
Bis die Europäische Schule, wie geplant, auf dem Gelände der Bundesbank neu errichtet werden kann, werden noch ein paar Jahre vergehen. Um die akuten Platzprobleme zu lindern, muss die Schule deshalb noch einmal an ihrem bisherigen Standort im Stadtteil Niederursel erweitert werden. Der Magistrat hat dem Vorhaben am Freitag zugestimmt.
Die Schule soll an ihrem jetzigen Standort Praunheimer Weg 126 einen Erweiterungsbau in Holzmodulweise erhalten. Er soll auf dem bisherigen Sportfeld im Norden des Schulgeländes errichtet werden. Vorgesehen sind bis zu 30 zusätzliche Klassenzimmer sowie Räume für Naturwissenschaften, Musik, Werken, Verwaltung und Differenzierung. Auch eine Aufwärmküche und eine Mensa mit Außengelände sind geplant. Die Flure sollen als „offene Lerncluster“ in das pädagogische Konzept einbezogen werden können.
Laut der Magistratsvorlage hat die Europäische Schule einen Raumbedarf von 37.000 Quadratmetern, verfügt aber derzeit nur über 25.000 Quadratmeter. Durch den Erweiterungsbau kommen knapp 8000 Quadratmeter Nutzfläche hinzu. Die Stadt investiert in den Erweiterungsbau rund 58 Millionen Euro, vermietet die Anlage aber für jährlich 2,7 Millionen Euro an die für die Europäische Schule zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, sodass die Investitionskosten zum Teil ausgeglichen werden. Nach dem Umzug der Europäischen Schule bleibt das Gebäude im Bestand der Stadt Frankfurt und soll für andere Schulen genutzt werden können.
Ein Jahr Zeitersparnis durch Schulbau-Offensive
Um diese Zwischenlösung möglichst rasch realisieren zu können, wird der Erweiterungsbau nachträglich in die erste Staffel der städtischen Schulbau-Offensive aufgenommen. Die Projekte der Schulbau-Offensive können schneller realisiert werden, weil weniger politische Beschlüsse nötig sind. Durch die Aufnahme des Projekts sei eine Beschleunigung von bis zu einem Jahr möglich, teilt das Bildungsdezernat mit. Die Stadtverordneten müssen diesem Vorgehen noch zustimmen.
Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hebt hervor, dass die Europäische Schule durch den modernen und hochwertigen Erweiterungsbau zusätzliche räumliche Kapazitäten erhalte. Die Schülerzahlen stiegen stetig an, nicht zuletzt infolge der Ansiedlung der Anti-Geldwäsche-Behörde Amla. „Die Dringlichkeit ist uns sehr bewusst. Mit der Aufnahme des Erweiterungsbaus in unsere Schulbau-Offensive können wir das Projekt erheblich beschleunigen.“
Damit löse die Stadt ihre Zusagen gegenüber den Partnern – EZB, Bund, Land und Europäische Schule – ein und schaffe Planungssicherheit für alle Beteiligten. „Wir haben nun ein klares Ziel vor Augen“, sagt Weber. Der Erweiterungsbau werde ein hochwertiges und zentral gelegenes Schulgebäude. Es soll auch über die Nutzung durch die Europäische Schule hinaus erhalten bleiben.
Der Erweiterungsbau soll über einen Rahmenvertrag für Holzmodule abgewickelt werden, den das Amt für Bau und Immobilien Ende 2024 geschlossen hat. Einen Bau- oder Fertigstellungstermin nennt die Stadt nicht. Unklar ist auch noch, wann und wo Ersatz für den Sportplatz entsteht. Bisher hatte es geheißen, dass eine benachbarte Ackerfläche dafür hergerichtet und genutzt werden soll.
Die Europäische Schule leidet seit Jahren unter Platzproblemen. Das bisherige Gelände war für 900 Schüler ausgelegt, wobei heute bereits 1650 Schüler die Schule besuchen, an der vor allem die Kinder der Mitarbeiter der europäischen Institutionen unterrichtet und betreut werden. Bis 2032 rechnen die Verantwortlichen mit mehr als 2000 Schülern. Deshalb wird seit Jahren nach einem Standort für einen Neubau gesucht, der perspektivisch auf dem Bundesbank-Gelände entstehen soll.
