Sich neu erfinden muss Markus Krösche nicht. Frankfurts Sportvorstand muss jetzt nur zur alten Gewohnheit zurückkehren: sich strikt an seine Prinzipien halten. Denn das hat den Fünfundvierzigjährigen in Frankfurt zu einem der erfolgreichsten Bundesliga-Manager werden lassen. Mit seiner Trainer- und Spielerauswahl landete der gebürtige Hannoveraner in den vergangenen Jahren viele Volltreffer. Krösches Fachwissen und Instinkt machten ihn interessant für höhere Aufgaben bei finanzstarken Topklubs, sein Name wurde mit den ersten Adressen im deutschen Fußball in Verbindung gebracht.
Doch nun tut sich in der Leistungsbilanz des Aufsteigers, der sich zweimal Bundesliga-Manager des Jahres nennen durfte, eine Delle auf: Zwei Trainer (zuerst Dino Toppmöller, zum Schluss Albert Riera) sowie ein Übergangsgespann (Dennis Schmitt und Alex Meier) schafften es mit ihren Beiträgen jeweils nicht, dass die Eintracht als Tabellenachter nach 34 Spieltagen zu einem Europapokalteilnehmer wurde. Ziel auf ganzer Linie verfehlt!
Prinzip der Vorsicht ausgeblendet
Markus Krösche bewies im Niedergang – 2025 war Frankfurt noch Dritter und qualifizierte sich für die Champions League – Größe. Er fand die Fehler bei sich und nahm alle Schuld auf sich. Der Sportvorstand verkörperte damit das Gegenmodell zu Albert Riera, der sein Scheitern vornehmlich an den Umständen in Frankfurt festmachte und sich keiner Schuld bewusst war. In einer sportlich schwierigen Situation einen Trainer aus dem Ausland verpflichtet zu haben, der die Bundesliga nicht kennt und kein Deutsch spricht, empfindet Krösche im Rückblick als Kardinalfehler. Von seinen Vorstandskollegen sei er nicht gewarnt worden, sagte der Sportvorstand auf der Saison-Abschlusspressekonferenz.
Normalerweise wägt er Nutzen und Risiko ab und durchdenkt Dinge genau. Warum Krösche im Januar dieses Jahres von seiner Linie abgewichen ist? „Meine Überzeugung war so stark, dass ich das Prinzip der Vorsicht ausgeblendet habe“, sagte er. Nach der enttäuschenden Saison auch in eigener Sache nichts beschönigt zu haben, macht Krösche nicht weiter angreifbar. Jetzt muss er aus seinen Fehlern lernen.

Der Sportvorstand, der verstärkt im Fokus steht, wird daran gemessen werden, ob er diesmal den richtigen Trainer für die neue Spielzeit aussucht. Womöglich hat er ihn schon. Dieser solle eine „klare Idee“ haben, „wie er Fußball spielen will“, sagte Krösche. Die Eintracht müsse wieder eine „gewisse Intensität“ in ihr Spiel bekommen, „eine Mischung zwischen Umschaltfußball und Ballbesitzfußball. Wir müssen beide Themen beherrschen, um regelmäßig um die internationalen Plätze kämpfen zu können.“
Das vom Sportvorstand vorgegebene Anforderungsprofil erfüllt in weiten Teilen Adi Hütter. Der 56 Jahre alte Österreicher präferiert als Fußballlehrer schnelles Umschalten und eine intensive Spielweise. Außerdem brächte er auch einen Bezug zur Eintracht mit, arbeitete er doch schon von 2018 an für drei Jahre mit Erfolg am Main. Seine letzte Station war bis Oktober 2025 Monaco.
Aufnahme in die Reihe der Topkandidaten hat auch der ehemalige Salzburger Trainer Matthias Jaissle gefunden, der aktuell in Saudi-Arabien beim zweimaligen asiatischen Champions-League-Sieger Al-Ahli unter Vertrag steht. Gravierende Fehler zugestehen zu müssen, sei für ihn auch neu, sagte Krösche. „In den letzten acht, neun Jahren habe ich, glaube ich, mehr gute als schlechte Entscheidungen getroffen.“ Sich selbst schätzt er als „perfektionistisch“ ein. Diesem Anspruch konnte er zuletzt nicht gerecht werden. Zeit für einen Neuanfang – auch bei ihm.
