Was ist das Spiel des Tages?
Südafrika gegen Kanada (21 Uhr, ARD). Zwei K.-o.-Runden-Debütanten bitten zum Ball. Viel Zeit, sich vorzubereiten, hatten sie nicht. Erst in der Nacht zum Freitag wurde klar, mit wem getanzt wird und wo. Für die Kanadier enttäuschend: Weil sie nur Gruppenzweiter wurden, müssen sie Vancouver verlassen und stattdessen jetzt in Los Angeles antreten. Immerhin haben sie den auf dem Papier schwächeren Gegner bekommen, Südafrika statt Südkorea. Das Team von Jesse Marsch kann also auf den – sorry – Durchmarsch ins Achtelfinale hoffen.
Allerdings hat die Vorrunde gezeigt, dass Südafrika ein zäher Gegner ist. Nach zwei Roten Karten und einer Niederlage im Eröffnungsspiel gegen Mexiko war Bafana Bafana, wie die Nationalmannschaft genannt wird, mehr als angezählt. Aber sie berappelte sich mit einem Unentschieden gegen Tschechien, um dann mit einem Sieg gegen Südkorea (genau, den eigentlich stärkeren Gegner) in die K.-o.-Runde einzuziehen.
Wer wird heute wichtig?
Alphonso Davies. Bisher hat der kanadische Topstar die Spiele seiner Mannschaft wegen einer noch ausheilenden Verletzung nur von der Bank aus verfolgt. Trotzdem hatte der Verteidiger des FC Bayern entscheidenden Anteil am Spiel. Vor dem letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz behauptete Trainer Marsch, Davies sei fit und würde »eine Rolle spielen«. Die Schweiz stellte ihre Mannschaft auf den schnellen und gefährlichen Davis ein – der wurde dann aber gar nicht eingewechselt. Gelogen hat Marsch nicht. Denn Davies spielte ja tatsächlich eine Rolle: die des Lockvogels. So erklärte es Marsch in der Pressekonferenz nach dem Spiel selbst und sagte dann: »Er wird für das nächste Spiel bereit sein.« Dass er auch spielen wird, hat er nicht gesagt.
Kennen Sie den schon?
Den Südafrikaner Thapelo Maseko. In Südkorea kennt man ihn spätestens seit der 63. Minute des letzten Gruppenspiels. Da traf er nämlich zum entscheidenden 1:0. Es war der erste und bisher einzige Treffer eines Südafrikaners aus dem Spiel bei dieser WM. Und auch für Maseko persönlich ein entscheidender, denn er zweifelte jahrelang an seinen Fähigkeiten und war schon kurz davor, seine Karriere aufzugeben. Nach einer Verletzung beim Afrika Cup 2024 verlor er den Stammplatz bei seinem südafrikanischen Klub und die Lust am Spiel. »Ich fühle mich innerlich leer«, sagte er damals. Das änderte sich erst in diesem Jahr, als er per Leihe zum zypriotischen Klub Limassol wechselte und dort nach 662 Tagen zum ersten Mal wieder spielte. Dann nominierte ihn Trainer Hugo Broos auch noch für die WM – und da schießt Maseko seine Mannschaft in die K.-o.-Runde, wird als Spieler des Spiels ausgezeichnet. In der Meteorologie nennt man das Aufwind.
