemälde mitsamt den bekanntesten Protagonisten verdichtet. In der Ferne, auf dem Rathaus, sehen wir die Statue von William Penn, dem Gründer dieser Stadt und des Bundesstaates Pennsylvania, der den in Europa verfolgten Quäkern ein Leben in Freiheit versprach. Davor thront George Washington auf seinem Pferd, als wolle er gleich losreiten, um die Engländer aus ihren amerikanischen Kolonien zu vertreiben, was ihm schließlich auch gelang. Und direkt vor uns steht Rocky mit in die Luft gestreckten Fäusten, der italienischstämmige Underdog aus South Philly, der sich ganz nach oben boxte und der im gleichnamigen Film die Stufen vor dem Kunstmuseum immer wieder hochrannte, um fit für seinen großen Kampf zu werden. Damit machte er diese Treppe so bekannt, dass sie auch 50 Jahre nach der Erstausstrahlung nur „Rocky-Steps“ heißt und sich jeden Tag Touristen aus aller Welt die 72 Stufen hochquälen, um auf dem Podest die Fäuste in die Luft zu recken, als hätten sie gerade selbst den Schwergewichtsweltmeister Apollo Creed besiegt.
Die Zerstörung der amerikanischen Demokratie
Es ist die Dreifaltigkeit der uramerikanischen Versprechen von Freiheit, Demokratie und Aufstiegschancen, für die diese drei Helden stehen. Wir blicken auf ihre bronzenen Abbilder und fragen uns, was ihnen heute einfiele zu diesem Land, das am 250. Jahrestag seiner Gründung gespalten ist wie selten zuvor, in jener Stadt, in der am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien von dem englischen Mutterland verkündet wurde. Wir wissen es eigentlich nur von Rocky oder besser seinem Darsteller und Erfinder Sylvester Stallone, der ein großer Unterstützer von Präsident Trump ist und ihn einen zweiten George Washington genannt hat.
Als wir die Stufen wieder hinabsteigen und zur Reiterstatue des wahren George Washington hinaufblicken, kommt eine ältere Dame auf uns zu. Ihr Haar leuchtet ebenso rot wie ihre Lippen, und sie trägt einen Button am Revers, auf dem steht „Sperrt Trump ein“. „Jeden Tag pilgere ich zu den Gründervätern und flehe sie an, etwas gegen die Zerstörung der Demokratie durch die Regierung zu tun“, sagt sie. Sie redet schnell, wirkt verzweifelt. Und gleichzeitig schöpft sie hier, am Geburtsort der amerikanischen Nation, offensichtlich Hoffnung, dass sich die amerikanische Demokratie doch als stärker erweisen möge als jene, die sie zu untergraben versuchen.

Nirgendwo in den Vereinigten Staaten kommt man dem Gründungsmythos des Landes und seinen Protagonisten so nah wie in Philadelphia, seiner ersten Hauptstadt. Die Stadt zählt 68 Orte von herausragender historischer Bedeutung, und allein in der Altstadt am Delaware River versammeln sich so viele historische Sehenswürdigkeiten, dass man dort allein mehrere Tage verbringen müsste, um sie alle zu sehen. Im Jubiläumsjahr kommen noch zahlreiche Ausstellungen, Sonderveranstaltungen und Aktionen im öffentlichen Raum hinzu.
Der Nukleus der amerikanischen Selbstwerdung ist der Independence National Historical Park. Es ist kein Park im klassischen Sinne, sondern eine mit viel Grün durchsetzte Ansammlung von Gebäuden, in denen die historischen Ereignisse tatsächlich stattfanden oder die später gebaut wurden, um diese Geschehnisse zu erklären. Auf wenigen Straßen verdichten sich die Erzählungen von Revolution und Verfassung als republikanische Selbstinszenierung, an einigen Stellen mit so viel Pathos erzählt, dass einem ganz schwindelig wird vor so viel Heldentum, und an anderen Stellen wiederum lebensnah und zugänglich aufbereitet.
Lange Schlangen vor der Freiheitsglocke
Falls die Zahl der Wartenden vor dem Eingang eine Messlatte für den beliebtesten Ort im historischen Park ist, dann gewinnt die Liberty Bell diesen Wettbewerb mit großem Abstand. Schon am frühen Morgen haben sich lange Schlangen vor dem Ausstellungsraum gebildet: Viele Schulklassen sind gekommen, Eltern mit ihren Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln. Man hört fast ausschließlich amerikanisches Englisch, ausländische Touristen sind wenige darunter.
