
Im Ahrtal spielte sich vor fünf Jahren nicht nur eine schreckliche Flutkatastrophe ab. Sie war der Beginn einer politischen Umorientierung. Das lag nicht nur am Behördenversagen, das vom Landkreis bis in die Landeshauptstadt reichte. Nicht erst unter dem CDU-Ministerpräsidenten von heute, sondern schon unter dessen SPD-Vorgängern wäre dafür eine Entschuldigung fällig gewesen. Was die Katastrophe zur politischen Wende werden ließ, war und ist aber noch etwas anderes.
Es hat etwas Zynisches, wenn nach Naturkatastrophen wie dieser, um Schuldgefühle zu wecken, dazu aufgerufen wird, nun aber noch rigoroser dafür zu kämpfen, dass in zwanzig Jahren in Deutschland klimaneutrale Zustände herrschen. Den Leuten im Ahrtal oder irgendwo sonst, wo sich die Natur im Zeichen des Klimawandels gegen den Menschen wendet, ist damit nicht geholfen. Daran ändert sich auch nichts, wenn in zwanzig oder dreißig Jahren die Klimaziele einmal erreicht sind.
Klimaziele verhindern keine Katastrophen
Diese nationalen Ziele können im besten Fall Schlimmeres verhüten, wiewohl nicht einmal das sicher ist, schaut man sich um, was sich international tut, nämlich viel zu wenig. Sicher ist nur, dass die Klimaziele nicht abwenden werden, was sich im Ahrtal jederzeit wiederholen könnte, ja nicht einmal dann, wenn sie erreicht sind.
Diese Einsicht macht das Ahrtal zum Menetekel. Eine von Alarmismus getriebene Klimapolitik, die glaubt, weit in die Zukunft planen und dirigieren zu können, raubt der Gegenwart die Mittel, den Mut und die Möglichkeiten, um vernünftige Vorsorge zu treffen. Die Wende in der Klimapolitik, wie sie die Bundesregierung eingeleitet hat, war deshalb überfällig.
Vieles und Großes ist in den Katastrophengebieten geleistet worden. Das verdient Bewunderung. Symptomatisch indessen ist, dass traditionelle Klimapolitik, wie sie besonders in Mainz betrieben wurde, noch immer jeden zum Klimasünder erklärt, der sie anzweifelt, aber den politischen Willen nicht aufgebracht hat, im Ahrtal die nötigen Rückhaltebecken für künftige Hochwasser bauen zu lassen.
Was will man den Talbewohnern nun sagen, wenn es wieder dazu kommt? Dass man noch rigoroser darauf hinwirken muss, Deutschland in die Klimaneutralität zu transformieren? Das mag grüne Klimapolitik hoch zwei sein. Fürsorglich ist sie nicht. Sie führt eher ins politische Ahrtal.
