Außenminister Johann Wadephul hat sich lobend über die Einladung der USA an den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Treffen in Miami geäußert. »Diese Einladung, die ja jede Präsidentschaft aussprechen kann, wird ein Lackmustest sein für Wladimir Putin, ob er bereit ist, ernsthaft zu verhandeln«, sagte Wadephul bei einem Treffen mit seiner kanadischen Amtskollegin Anita Anand in Ottawa. Derartige Chancen müssten genutzt werden.
»Wir haben mehrfach die russische Regierung und Wladimir Putin persönlich aufgefordert, endlich an den Verhandlungstisch zu kommen«, sagte Wadephul. »Wenn das ein Weg ist, dann wäre es zumindest mal der Beginn von ernsthaften Verhandlungen.« Die Voraussetzung für ein sinnvolles Gespräch in diesem Rahmen sei, dass sowohl der russische Präsident als auch die russische Regierung ernsthaft und substanziell bereit seien, in Verhandlungen einzutreten und dazu die Waffen schweigen zu lassen.
Auf die Frage, ob der G20-Gipfel im Dezember bei einer Zusage von Putin boykottiert werden solle, wenn dieser sein Verhalten nicht ändere, sagte Wadephul: »Das ist mir alles zum jetzigen Zeitpunkt zu hypothetisch.« Er glaube, dass US-Präsident Donald Trump die Einladung ausgesprochen habe, »weil die Vereinigten Staaten richtigerweise erneut erhebliche Versuche unternehmen, Russland endlich an den Verhandlungstisch zu bekommen«.
Wadephul: »Russland muss verhandeln«
Die Position der Bundesregierung sei vollkommen klar, sagte Wadephul: »Russland muss verhandeln, je früher, desto besser.« Russland müsse seinen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine möglichst schnell einstellen. »Ein Waffenstillstand ist aus meiner Sicht zusätzlich geboten, um wirklich ernsthaft verhandeln zu können.«
Die kanadische Außenministerin Anita Anand sagte, sie sei überrascht gewesen, als sie von der Einladung an Putin erfahren habe. Anlass für einen Boykott des G20-Treffens sei das für Kanada aber nicht. »Bei Diplomatie geht es darum, am Tisch zu bleiben, um schwierige Konversationen zu haben. Also werden wir da sein.«
In der G20-Runde der großen Industrie- und Schwellenländer ist Russland zwar offiziell noch Mitglied, Putin hat aber zuletzt 2019 physisch an einem Gipfeltreffen teilgenommen – also vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022. Der G20-Gruppe gehören 19 Staaten, die Europäische Union und die Afrikanische Union an.
