
Schon seit Tagen kursieren die Namen der Personen, mit denen die CDU künftig im Frankfurter Magistrat Politik machen will. Am Montagabend beschloss der Kreisvorstand dann auch das Personaltableau, über das spekuliert worden war. Es ist kein Name dabei, den niemand auf der Rechnung hatte.
Allerdings ist die Ressortverteilung an einer Stelle doch ein wenig überraschend: Der CDU-Kreisvorsitzende Nils Kößler wird zwar wie vermutet Bürgermeister und damit als Nachfolger von Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) Stellvertreter von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). Der 48 Jahre alte promovierte Jurist übernimmt aber nicht wie erwartet die Zuständigkeit für die städtischen Finanzen, sondern das weniger einflussreiche, bisher von FDP-Stadträtin Stephanie Wüst geführte Wirtschaftsdezernat. Kößler, der neben Jura auch Betriebswirtschaft studiert hat, führt seit 2019 die CDU-Fraktion im Römer und ist seit 2022 Kreisvorsitzender der Partei.
Neue Stadtkämmerin wird als Nachfolgerin des Grünen-Stadtrats Bastian Bergerhoff die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Susanne Serke. Die 46 Jahre alte Bankkauffrau und Betriebswirtin wird, wenn sie im August wie geplant im Stadtparlament gewählt wird, die erste Frau sein, die in Frankfurt für die Stadtfinanzen verantwortlich ist. Bekannt war die Sossenheimerin, die seit mehr als zwei Jahrzehnten bei einem Frankfurter Kreditinstitut arbeitet, bisher vor allem als langjährige Ortsvorsteherin des für den Frankfurter Westen zuständigen Ortsbeirats 6. Für dieses Amt hatte sie nach der Kommunalwahl nicht mehr kandidiert. Sie wolle sich auf die Arbeit im Römer konzentrieren, hatte sie diese Entscheidung begründet.
Lieber Römer als Landtag
Zum neuen Dezernenten für Sicherheit und Ordnung und damit Nachfolger von FDP-Stadträtin Annette Rinn soll der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Martin-Benedikt Schäfer gewählt werden. Für den 40 Jahre alten Rechtsanwalt aus Sachsenhausen ist damit klar, dass er seine politische Zukunft nicht in Wiesbaden sieht. Statt für den hauptamtlichen Magistrat zu kandidieren, hätte er auch als Nachfolger von Michael Boddenberg zum 1. Juli Landtagsabgeordneter für den Frankfurter Süden werden können. Als sicherheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion befasst er sich schon seit 2021 mit den Themen, die ihn als Dezernent erwarten. In den Koalitionsverhandlungen hat er die Arbeitsgruppe Sicherheit geleitet.
Auch der künftige Mobilitätsdezernent gehört zur Riege der stellvertretenden CDU-Kreisvorsitzenden. Yannick Schwander, 38 Jahre alter Politikwissenschaftler aus Nieder-Erlenbach, soll als Nachfolger von Wolfgang Siefert (Die Grünen) in der Verkehrspolitik neue Akzente im Sinne der CDU setzen. Beruflich ist er seit 2015 Pressesprecher der Stadt Bad Vilbel, ehrenamtlich engagierte er sich unter anderem als Ortsvorsteher in Nieder-Erlenbach. In der Stadtverordnetenversammlung war er umweltpolitischer Sprecher. Mit dem Thema Verkehr hat er sich als Leiter der betreffenden Arbeitsgruppe in den Koalitionsverhandlungen befasst.
„Mit diesen Besetzungsvorschlägen präsentieren wir ein starkes Team für Frankfurt“, erklärte Kößler am Montagabend. „Alle vier Personen verfügen über langjährige politische Erfahrung, hohe fachliche Kompetenz und eine enge Verbundenheit mit unserer Stadt.“ Sie stünden für den „Politikwechsel der Mitte“, den die Frankfurter bei der Kommunalwahl eingefordert hätten.
Das CDU-Quartett soll am 27. August im Stadtparlament gewählt werden. Die Wahl gilt als sicher, da die neu gebildete Koalition aus CDU, Grünen und SPD eine deutliche Mehrheit von 58 der 93 Sitze hat. Hinzu kommen die fünf Stimmen von der Partei Volt, die als Kooperationspartner mit der Koalition verbunden ist. Die vier CDU-Politiker ersetzen zwei Stadträtinnen der FDP, die der neuen Koalition nicht mehr angehört, sowie zwei Politiker der Grünen, die bisher noch nicht entschieden haben, wen das Schicksal der Abberufung trifft.
