Wie ein Märchen hört sich das alles an: Eine 23-Jährige sitzt mit 20 Frauen in einer Zelle im Zuchthaus und muss im Dreischichtsystem Strumpfhosen nähen, zwölf Monate lang – und jetzt, 50 Jahre später, wird ebendieser Frau der Goslarer Kaiserring verliehen, eine der höchsten Auszeichnungen der Kunstwelt. Ihre Vorgänger heißen Georg Baselitz, Cy Twombly, Joseph Beuys, Gerhard Richter, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel, Rebecca Horn, Henry Moore, Max Ernst, Wolfgang Tillmans, lauter Weltberühmtheiten. Im Oktober stößt nun also Gabriele Stötzer aus Erfurt zu diesem illustren Kreis hinzu. Und falls Sie ihren Namen tatsächlich noch nicht gehört haben, sollten Sie diese Künstlerin schleunigst im Berliner Gropius-Bau kennenlernen. Dort kann man in einer großen Werkschau mit dem plakativen Titel Dabei sein und nicht schweigen bis zum 6. Dezember eindrucksvoll erleben, wie überfällig die Anerkennung für Gabriele Stötzer ist.