Ursprünglich war die Liberty Bell gar kein Freiheitssymbol, sondern einfach die Glocke, die die Abgeordneten des kolonialen Parlaments in Philadelphia zu Versammlungen rief. Ob sie wirklich am Tag der Erklärung der Unabhängigkeit geläutet wurde, ist historisch nicht gesichert – ebenso wenig wie die Frage, wann sie ihren tiefen Riss bekam. Er führte dazu, dass sie unbenutzbar wurde, machte sie aber gleichzeitig auf der ganzen Welt bekannt. Diese Fragilität des Objekts in Verbindung mit dem fehlenden Wissen um seine wirkliche historische Bedeutung machten sie zum nationalen Emblem. Die Abolitionisten erklärten sie zur Freiheitsglocke, zum Symbol gegen die Sklaverei. Während des Ersten Weltkriegs wurde sie auf Propagandareise durchs Land geschickt, um die Bevölkerung zu motivieren, Kriegsanleihen zu zeichnen.
Auf welche Reise würde man sie wohl heute schicken, wofür müsste sie werben? Zum großen Jubiläum scheint sie für die allermeisten nur ein weiterer Selfie-Spot zu sein: langes Anstehen für ein Bild mit Glocke, lächeln, knips und weiter.

Statt des Originals wurden zum 250. Jahrestag Glocken aus Fiberglas in die Welt geschickt. Allein in Philadelphia findet man 27 von Künstlern gestaltete Freiheitsglocken, die in ihrer Form dem Original nachempfunden sind: Manche von ihnen sind knallbunt, andere streng und grafisch, sie behandeln historische Themen oder würdigen lokale Ereignisse und Persönlichkeiten. Eine politische Botschaft haben fast alle, und wenn wir einer dieser Glocken in der Stadt begegnen, bleiben wir stehen und betrachten sie genau, weil sie uns sehr viel über diese Stadt und ihre Menschen verrät, viel mehr als die als nationales Symbol überfrachtete Freiheitsglocke.
Die bunten Fiberglasglocken sind bei Weitem nicht die einzigen Kunstobjekte im öffentlichen Raum. Ein Stadtspaziergang gleicht einem Rundgang durch eine Freiluftgalerie, an jeder Ecke gibt es Kunst zu entdecken. Als Welthauptstadt der Wandgemälde, der Murals, gibt es in Philadelphia mehr als 4000 dieser großflächigen, bunten Bilder, die sich an Häuserwänden, Parkplatzbegrenzungen und Mauern finden und deren Themen häufig einen lokalen Bezug haben. Vor mehr als 40 Jahren als Anti-Graffiti-Programm entstanden, sind die Murals zu einer Graswurzelbewegung geworden, die die Stadt künstlerisch von unten gestaltet.
Die Unmittelbarkeit und der Witz der oft mit knalligen Farben gemalten Murals bilden einen Gegensatz zum gravitätischen Ton, der uns im Historical Park begegnet. Dessen bedeutendstes Gebäude ist zweifellos die Independence Hall, in der die Unabhängigkeitserklärung ausgearbeitet und die Verfassung von den Delegierten beraten wurde. Es ist ein schmuckloser roter Backsteinbau mit einem weißen Glockenturm. Seine architektonische Nüchternheit steht in Kontrast zu seiner Bedeutung als doppelter Gründungsstätte und dem Pathos, mit dem dieser Ort in den Museen ringsherum aufgeladen wird. Im Inneren setzt sich die strenge Anmutung fort. Im Versammlungssaal mit seinen weißen Holzpaneelen, in dem die beiden wichtigsten Dokumente der amerikanischen Geschichte diskutiert und an grünen Tischen verfasst wurden, lenkt kein Ornament die Gedanken ab. Nichts könnte dem goldigen Neobarock, den Präsident Trump für öffentliche Gebäude favorisiert, fremder sein als diese spröde Würde, die dieser Raum ausstrahlt.
Die Gründungsväter werden zu Menschen aus Fleisch und Blut
Dass Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, John Adams und die anderen Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung nicht nur debattierten und schrieben, sondern auch tranken und tanzten, erfahren wir erst im Obergeschoss. Hier kamen die Männer nach ihren Sitzungen zusammen, um sich in geselliger Runde von der Arbeit zu erholen. Als im Hintergrund ein Cembalo erklingt, stellen wir uns vor, wie die Männer, die bisher stets würdevoll aus Ölgemälden zu uns hinabgeblickt haben, hier zusammen saßen, lachten, aßen, feierten – und auf einmal werden sie in unserer Phantasie zu Menschen aus Fleisch und Blut.
