Mehr Raum für die Natur in der Stadt – mit diesem Wunsch ist die Direktorin des Palmengartens, Katja Heubach, in Frankfurt nicht allein. „Wir haben eine künstliche Grenze gezogen zwischen uns und der Natur“, sagt sie. Wie diese überbrückt werden könnte, zeigt seit Anfang Oktober die neue Kunstausstellung „Garten Utopien – was uns in Zukunft blüht“ im Palmengarten. Gerade in der jetzigen Zeit sei es wichtig, darauf zu schauen, was in Zukunft möglich ist, sagt die Direktorin. Ihre Utopie lautet „Frankfurt ist gleich Palmengarten“.
Ein Video des Künstlers Jan Kamensky zeigt, wie der Palmengarten in die Stadt hineinwächst, Pflanzen den Asphalt durchbrechen und Bäume aus dem Boden sprießen. Die Künstlerin malatsion möchte Ästhetik und Funktion verbinden. Ihre Modelllandschaft aus Stroh zeigt, wie Kulturlandschaften künftig aussehen könnten und dabei Wasser speichern.
Plastik oder Natur?
Zwischen den Kunstwerken stehen natürliche Pflanzen neben Plastikpflanzen. „Das Zusammenspiel gefällt mir sehr gut“, verrät Heubach. Die Plastikpflanzen hat Veronika Richterová gefertigt. Die tschechische Künstlerin arbeitet seit 2004 mit Plastikflaschen. Diese sammelt sie aus Kühlcontainern auf der ganzen Welt. So hat sie sich eine Sammlung von 5000 Flaschen aufgebaut. „Unser ganzes Gartenhaus ist voll mit Flaschen.“

Sie schneidet die Flaschen zurecht, formt sie mit einer Heißluftpistole und fügt sie zu menschenhohen Pflanzen zusammen. Am Anfang seien sie nur ihre künstlerische Ausdrucksweise gewesen, erzählt sie. Jetzt, mit Blick auf Umweltverschmutzung und Klimawandel, hätten sie einen anderen Sinn bekommen.
Besonders der Klimawandel wird den Palmengarten vor große Herausforderungen stellen. Der Garten hat manche Rabatten bereits mit klimaangepassten Pflanzen umgestaltet und versucht, die Pflanzen bedarfsgerechter zu wässern. Weitere Veränderungen werden nötig sein. „Die Ausstellung soll nicht nur nach außen wirken, sondern auch nach innen“, sagt Direktorin Heubach. Im Sinne der Schwammlandschaft überlegten sie, an welchen Stellen im Garten sie Mulden schaffen könnten, berichtet Heubach. In Mulden versickert das Wasser besser, und die Bodenfeuchtigkeit steigt. So könnten die gezeigten Beispiele nicht nur die Besucher verändern, sondern auch den Palmengarten selber.
