
Bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind am Sonntag palästinensischen Angaben zufolge erneut mindestens 15 Menschen getötet worden. Es war der zweite Tag in Folge mit Angriffen, obwohl US-Präsident Donald Trump einen Durchbruch bei den Bemühungen um die Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens verkündet hatte.
Israelische Kampfflugzeuge bombardierten am Sonntag Gaza-Stadt im Norden, Deir al-Balah im Zentrum sowie die südliche Region um Khan Yunis. Dabei starben unter anderem zwei Ehepaare und zwei Kinder, wie Mediziner mitteilten. Die Zahl von 15 Toten binnen eines Tages war nach palästinensischen Angaben die höchste seit Wochen.
Das israelische Militär erklärte, ein Angriff auf eine Wohnung in Deir al-Balah habe zwei Kommandeuren der Hamas-Elitetruppe „Nuchba“ gegolten. Auch in Gaza-Stadt und Dschabalia seien militärische Ziele attackiert worden.
Hoffnungen auf Wende in Konflikt
Trump hatte am Donnerstag erklärt, die radikal-islamische Hamas und andere bewaffnete Gruppen hätten einer Entwaffnung zugestimmt. Dies hatte Hoffnungen auf eine Wende in dem Konflikt geweckt. Israels Energieminister Eli Cohen, der dem Sicherheitskabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angehört, äußerte sich am Sonntag jedoch skeptisch. Israel werde der Hamas die Möglichkeit zur Entwaffnung geben, er bezweifle aber stark, dass dies geschehen werde, sagte Cohen dem israelischen Armeesender.
Es gebe keine Vereinbarung über einen Stopp der Angriffe auf den Gazastreifen, sagte Cohen. Sollte die Hamas ihre Waffen nicht niederlegen, müsse Israel die vollständige Kontrolle über das Küstengebiet übernehmen. Derzeit kontrolliert Israel Cohen zufolge 70 Prozent des Gebiets. „In der Vereinbarung, die wir mit den USA unterzeichnet haben, ist unser Standpunkt, dass die Hamas zerschlagen werden muss“, fügte er hinzu.
Das von den USA geführte „Board of Peace“, das den Waffenstillstand überwacht, hatte am Freitag einen 15-Punkte-Fahrplan für die finalen Schritte zur Umsetzung des Abkommens veröffentlicht. Die Hamas fordert, dass Israel zunächst seine Angriffe einstellt und die Truppen abzieht, bevor sie ihre Waffen an eine neue palästinensische Verwaltungsbehörde übergibt. Ein hochrangiger Hamas-Vertreter warf Israel am Sonntag vor, durch die Intensivierung der Angriffe Fakten schaffen zu wollen.
Seit dem Abschluss eines Waffenstillstands im Oktober sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen mindestens 1230 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet worden. Im selben Zeitraum starben israelischen Zählungen zufolge vier Soldaten.
