Wenn ein Mann wie Donald Trump ein bedeutendes Fußballspiel besucht, kommt er nicht unauffällig durch die Hintertür. Und wenn er für den Weg dahin einen Helikopter benutzt, dann fliegt der nicht etwa auf dem kürzesten Weg zum Landeplatz, sondern zieht erst mal mit einer ganzen Hubschrauber-Eskorte eine große Schleife über das Stadion. Das hat seinen Grund. Andernfalls käme ja nicht das Wichtigste an dem Ausflug zustande: das kurze Video, das dokumentiert, wie er huldvoll aus dem Fenster auf die mit 80.000 Besuchern randvoll gefüllte Arena herabblickt.
Und bevor jemand wie er das Sportspektakel wieder verlässt, sucht er logischerweise ungebeten die Nähe der euphorischen Siegermannschaft. Es handelt sich um dasselbe Kalkül: Nicht nur die Menschen in den Vereinigten Staaten sollen auf subtile Weise davon überzeugt werden, wie bedeutsam er und seine Aura für eine solche Veranstaltung sind, sondern die ganze Welt. So wie am Sonntag beim WM-Endspiel im New Yorker Vorort East Rutherford, wo sich einiges von dem wiederholte, was er bei der Klub-WM vor einem Jahr am selben Ort abgeliefert hatte.

Dass Zeitungen wie die Washington Post oder die Amerika-Ausgabe der Londoner Sun Trumps Auftritt vom Sonntag als peinlich einstuften, findet er nicht so wichtig. Und FIFA-Präsident Gianni Infantino wohl nur ein bisschen. Sonst hätte er nicht versucht, den Selbstdarsteller sanft vom Podium mit den neuen spanischen Weltmeistern wegzukomplimentieren. Denselben Mann, den er zwei Tage zuvor ohne jede sachfeste Grundlage mit Schmeicheleinheiten wie diesen eingedeckt hatte: „Diese Weltmeisterschaft wäre ohne Sie nicht so unglaublich erfolgreich geworden.“
Dass der Achtzigjährige glaubt, dass seine Anwesenheit bedeutende Sportveranstaltungen adelt, stößt beim Publikum auf wenig Verständnis. Andernfalls hätten die Zuschauer ihn nicht das erste Mal ausgebuht, als sie ihn auf den Stadionmonitoren erspähten, und erneut, als er nach dem spanischen 1:0-Sieg zusammen mit Infantino zur Siegerehrung schritt. Die Reaktion lag sicher nicht nur daran, dass sie als Besitzer teurer Eintrittskarten seinetwegen mit peniblen Sicherheitsvorkehrungen behelligt worden waren und deshalb zwei Stunden und mehr in langen Schlangen zugebracht hatten, um eingelassen zu werden. Die ganze Showmanship, die die Leistungen der Sportler in den Schatten rückt, geht vielen gegen den Strich.
Wie anders wirkten dazu im Kontrast die beiden Repräsentanten der ausrichtenden Partnerländer. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney standen bescheiden, stumm und unauffällig im Spalier der Gratulanten, nachdem sie das Spiel aus derselben VIP-Loge wie Trump und seine riesige Entourage inklusive seiner dritten Frau Melania und seiner drei Söhne verfolgt hatten.
Internationale Politik spielte am Sonntag keine Rolle. Auch wenn das spanische Königspaar und Premierminister Pedro Sánchez zu den Ehrengästen gehörten. Über den Regierungschef hatte sich Trump unlängst besonders ereifert, weil der jede Form der militärischen Unterstützung für den von Israel und den USA betriebenen Iran-Krieg ausgeschlossen hatte. Der US-Präsident beleidigte Spanien, nannte dessen politische Führung „schlimme Leute“ und „Loser“ sowie das ganze Land eine „Horrorshow“ und erklärte kategorisch seine Absicht, den Handel mit dem NATO-Partner zu beenden: „Wir wollen keine Geschäfte mehr mit Spanien machen. Und überhaupt nicht mehr mit ihnen reden.“ Beim jüngsten Gipfeltreffen des Militärbündnisses in Ankara wurden die Wogen zumindest ein wenig geglättet.
Nicht genug, um den 33-jährigen La-Roja-Stürmer Borja Iglesias vollends zu beruhigen. „Ja, ich werde seine Hand schütteln“, sagte er vor dem Finale in einem Interview mit einem spanischen Fußballmagazin und fügte mit einem Lachen hinzu: „Ich will nicht, dass sie mich ins Gefängnis werfen.“ Aber er hoffe, dass das in einem Augenblick passiere, in dem alle glücklich seien. Und dass das alles ganz schnell vorübergehe. Und dass er das dann gleich wieder vergessen könne.
Premierminister Sánchez sah eine Woche vor der Konfrontation die Chance, ein paar eigene Pluspunkte zu verbuchen. In einem Kommentar für die spanische Zeitung El País unterstrich er die besondere Philosophie, die in seinem Land sowohl den Fußball („ein flüssiger, mutiger Spielstil“) als auch das Lebensgefühl prägt. Man begegne Gegnern „mit Demut und Respekt“, schrieb er, und setze „auf kollektives Talent“.
Qualitäten, von denen Donald Trump ganz offensichtlich überhaupt nichts hält.