Im National Constitution Center, dem Museum, in dem die Geschichte und Inhalte der amerikanischen Verfassung didaktisch aufbereitet werden, setzt man hingegen auf die typische Überwältigungsarchitektur, die für solche Orte in Amerika typisch ist. In der Eingangshalle, die in ihren Dimensionen einem Flughafenterminal gleicht, fühlen wir uns als Besucher so winzig, dass wir uns direkt in den Souvenirshop flüchten. Während wir noch darüber staunen, dass man die amerikanische Flagge selbst auf so klitzekleine Dinge wie Haarspangen, Kettenanhänger oder Ohrstecker drucken kann, öffnet sich schon die Tür zum Auditorium, in dem wir eine Einführung in Form einer theatralischen Performance bekommen. Umgeben von Schulklassen, geht es vor allem um die Frage, was „We, the people“ (Wir, das Volk), die berühmte Eröffnungssequenz der Präambel der Verfassung der Vereinigten Staaten, für die Bürger bedeutet. Kontroverse Themen wie Sklaverei und das nicht existente Frauenwahlrecht werden nicht ausgespart, trüben aber nicht das heroische Pathos und den Glauben an eine strahlende Zukunft, in der die Probleme der Vergangenheit nur noch ferne Erinnerung sind.
Die anschließende, in diesem Jahr neu eröffnete Ausstellung über die Gründung Amerikas steigt dann so tief in die juristischen Details der Verfassung ein, dass Feinschmecker der Rechtswissenschaften voll auf ihre Kosten kommen, uns aber bald der Kopf dröhnt.

Dafür fesselt uns im Museum der amerikanischen Revolution die zum Jubiläum konzipierte Ausstellung „The Declaration’s Journey“. Sie zeichnet die Entwicklung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zu einem der einflussreichsten politischen Dokumente der modernen Geschichte nach, deren Ideale zahlreiche Freiheitsbewegungen von Frankreich über Haiti bis Mexiko und Chile beeinflusst haben. Sie zeigt auch, wie die Amerikaner ihre Unabhängigkeitserklärung bewusst zum Exportschlager machten, mit dem ersten Präsidenten George Washington, dessen Porträts sie in alle Welt verschickten, als ihrem Posterboy.
Wir sehen auch Washingtons Kriegszelt, das ihm während der Revolution nicht nur als Schlafplatz diente, sondern als erstes Oval Office der neuen Nation. Es ist klein, vergilbt und so fragil wie ein altes Großmütterchen und lässt die Entbehrungen und Leistungen von George Washington noch größer erscheinen, wenn wir uns vorstellen, wie der groß gewachsene Mann mit seinen Getreuen bei Sturm und Hitze in diesem engen Zelt ausharrte. Die Ausstellung thematisiert auch den Widerspruch, dass die in der Erklärung formulierten Freiheitsrechte noch fast ein Jahrhundert für viele Amerikaner, vor allem die Sklaven, nicht gelten sollten. Und sie dokumentiert, wie die späteren Generationen mit diesem Verrat an den postulierten Idealen umgegangen sind.
Streit über den Sklavenhalter George Washington
Dieser Widerspruch, dass die Gründerväter gleichzeitig Freiheitshelden und Unterdrücker waren, begegnet uns überall im Historical Park. Darüber, wie die Nation mit dieser Janusköpfigkeit umgehen soll, wird im Jubiläumsjahr erbittert gestritten. Ein Kristallisationspunkt dieses Streits ist die President’s House Site, an der George Washingtons Wohnhaus während seiner Präsidentschaft in Philadelphia stand und wo mit ihm auch Sklaven lebten. Eine Ausstellung, die diesen Menschen gewidmet war, wurde Anfang des Jahres auf Weisung der Regierung abgehängt, weil sie ein zu negatives Licht auf Washington werfe. Dagegen klagte die Stadt Philadelphia, und ein Gericht entschied zu ihren Gunsten, dass die Ausstellung wieder aufgebaut werden müsse, was aber nur in Teilen geschah. Nun entschied ein Berufungsgericht jedoch im Sinne der Bundesregierung: Sie habe das Recht, die Ausstellung nach eigenem Gutdünken zu konzipieren, weil sie die Kontrolle über das Gelände schon vor zehn Jahren von der Stadt übernommen habe.
Wie schwer es ist, in dieser aufgeheizten Stimmung im Jubiläumsjahr eine Ausstellung zu gestalten, mit der sich alle Amerikaner identifizieren können, beschreibt auch Kathleen Foster, die als Direktorin für amerikanische Kunst im Philadelphia Museum of Art die Ausstellung „A Nation of Artists“ mitkonzipiert hat. „Wir wollten zum Jubiläum etwas zeigen, in dem sich alle Amerikaner wiederfinden“, sagt Foster, eine energische Dame von Mitte siebzig, die aber keinesfalls so wirkt, als habe sie vor, in nächster Zeit in den Ruhestand zu gehen. „Wir wollen das Verbindende betonen, nicht das, was uns trennt.“

Wer hier eine Ansammlung dekorativer Objekte und Bilder erwartet, wird jedoch enttäuscht. Denn die Ausstellung ist hochpolitisch: Inmitten eines Salons voller holzgeschnitzter Rokoko-Möbel fällt der schlichte Tonkrug eines versklavten Künstlers ins Auge. Hinter dieser ungewöhnlichen Zusammenstellung steckt die Botschaft, dass der Reichtum der einen auf der Ausbeutung der anderen beruhte – und die an der New Yorker Baumwollbörse erzielten Gewinne durch die harte Arbeit auf den Baumwollfeldern erschuftet wurden. Und auch die Maler der riesigen Landschaftsgemälde aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die die Siedler in die unendlichen Weiten jenseits der Appalachen lockten, vergaßen bei ihrer Darstellung menschenleerer Naturräume, dass dort in Wirklichkeit indigene Stämme lebten. Für sie wurde die Eroberung des Westens zum Albtraum.
