
Einer jüngst veröffentlichten Studie zufolge erreichten oder übertrafen im vergangenen Jahr weltweit 1761 Lose bei Kunstversteigerungen die Eine-Million-Dollar-Grenze; der Großteil davon bei den weltführenden Auktionshäusern Christie’s und Sotheby’s. Die Spitzenobjekte machten in diesem Bereich fast 45 Prozent des gesamten Auktionsumsatzes von 2025 aus, entsprachen aber bloß 0,28 Prozent des Verkaufsvolumens. Dass höchstpreisige Werke das Wachstum auf 11,07 Prozent trieben, obwohl Verkäufe von Objekten unter 100.000 Dollar auf 4,16 Prozent zurückgingen, bekräftigt die Aura der Exklusivität, die den Kunstmarkt umgibt und nebst mangelnder Transparenz auf Außenstehende abschreckend wirkt.
Eine neue BBC-Sendung will nach dem Motto „Kunst ist für alle da“ in sechs Folgen beweisen, dass jeder, der glaubt, ein gutes Auge und ein Händchen fürs Geschäft zu haben, sich als Sammler oder Händler versuchen kann. Sieben vom Kunstmarkt gänzlich unbeleckte Paare stellen sich in „The Big Deal“ unterschiedlichen Herausforderungen, wie man es von jenem Gemisch aus Reality-Fernsehen und Spielshow nach der Art von „Big Boss“ kennt.
Was immer in geschmacklose Millionärsvillen passt
Die Teilnehmer, darunter ein Südlondoner Auto- und Altmetallhändler, der bei einem Überfall angeschossen wurde und seitdem gehbehindert ist, und zwei Belfaster Kumpel, der eine Koch, der andere Lieferwagenfahrer, die selbst witzeln, dass ihr nordirischer Akzent unverständlich sei, sind nach den inzwischen üblichen Vielfaltskriterien ausgewählt worden.
Ziel ist es, neue Kunstwerke ausfindig zu machen, Künstler oder Galeristen davon zu überzeugen, sie zu vertreten, eine Provision mit ihnen zu verhandeln und Käufer zum Zuschlag zu überzeugen. Den Teilnehmern stehen Fachleute aus der Branche zur Seite, die sie beraten und zugleich über sie richten. Der Erfolg wird am Provisionsertrag gemessen. Paare, die am wenigsten erwirtschaften, stehen am Ende jeder Folge vor dem Aus. Den Gewinn können die Teilnehmer einstecken. Dem siegreichen Paar winken 50.000 Pfund für den Erwerb von britischer Kunst – genügend Startkapital für eine Handlung, meint Steph McGovern, die durch die Sendung führt.
Die erfolgreiche Wirtschaftsjournalistin und Moderatorin erklärt, den Kitzel eines großen Geschäftes zu lieben, hebt aber immer wieder ihre Passion für die Kunst hervor, die der Vater, ein ausgebildeter Künstler, in ihr geweckt habe. In „The Big Deal“ dreht sich aber alles ums Geld, ob die Herausforderung darin liegt, die Werke von Kunsthochschulabsolventen unter den Hammer zu bringen, mit einem Etat von 30.000 Pfund Kunst für die Einrichtung geschmackloser Millionärsvillen zu beschaffen, limitierte Drucke bei einer Kunstmesse „an die Massen“ zu verkaufen oder die Cocktail-Bar eines Kreuzfahrtschiffes auszustatten. Wie ein verbissener Trainer feuert McGovern die Teilnehmer denn auch mit dem Ruf an: „Lasst uns Geld machen!“
Der Versuch, den Kunstmarkt zu entmystifizieren und demokratisieren, basiert auf der Prämisse, dass er sich nicht von anderen Geschäften unterscheide, man müsse bloß die Spielregeln kennen. Das erweist sich schon deswegen als Trugschluss, weil hier zur populären Unterhaltung ein verfälschend simplifiziertes Bild der Branche für ein unwissendes Publikum mit kleinem Geldbeutel gezeichnet wird. Zuschauer werden dabei für dumm verkauft.
