Fünf Jahre ist sie inzwischen her, die Katastrophe an der Ahr. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 schlug eine Hochwasserflut eine Spur der Verwüstung durch das rheinland-pfälzische Ahrtal. Zahllose Häuser, mehr als 60 Brücken, Straßen und Bahngleise wurden zerstört, insgesamt 135 Menschen verloren ihr Leben, viele Hundert ihr Hab und Gut. Die Naturgewalt hinterließ Milliardenschäden und ein Tal, dessen Bewohner bis heute mit der Bewältigung der Folgen zu kämpfen haben. Angesichts dieser Tragödie erscheint ein Buch mit dem Titel „Weinorte an der Ahr – entdecken, entspannen, entkorken“ zunächst vielleicht etwas pietätlos und unangemessen. Auf der anderen Seite spiegelt es das wider, was sich die Menschen an der Ahr am meisten wünschen: Normalität.

Das Ahrtal war vor der Flut ein Anziehungspunkt für Urlauber und Ausflügler und insbesondere unter Weintouristen ein beliebtes Ziel. Und dass es das fünf Jahre nach der Jahrhundertflut wieder ist, zeigt Claudia Stern auf den 168 Seiten ihres kleinen Führers, der jetzt im Droste-Verlag erschienen ist. Kompakt und unterhaltsam führt die Sommelière und Autorin ihre Leser an 76 Orte, die zeigen, wie viel an der Ahr seit der Katastrophe passiert ist, wiederaufgebaut und neu geschaffen wurde. Sie stellt Weingüter und Vinotheken vor, Restaurants und Weinschänken, Bäcker und Metzger, Hotels und Wanderwege – und sie porträtiert die Menschen, die hinter all dem stehen und mit ihrem Engagement die Aufbruchstimmung im Tal repräsentieren.
Menschen wie Dörte und Meike Näkel. Die beiden Schwestern sind Winzerinnen, ihr Familienweingut Meyer-Näkel in Dernau ist eines der renommiertesten an der Ahr, ihre Spätburgunder gehören zum Besten, was der Weinbau in Deutschland zu bieten hat. Doch in der Nacht, als die Jahrhundertflut das enge Tal verwüstete, haben die Näkels alles verloren. Das Weingut wurde fast vollständig zerstört, und die Schwestern überlebten die Nacht nur mit knapper Not und viel Glück.
Inzwischen ist das Weingut wiederaufgebaut, die Näkel-Schwestern blicken voller Zuversicht in die Zukunft. Und stehen so exemplarisch für die vielen Bewohner des Ahrtals, die die einschneidenden Ereignisse des Juli 2021 hinter sich gelassen haben und sich auf neugierige Besucher, Urlauber und Weinliebhaber freuen. Für genau die ist der kompakte Führer von Claudia Stern gedacht – und eine sehr lohnenswerte Investition.
Claudia Stern: „Weinorte an der Ahr“. Droste Verlag, Düsseldorf 2026, 167 Seiten, 16 Euro