Zum Jahrestag am 4. Juli erscheint auch Philadelphia selbst als eine von Widersprüchen geprägte Stadt: ein mythisch überhöhter Ort der amerikanischen Geschichte, der aber stärker als andere mit den Herausforderungen der amerikanischen Gegenwart wie der Opioidkrise kämpft. Eine Stadt, die ihren kulturellen Reichtum dem philanthropischen Engagement ihrer reichen Bewohner verdankt, aber gleichzeitig eine der ärmsten Großstädte des Landes ist. Eine Stadt, die politisch liberal und progressiv ist, aber gleichzeitig so segregiert wie kaum ein anderer Ort des Landes.
Doch anstatt sich von diesen Gegensätzlichkeiten zerreißen zu lassen, zieht Philadelphia aus ihnen Energie. Die Stadt empfängt ihre Besucher mit einer echten Herzlichkeit und robusten Lebensfreude, die das Klischee der amerikanischen Oberflächlichkeit Lügen strafen. Trotz der historischen Bedeutung ist die Innenstadt zwischen dem Delaware im Osten und dem Schuylkill im Westen kein Freilichtmuseum, sondern eine Mischung höchst unterschiedlicher, lebendiger Nachbarschaften, die man bestens erlaufen kann, da Philadelphia die fußgängerfreundlichste Stadt des Landes ist. Selbst die windschiefen Häuser mit ihren bunten Fensterläden in der Elfreth’s Alley, der ältesten bewohnten Straße des Landes, sind keine einbalsamierten Reliquien, sondern Gebäude, aus denen Kinderlärm dringt und vor denen Nachbarn einen Plausch halten. Und im Diner, das von Amischen aus dem ländlichen Pennsylvania im Reading Terminal Market geführt wird, servieren Frauen mit weißen Hauben in langen dunklen Röcken die traditionellen Apple Dumplings keinen Touristen, sondern Handwerkern von der Baustelle nebenan.
Trotz aller Herausforderungen spüren wir den Stolz darauf, die Wiege der USA zu sein, an jeder Ecke: Es wurden dunkelblaue Bänke und Fahrradständer mit der Zahl 250 im öffentlichen Raum aufgestellt, und überall begegnen wir künstlerisch gestalteten Einsen: Sie zeigen all die Erfindungen und Meilensteine an, die in Philadelphia zum allerersten Mal passiert sind – vom ersten Zoo über das erste moderne Gefängnis in Amerika bis zum ersten Kaugummi. Im Jubiläumsjahr soll auch ein ganz besonderes Wandbild hinzukommen: Mehr als 1000 Menschen wurden in 35 Workshops in der ganzen Stadt dazu aufgerufen, sich zu überlegen, was sie heute als unverzichtbar erklären würden – in Analogie zu den Gründervätern, die Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit in der Unabhängigkeitserklärung zu unveräußerlichen Rechten deklarierten. Aus diesen reimaginierten Erklärungen hat die Künstlerin Rhonda Babb ein Wandgemälde gestaltet.
In der Free Library, einem Beaux-Arts-Gebäude am Parkway, in dem man nicht nur Bücher, sondern auch Krawatten für Vorstellungsgespräche und Instrumente ausleihen kann, zeigt eine Ausstellung schon heute, was die Einwohner Philadelphias so wichtig finden, dass sie es als Gründerväter und -mütter anno 2026 in die Unabhängigkeitserklärung schreiben würden. Im Gegensatz zu all dem Pomp und Pathos, der uns in den offiziellen Ausstellungen begegnet ist, zeigt sich hier, was Philadelphias Bewohner im Jahr des großen Jubiläums wirklich umtreibt: Die Bürger wünschen sich ein Recht auf gute Bildung, sichere Schulen, eine bezahlbare Gesundheitsversorgung und Mieten, die sie sich leisten können. Es sind Wünsche, die im Vergleich zu Begriffen wie „Freiheit“ und „Glückseligkeit“ maximal pragmatisch wirken und vielleicht gerade deshalb ein ernüchtertes Gefühl beim Betrachter hinterlassen, weil ihre Erfüllung 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.
