Den entscheidenden Härtetest hat Wagen Nummer 320 bestanden. Bei den Probefahrten in diesem Sommer kann er unter Beweis stellen, dass die Klimaanlage auch bei Temperaturen von deutlich mehr als 30 Grad den Innenraum auf ein erträgliches Maß herunterkühlen kann. Kein Wunder, schließlich kommt er aus Barcelona. Trotzdem ist Wagen 320 kein Spanier (oder Katalane, wie die Menschen in Barcelona sagen würden). Die Rohbauteile stammen aus der Türkei, die Türen aus China. Doch viel wichtiger für seine künftige Aufgabe ist Rödelheim, wo er in der Zentralwerkstatt der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) so weit getrimmt wurde, dass er von Montag an etwas tun soll, was bisher zu kurz kam: Fahrgäste in Frankfurt von A nach B befördern.
Auf den Straßenbahnlinien 16, 17 und 18 geht in der nächsten Woche der erste Wagen der neuen T-Reihe in Betrieb. Das klingt nach Premiere, doch es ist eine Wiederaufnahme. Im Dezember 2022 wurde die neue Baureihe schon einmal vorgestellt, 14 Wagen wurden geliefert, und elf gingen kurz darauf in den Linienbetrieb. Doch dabei zeigten sich Mängel. „Sie blieben im Betrieb stehen, es gab Türstörungen, und einige Anforderungen wurden nicht erfüllt“, fasste Thomas Hempe, bei der VGF für den Betrieb zuständig, die Mängel am Donnerstag zusammen.

Die Störungen waren derart gravierend, dass die Verkehrsgesellschaft im November 2024 die Reißleine zog, alle Wagen der neuen Serie aus dem Betrieb nahm und an den Hersteller Alstom zurückgab. Sie wurden wieder ins Werk nach Barcelona gebracht und überarbeitet. Offenbar stand auch die Frage im Raum, ob eine Nachbesserung überhaupt möglich sei. Letztlich habe es sowohl auf Experten- als auch auf Management-Ebene eine gute Gesprächsebene zwischen VGF und Alstom gegeben, sagte Hempe.
Seit einem Jahr ist der erste T-Wagen in der überarbeiteten Version in Frankfurt. Er habe seither 16.000 Testkilometer absolviert, auch im Winter und beladen mit Gewichten, so der Betriebsleiter. Jetzt kann die neue Reihe ihre Vorteile ausspielen: Die T-Wagen – die VGF-Straßenbahn-Generationen sind nach dem Alphabet sortiert – sind wie die R-Wagen wieder echte Niederflurwagen mit einer Einstiegshöhe von 30 Zentimetern. „Topmodern, klimatisiert und barrierefrei“, charakterisierte sie der technische Geschäftsführer der VGF, Steffen Geers. Erkennbar sind die neuen Wagen am vorgeschobenen Kinn, seitlich fallen die grünen LED-Streifen der Türen auf, die es sonst bei den Frankfurter Trams nicht gibt.
Zunächst sind die T30 genannten Wagen unterwegs, deren Stückpreis vor vier Jahren mit 2,5 Millionen Euro beziffert wurde. Mit ihrer Länge von gut 30 Metern können sie auf allen Frankfurter Linien eingesetzt werden. Die bestellten 24 sind schon gebaut und sollen von September an im Zwei-Wochen-Rhythmus geliefert werden, wie Alstom-Projektleiter Torsten Berger sagte. Auch der erste von 34 bestellten T40-Wagen sei gebaut, die anderen in der Fertigung. Die mit einem Modul auf 40 Meter gestreckten Straßenbahnen erwartet die VGF von Mitte 2027 an, sodass im Laufe der Jahre 2028/2029 alle Fahrzeuge ankämen.
Die 40 Meter langen Bahnen werden zuerst auf der viel genutzten, längsten Frankfurter Linie 11 eingesetzt, deren Haltestellen auf die größeren Fahrzeuge umgerüstet wurden. Mit den neuen Bahnen können die museumsreifen P-Wagen aus den Siebzigerjahren wieder außer Dienst genommen werden, die man nach der Rückgabe der neuen Serie reaktiviert hatte. Sie sind durch drei hohe Stufen nicht barrierefrei. „Urbane Mobilität ist kein gerader Weg“, lautet für Wolfgang Siefert (Die Grünen) die Lehre aus dem Vorgang. Der Neustart der T-Wagen war für ihn der letzte Termin als Mobilitätsdezernent.
