
Ob groß oder klein, Mensch oder Tier: Zecken können von Kindern beim Spielen im Garten, von der streunenden Katze oder vom Wanderausflug mit nach Hause gebracht werden.
Diese Krankheiten können durch Zecken übertragen werden
Vor allem Baden-Württemberg, Bayern, das südliche Hessen, das südöstliche Thüringen, Sachsen und das südöstliche Brandenburg sind Risikogebiete. Hinzu kommen einzelne Kreise in fünf weiteren Bundesländern, die betroffen sind. Nach Angaben des BIÖG wächst die Zahl der Risikogebiete weiter. Dieses Jahr sind ein Gebiet in Sachsen und eines in Sachsen-Anhalt hinzugekommen. Dabei beziehen sich die Gebiete auf die Verbreitung von FSME-Viren, nicht auf das allgemeine Vorkommen von Zecken. Das RKI sieht ein Gebiet als Risikogebiet an, wenn in einem Zeitraum von fünf Jahren signifikant mehr FSME-Übertragungen gemessen wurden als ein Fall pro 100.000 Einwohner.
In Deutschland gibt es laut RKI mindestens 19 Arten von Schildzecken. Für den Menschen werden sie gefährlich, wenn sie Lyme-Borrelien oder FSME-Viren übertragen. Doch nicht jede Zecke trägt die Erreger in sich. Bei Borreliose sind je nach Areal 5 bis 50 Prozent der Zecken infiziert, wie Dania Richter vom Institut für Geoökologie an der Technischen Universität Braunschweig erklärt.
Wie gefährlich ein Zeckenstich sein kann
Bei Borreliose verlaufen die meisten Infektionen teilweise unbemerkt. Wenn Symptome auftreten, sind diese je nach befallener Körperregion – Haut, Gelenke, Nervensystem, Herz – vielfältig und selten eindeutig. Typisch ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Ring, der sich meist um die Einstichstelle bildet und ausbreitet. Auch eine Schwellung und rötlich-violette Verfärbung der Haut können auf Borreliose hinweisen. Eine Einstichstelle sollte also noch eine längere Zeit im Blick behalten werden. Die Krankheit wird von Bakterien ausgelöst. Dazu muss sich die Zecke mindestens mehrere Stunden festgestochen haben. Umso wichtiger ist eine möglichst frühe Entfernung des Tieres.
Schon beim Verdacht auf Borreliose sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Besonders im Frühstadium kann durch den Einsatz von Antibiotikia ein schwerer Verlauf verhindert werden.
So äußert sich FSME
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist viel seltener als Borreliose. Eine Erkrankung beginnt oft mit grippeartigen Symptomen und kann einen schweren Verlauf nehmen – etwa Entzündungen des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks, wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) informiert. Die ersten Symptome treten in der Regel innerhalb von sieben bis 14 Tagen auf. Das RKI beobachtet das Auftreten von FSME besonders im Juni. Die durch Viren verursachte Erkrankung endet in etwa einem Prozent der Fälle tödlich.
2024 starben 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenstichs, wie es in einer aktuellen Mitteilung des Statistischen Bundesamtes heißt. 15 Menschen hatten Borreliose, neun FSME.
Wie kann ich mich vor einem Zeckenstich schützen?
Wer einen Ausflug in die Natur plant, sollte lange Kleidung und eine Kopfbedeckung tragen. Zusätzlich können laut RKI Anti-Zecken-Sprays mit dem Wirkstoff Icaridin schützen, solange die Anwendungsdauer des Herstellers berücksichtigt werde. Haustiere sollten ebenfalls mit Sprays oder speziellen Halsbändern geschützt werden. Besonders bei Hauskatzen wird eine Übertragung von Zecken auf den Menschen beobachtet.
Wer im Wald, im Park oder im Garten war, sollte seinen Körper gründlich auf die Blutsauger absuchen. Besonders versteckte Bereiche wie der Haaransatz, Kniekehlen, Ohren oder andere geschützte Hautbereiche sollten berücksichtigt werden. Da Zecken nicht sofort stechen, sondern sich auf dem menschlichen Körper erst eine geeignete Stelle suchen, steigt bei frühzeitigem Absuchen die Chance, einem Stich zu entgehen.
Anders als häufig angenommen können Zecken nicht springen und fallen auch nicht von Bäumen. Sie werden durch direkten Streifkontakt mit Gräsern oder Büschen auf Bodenhöhe übertragen.
Kann ich mich impfen lassen?
Da es sich bei FSME um eine Übertragung durch Viren handelt, besteht die Möglichkeit einer Impfung, welche besonders für Personen im Hochrisikogebiet empfohlen und durch die STIKO-Empfehlung von der Krankenkasse gezahlt wird. Das RKI weist auf ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer FSME-Erkrankung bei Personen ab 60 Jahren hin.
Laut BIÖG ist eine Impfung zum Start der Zeckensaison sinnvoll. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung bestehe bei den meisten Geimpften ein Schutz, der für die laufende Saison ausreichend sei. Empfohlen wird die Impfung auch für Menschen, die in ein FSME-Risikogebiet reisen wollen, auch außerhalb Deutschlands. Außerdem gilt die Empfehlung für bestimmte berufliche Gruppen, etwa aus der Forst- oder Landwirtschaft.
Wie entferne ich eine Zecke?
Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte die Zecke laut RKI möglichst bald herausgezogen werden: „Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) und zieht sie langsam aus der Haut.“ Die Zecke dürfe auf keinen Fall vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Anschließend empfiehlt das RKI eine Desinfektion der Wunde. Notfalls solle die Zecke etwa mit dem Fingernagel entfernt werden.
Sind Zecken nach dem Duschen weg?
Da sich die Zecke beim Stich an die Haut heftet, ist das Abduschen der Haut nur bedingt hilfreich. Sollte sie noch auf der Haut krabbeln und einen geeigneten Platz suchen, kann sie abgespült werden. Ein gründliches Absuchen ersetzt dies aber nicht.
Warum man Zecken nicht in der Toilette herunterspülen soll
Außerdem können Zecken mehrere Stunden im Wasser überleben. Das Herunterspülen in der Toilette oder Dusche sollte also vermieden werden. Auch in der Waschmaschine können sie einen Waschgang bis zu 60 Grad überleben. Um Zecken unschädlich zu machen, sollte sie in hochprozentigem Alkohol oder Desinfektionsmittel getränkt, verbrannt oder mit Hilfe eines harten Gegenstandes und einem Tuch zerquetscht werden. Dabei ist zu beachten, die Zecke selbst nicht zu berühren, damit kein Risiko der Übertragung von Krankheitserregern besteht.
