
Es ist ein unauffälliger Tagesordnungspunkt ohne Aussprache gewesen, mit dem die Frankfurter Stadtverordneten in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl ein kleines Stückchen Radverkehrsgeschichte geschrieben haben. Eine große Mehrheit fasste gegen die Stimmen der Fraktionen von FDP und AfD den Grundsatzbeschluss für den Radschnellweg FRM 3. Die geplante Verbindung zwischen Frankfurt und Wiesbaden soll Fahrradfahrern ungehindertes Fortkommen auf einer breiten Straße ermöglichen. Gedacht ist dabei vor allem an Pendler, die zügig zur Arbeit und nach Hause kommen wollen.
Auch wenn dank der Verbreitung von E-Bikes die mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken länger werden: Die gesamten 40 Kilometer zwischen Finanzplatz und Landeshauptstadt werden nur wenige absolvieren. Auf etwa der Hälfte der Strecke rechnet die Machbarkeitsstudie mit täglich mehr als 2000 Radfahrern. Am Start- und Endpunkt Güterplatz in Frankfurt könnten es sogar 10.000 sein.
Doch bis es so weit ist, wird noch viel Zeit vergehen. Denn anders als ihr Name es verheißt, geht es mit den neun im Rhein-Main-Gebiet geplanten Radschnellwegen nur zögerlich voran. Nach wie vor sind erst von einem einzigen, dem FRM 1 Frankfurt–Darmstadt, elf Kilometer zwischen Langen und Darmstadt fertiggestellt.
Mit dem Beschluss haben die Frankfurter Politiker eine Vorzugstrasse für den Weg nach Wiesbaden zustimmend zur Kenntnis genommen. Wie genau die Strecke verläuft, soll die Vorplanung zeigen. Dafür stehen nun 360.000 Euro bereit. Die Höhe der Gesamtkosten ist noch unklar. Für das Stadtgebiet rechnet Frankfurt mit 45,7 Millionen Euro, von denen nach Abzug der Zuschüsse 8,7 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt gezahlt werden müssen. In der weiteren Planung soll auf teure Brücken, etwa über die Nidda, und andere Bauwerke verzichtet werden.
Nicht in den Kosten sind Vorhaben enthalten, die ohnehin geplant waren. Dazu zählt der vor fast 20 Jahren beschlossene Durchstich durch den Homburger Damm in Verlängerung der Frankenallee, der weitgehend fertiggestellt ist. Schon damals hatte man eine Querung der Bahnstrecke als Radverbindung von der Innenstadt durch das Gallus bis nach Höchst im Sinn, wenn auch noch nicht als Schnellweg. Wann der Durchstich zwischen Schloßborner Straße und Schmidtstraße freigegeben wird, steht nach Auskunft des Mobilitätsdezernats noch nicht fest. Die Bauzeit reiche bis Oktober 2026, eine frühere Öffnung sei angesichts des Baufortschritts aber denkbar.
Herausforderungen auch im Stadtgebiet
Angesichts der Standards für Breite und Ausbauqualität stehen die Radschnellwege in der Planungsdauer anderen Vorhaben kaum nach. Auch wenn vorhandene Straßen und Wege genutzt werden, stellen sich Herausforderungen. So führt der aus Wiesbaden kommende Schnellweg in Frankfurt hinter dem Bahndamm-Durchstich über die Frankenallee in Richtung Güterplatz. Diese bietet zu beiden Seiten des breiten Grünstreifens nur eine schmale Fahrspur, weil der Straßenrand im dicht bebauten Gallus zugeparkt ist. Damit wäre es vorbei, wenn die Frankenallee wie vorgesehen zur fahrradfreundlichen Nebenstraße würde.
Auch für die anderen Radschnellwege, von denen die meisten Frankfurt zum Ziel haben, gibt es noch Klärungsbedarf. Der FRM 1 aus Darmstadt etwa quert in Höhe des Holbeinstegs den Main. Auf diesem sind aber auch Fußgänger unterwegs. Lange gedauert hatte es, bis eine Einigung für den Abschnitt durch den Stadtwald gefunden war. Denn der Schnellweg soll asphaltiert und mit Beleuchtung versehen sein.
Städte verzichten auf Schnellweg nach Eschborn
Mit der Grundsatzentscheidung zum FRM 3 nach Wiesbaden liegen nach einer Mitteilung des Mobilitätsdezernats für alle Radschnellverbindungen auf Frankfurter Gemarkung die politischen Beschlüsse vor. Dazu zählen noch der Schnellweg FRM 5 in den Vordertaunus, der FRM 6 in die Wetterau sowie die beiden Radschnellwege nach Hanau: der nordmainische FRM 7 und der südmainische FRM 8. An der Strecke nach Wiesbaden stehen allerdings noch Beschlüsse der Städte Hattersheim und Hofheim aus.
Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main koordiniert die Radschnellwege rund um Frankfurt, einige soll er auch bauen. Doch das entscheidende Wort haben die Kommunen. Im Fall des mit zehn Kilometern kürzesten Schnellwegs FRM 4, der von Schwalbach und Bad Soden aus in Eschborn an den FRM 5 vom Vordertaunus nach Frankfurt anschließen sollte, haben sie sich Anfang 2025 dagegen entschieden. Das Projekt wird nicht weiterverfolgt, stattdessen sollen Erkenntnisse der Machbarkeitsstudie in die jeweils eigenen Radverkehrsplanungen einfließen.
Einen Zeitplan für den Bau des Radschnellwegs zwischen Frankfurt und Wiesbaden gibt es auch mit dem jüngsten Beschluss noch nicht. Die nächsten Abschnitte, die im Rhein-Main-Gebiet fertiggestellt werden, liegen nach Angaben des Regionalverbands auf dem Radschnellweg FRM 7 Hanau-Ost, für den die Planung im Dezember begonnen habe, und dem FRM 9 zwischen Rodgau und Neu-Isenburg, wo ein zwölf Kilometer langer Abschnitt an der Kreisstraße ebenfalls konkret geplant werde.
Vor knapp zwei Jahren hatte der Fahrradclub ADFC kritisiert, dass es mit den Radschnellwegen zu langsam vorangehe, und mehr Engagement vom Land gefordert. Das sei immer noch grundsätzlich richtig, sagt der hessische Landesvorsitzende Ansgar Hegerfeld. Es sei eben sehr aufwendig, wenn sich alle Kommunen an einer Strecke einigen müssten. Doch der ADFC sei generell optimistisch, dass es vorangehe, so Hegerfeld. Denn während in anderen Regionen die Planung für Radschnellwege teils ganz eingestellt werde, befinde sich Hessen auf einem „zwar langsamen, aber guten Weg“.
