Heutzutage ist das natürlich alles nicht mehr ganz so schwer. Die Musik kommt in angemessener Stärke über Lautsprecher aus der Tonkonserve und wird elektronisch mit dem Feuerwerk passgenau koordiniert. Im Idealfall zu jeder Rakete und zu jedem Donnerschlag der passende Klang oder die passende Generalpause. Eine ausgeklügelte Choreographie von hohem ästhetischem Reiz, wie sie vor Kurzem zum Abschluss des Frankfurter Museumsuferfests zu erleben war. Tausende verfolgten das Spektakel am Main und konnten sich beglückt, vielleicht aber auch einsam und traurig, jedenfalls irgendwie innerlich bewegt fühlen, als zur Musik die Sterne vom Himmel auf den Fluss herabzuregnen schienen.
Zu Händels Zeiten war die Verbindung von Musik und Feuerwerk komplizierter. Seine 1749 in London zur Feier des Aachener Friedens uraufgeführte festliche Suite ist dennoch eines seiner populärsten Werke und die bekannteste Feuerwerksmusik der Historie. Er schrieb seine „Musick for the Royal Fireworks“ im Auftrag von König Georg II. und auf dessen Geheiß hin zunächst widerwillig nur für militärische Instrumente, also Bläser und Pauken, und bearbeitete sie erst später für ein Orchester mit Streichern.
Drumherum ranken sich allerlei Geschichten. Schon zur öffentlichen Generalprobe der Freiluftmusik strömten demnach etwa 12.000 zahlende Besucher in die Vauxhall Gardens. Die Aufführung endete aber in einem Fiasko. Zuschauer mussten vor Raketen flüchten. Die prunkvolle, einer Mauer mit Torbogen gleichenden Kulisse, die als Feuerwerksrampe diente, ging in Flammen auf. Und dann begann es auch noch zu regnen.
Solche Umstände mögen Gründe dafür sein, dass jenseits des absolutistischen Zeitalters wohl kaum noch ein Komponist vom Range Händels jemals wieder eine Feuerwerksmusik solcher Art geschrieben hat. Wenngleich auch die Musik des Barockmeisters wohl gar nicht während des Feuerwerks, sondern vorab gespielt wurde, so war doch die Herabsetzung der Musik zu bloßem Beiwerk in späteren Epochen den Tonsetzern mit gehobenem Anspruch ein Graus.
Mindestens zwei miteinander befreundete Großmeister haben aber doch jeweils ein kurzes, keine fünf Minuten dauerndes Stück mit dem Titel „Feux d’artifice“ (Feuerwerke) komponiert: der jüngere Igor Strawinsky für Orchester und 1908, vor dem bewunderten älteren Claude Debussy, der sein Klavierstück in den zweiten Band seiner „Préludes“ von 1912 einreihte.
Beide Stücke sind eigenständig, aber geistesverwandt. Dieses Glitzern, Irisieren, bei Strawinsky der farbenreiche, teils auch groteske Orchestersatz, bei Debussy das Feuerwerk an Virtuosität: Zwischendurch lassen aber beide die Dunkelheit spüren und den Blick nach innen gehen. Vielleicht sollte man ihn beim nächsten Feuerwerk auch mal kurz dahin wenden.
