Frauen in den USA können sich die Abtreibungspille
Mifepriston weiter online verschreiben und per Post schicken lassen – ohne
verpflichtenden persönlichen Arztbesuch. Der Oberste Gerichtshof setzte
Einschränkungen einer unteren Instanz aus, während das Gerichtsverfahren um das
Medikament weiterläuft. Die Richter des Supreme Court gaben damit den
Notfallanträgen der Hersteller von Mifepriston statt. Diese hatten vor
erheblichen Auswirkungen auf die Versorgung gewarnt.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte Mifepriston erstmals im Jahr 2000 zugelassen und die Pflicht zu persönlichen Arztbesuchen vor fünf Jahren
abgeschafft. Dieser Zugang wird nun voraussichtlich mindestens bis ins nächste
Jahr kontinuierlich bestehen bleiben. Obwohl das Urteil des obersten Gerichts den Status quo vorerst
sichert, warnen Befürworter von Abtreibungsrechten, dass der Fall noch nicht
endgültig entschieden ist.
Onlineverschreibung einer der wichtigsten Wege für Schwangerschaftsabbrüche in den USA
Vor vier Jahren hat die konservative Mehrheit des Obersten
Gerichtshofs das seit rund fünf Jahrzehnten geltende landesweite Recht auf Schwangerschaftsabbruch annulliert. Seitdem liegt die Zuständigkeit für das
Abtreibungsrecht bei den einzelnen Bundesstaaten. Rund 20 konservativ geprägte
Bundesstaaten haben seither das Recht auf Abtreibung abgeschafft oder drastisch
eingeschränkt.
Deshalb hat sich die Onlineverschreibung und anschließende
Zustellung des Medikaments per Post in den vergangenen Jahren zu einem der
wichtigsten Wege für Schwangerschaftsabbrüche in den USA entwickelt. Mifepriston kommt inzwischen bei der Mehrheit der Schwangerschaftsabbrüche in den USA zum
Einsatz. In Deutschland wird das Präparat unter dem Namen Mifegyne verbreitet.
Der aktuelle Fall vor dem obersten Gericht entstand aus
einer Klage des Bundesstaats Louisiana, der die FDA-Regeln für die
Verschreibung von Mifepriston zurücksetzen will. Der Bundesstaat argumentiert,
dass die Politik das dortige Abtreibungsverbot untergräbt. Die Klageschrift
stellt zudem die Sicherheit des Medikaments infrage, das von
FDA-Wissenschaftlern wiederholt als sicher und wirksam eingestuft wurde.
