Es könnte sein, dass wir Menschen den Gesang der Buckelwale verstehen, ehe wir verstanden haben, was Rudi Völler in den vergangenen zwei Jahren als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes gemacht hat. Doch wenn er das hätte machen sollen, was viele von ihm erwartet haben, dann könnte es nicht nur sein, nein, dann ist es so, dass er diese Erwartungen nicht erfüllt hat.
Seit seinem Amtsantritt im Februar 2023 ist der Sportdirektor immer wieder als Sprecher der Nationalmannschaft aufgetreten, der Debatten herunter-, wenn nicht sogar wegvöllern kann. Das war besonders gefragt, als der DFB im September 2023 mit dem damals 36 Jahre alten Julian Nagelsmann den jüngsten Bundestrainer der Nachkriegszeit eingestellt hat. Völler sollte ihm zur Seite stehen, nach innen, aber auch nach außen.
Er verteidigte ihn nach der ersten WM-Niederlage gegen Ecuador. Er verteidigte ihn nach dem WM-Aus gegen Paraguay, sagte sogar, dass er davon überzeugt sei, dass der Trainer „wahrscheinlich der Richtige ist“. Spätestens da musste man dann aber auch fragen, ob der Sportdirektor der Richtige ist.
Am Dienstag hat Völler in einem Gespräch mit ausgewählten Medienvertretern verkündet, dass er, so wie das vertraglich vereinbart war, bis zur EM 2028 im Amt bleiben wird. Er hat in diesem Gespräch aber nicht nur die Erzählung des Boulevards über den Bundestrainer übernommen (er erwähnte „die Wucht und die Macht der Bilder“ und „das ominöse Foto“, das Nagelsmann und seine Frau beim Fahrradfahren in den USA zeigt). Er hat auch gesagt, dass die Stimmung „immer schlechter“ geworden war.
Es sei – so sagen das Teilnehmer des Gesprächs – nicht ganz klar gewesen, ob er damit die Stimmung um die Nationalmannschaft oder die Stimmung in der Nationalmannschaft gemeint habe. So oder so: Wenn Rudi Völler, der für gute Stimmung sorgen sollte, darüber spricht, dass die Stimmung immer schlechter geworden ist, dann spricht er auch über seine Versäumnisse.
„Ich kann auch schlecht Nein sagen“
Warum darf er dann weitermachen? In einem Videointerview, das die Sprecherin des DFB mit ihm geführt hat, das dann aber auf den Kanälen von „Magenta“ veröffentlicht worden ist, sagt er, dass er von verschiedensten Funktionären des deutschen Fußballs dazu ermuntert worden sei.
Vom DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf, vom DFB-Vizepräsidenten Hans-Joachim Watzke, vom Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Außerdem seien da „viele aus der Liga“ gewesen, „die gesagt haben, du musst auf jeden Fall weitermachen“. Und so habe er sich dann dafür entschieden, denn: „Ich kann auch schlecht Nein sagen und mach’s ja auch gerne.“
Dieser Satz von Völler erinnerte an den Satz von Watzke, mit dem das damals angefangen hat: „Rudi, das wäre doch eigentlich etwas für dich.“ Der wichtige Unterschied: Dieses Mal scheint es, dass der Sportdirektor nicht dem Bundestrainer, sondern der Bundestrainer dem Sportdirektor zur Seite gestellt wird. Es sei „hilfreich“, jemanden zu haben, der im Verband „die Abläufe und alles kennt“, sagte zwar Jürgen Klopp, der sich am Dienstagabend für Völler ausgesprochen hat.
Doch nichts spricht dafür, dass der Bundestrainer Klopp sich von einem Sportdirektor Völler etwas sagen ließe. Was entweder gegen Völler oder gegen das Amt des Sportdirektors spräche. Beides wäre ein Problem für den DFB.
