Noch ist das TUMO-Lernzentrum in Frankfurt eine Baustelle. Kabel hängen aus der Decke, die großen Scheiben für die gläsernen „Cubes“ in den Innenräumen werden bald geliefert, und die meisten Rechner stehen, in braune Pappkartons verpackt, noch an der Wand. Aber man bekommt doch schon einen Eindruck davon, was in einem Monat im Frankfurter Nordwestzentrum los sein wird. Dann wird das TUMO-Lernzentrum, das am Dienstag unter anderem von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) und Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) feierlich eröffnet wurde, seine ersten jugendlichen Besucher empfangen.
In dem Einkaufszentrum entsteht zwischen Douglas und Peek & Cloppenburg auf zwei Etagen und 2000 Quadratmetern ein moderner Lernort, der zugleich ein Jugendzentrum des 21. Jahrhunderts ist. Der Eintritt ist frei. Das Angebot wendet sich an Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren, die ihre digitalen Kompetenzen und technischen Kenntnisse verbessern wollen, zum Beispiel in den Sparten 3D-Modellierung, Animation, Filmproduktion, Grafikdesign, Musikproduktion, Programmieren, Robotik und Spieleentwicklung. Sie können das selbständig tun oder an Workshops teilnehmen, die von Fachleuten geleitet werden.
Viel Platz fürs Tüfteln an Robotern
Die Einrichtung wirkt modern und nüchtern. Unten neben dem Empfang ist viel Platz fürs Tüfteln an Robotern und die Arbeit am Bildschirm, über eine breite Holztreppe, auf der demnächst Sitzsäcke und Polster liegen sollen, geht es nach oben. „Die Architektur soll widerspiegeln, dass wir die Jugendlichen ernst nehmen“, sagt Laura Gevorgyan, die sich im Förderverein um das Fundraising kümmert. „Wir wollen hier kein Bällebad“, ergänzt Manuel Noe, der das Zentrum leitet.

Der erste Kurs beginnt am 21. Mai. Wer daran teilnehmen will, kann sich über die Website des Zentrums schon jetzt anmelden. Bis zu 1000 Jugendliche in der Woche können in Frankfurt das Zentrum besuchen. Damit möglichst viele das Angebot nutzen können, ist der Zugang beschränkt. Die Jugendlichen können zweimal je Woche für je zwei Stunden ins Zentrum kommen und nach einer Orientierungsphase entscheiden, an welcher Gruppe sie teilnehmen wollen. Sie finden dort alles vor, was sie zum Lernen und Programmieren brauchen: moderne Hard- und Software, Hochleistungsrechner, Film- und Fotokameras und Robotik-Kits.
Die Idee dazu kommt aus Armenien. Das erste Zentrum wurde 2011 in der Hauptstadt Jerewan gegründet und nach seiner Lage am Tumanyan-Park benannt. Inzwischen ist TUMO in 15 Städten auf der Welt vertreten. Das Frankfurter Zentrum ist das siebte derartige Angebot in Deutschland. In Berlin gibt es TUMO seit 2020 und seit 2024 auch in Mannheim, im vergangenen Jahr eröffneten Lernzentren in Hirschaid, Lüdenscheid, Essen und Saarbrücken.
Das selbstbestimmte Lernen steht im Vordergrund: Die Teenager sollen aus Neugier lernen und nicht für die Noten. Statt Zertifikate zu bekommen, erstellen sie ein individuelles Portfolio, in dem ihre Fähigkeiten sichtbar werden sollen. „Es gibt bei uns keine Zugangsvoraussetzungen. Das Angebot ist offen für alle und endet auch nicht an der Stadtgrenze“, sagt der Leiter Noe. Die Resonanz in anderen Städten sei gut: „Viele sagen: Ich will hier nie wieder weg.“
Viele Spender unterstützen das Zentrum
Das Frankfurter Zentrum wird von der Volkshochschule betrieben und von einem gemeinnützigen Förderverein finanziert, der von der Stadt und von vielen Stiftungen unterstützt wird. Die Stadt übernimmt die Mietkosten von jährlich rund 600.000 Euro, der Förderverein deckt alle weiteren Betriebskosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro im Jahr. Er finanziert sich aus Spenden. Zu den Förderern gehören unter anderen die Crespo Foundation, die DZ Bank Stiftung, die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Rotary Club und das Digitalministerium Hessen, das einen Teil der Personalkosten übernimmt.
Es gibt 13 Mitarbeiter. Sieben Studenten sind auf Honorarbasis als Mentoren tätig, hinzu kommen acht Fachleute, die die Workshops leiten. Der Kenntnisstand der Jugendlichen sei unterschiedlich, sagt Laura Gevorgyan vom Förderverein: „Manche brauchen eine enge Betreuung, andere nur ein High Five.“
Die Jugendlichen sollen nicht am Computer versauern
Das Team des Lernzentrums stellt sein Programm derzeit an vielen Schulen vor. „Es geht bei uns nicht ums Zocken oder ums Gucken von Youtube-Videos. Sondern darum, selbst aktiv zu werden“, sagt Gevorgyan. Aber natürlich orientiere man sich auch an den Gewohnheiten der Jugendlichen, die bei TUMO beispielsweise lernen können, wie man eigene Computerspiele entwickeln kann. „Die Jugendlichen sollen nicht am Computer versauern, sondern alle Lernphasen durchlaufen und an realen Projekten arbeiten“, ergänzt Zentrumsleiter Noe. Das Zentrum sei aber nicht nur ein außerschulischer Lernort, sondern auch ein sozialer Treffpunkt, an dem pädagogisch gearbeitet werde.
Bisher hat der Förderverein 3,5 Millionen Euro für den Betrieb in den ersten drei Jahren eingeworben. Der Vorsitzende Sahak Artazyan schwärmt von der engagierten Gemeinschaft, die rund um das Zentrum entstanden sei und die sich für Bildungsgerechtigkeit einsetze. Auch die Erwartungen der Politik sind groß. Oberbürgermeister Josef sagte, das TUMO-Lernzentrum werde Teil der Frankfurter Bildungslandschaft und die Stadt bereichern. Dort könne man „die IT-Fachkräfte von morgen“ entdecken. Digitalministerin Sinemus sagte bei der Eröffnung: „Digitale Zukunft braucht digitale Talente.“
