
Was aus dem Gebet von Felix Nmecha und Jonathan Tah nach dem Spiel gegen Curaçao gemacht wird, hat nichts mit Fußball, aber sehr viel mit Kulturkampf zu tun. Wären sie Muslime – keiner der Kritiker hätte sich zu Wort gemeldet. Vielleicht hätte es Grummeln im rechtsidentitären Lager gegeben, wo man sich gerne christlich gibt, aber Kreuzzug meint.
Nun standen da aber Christen und beteten miteinander, einer davon, Nmecha, war auch noch einer, der den ermordeten Trump-Prediger Charlie Kirk betrauert hatte. Linker Vorwurf: Evangelikaler, MAGA, AfD, „Christusfimmel“.
Die so reden, machen sich keine Vorstellung, wie bigott sie damit wirken. Ja, ein Fußballspiel sollte nicht zum Gottesdienst werden – auch wenn man sich darüber streiten kann, ob das hingebungsvolle Erlebnis auf den Rängen nicht doch etwas mit (Ersatz-)Religion zu tun hat. Und ja, die Spieler sollten nicht damit übertreiben, ihre Füße und die „Hand Gottes“ zu Werkzeugen des Allmächtigen zu stilisieren.
Wer dieses Gebet aber kritisiert, dem geht es einzig und allein um seine linksidentitäre Religion – oder um zeitgeistiges Mitläufertum, das sich über Glaubensbekenntnisse lustig macht. Beides schreckt nicht davor zurück, ein Gebet, das nur gut gemeint ist, unter abgründigen Verdacht zu stellen. Wenn Fußballspieler uns daran erinnern, dass es da noch etwas anderes gibt als die ach so korrekte Welt der Linken und Rechten, dann ist das eine gute Sache. Es tut ja sonst kaum noch jemand.
