Dem Frankfurter Flughafen steht in diesem Jahr ein besonderer Sommer bevor. So hatte es der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport in der vergangenen Woche auf der Plattform Linkedin formuliert. Denn es ist der erste Sommer, in dem das neue Terminal 3 im Süden des Flughafengeländes in Betrieb ist. Das erste Ferienwochenende war also ein erster Härtetest für das neue Abfertigungsgebäude, das derzeit noch nicht voll genutzt wird: Nur die beiden Hauptflugsteige H und J sind bislang in Betrieb. Der dritte Finger, Flugsteig G, wird erst von 2027 an voll und dann hauptsächlich von Condor genutzt werden, deren Passagiere derzeit noch in Halle C des Terminals 1 abgefertigt werden.
Das Terminal 3 durchlaufen laut Fraport derzeit täglich 30.000 Reisende. Aufs ganze Jahr hochgerechnet wären das knapp elf Millionen. Angesichts von 14 Millionen Passagieren, die beide Flugsteige abfertigen können, deutet dieses Aufkommen noch nicht auf einen allzu großen Stresstest hin.
Dennoch war viel los in der großen, luftig gestalteten Check-in-Halle des neuen Terminals. Lange Warteschlangen oder gar Chaos sah man am ersten Wochenende der Sommerferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland aber nicht. Mitarbeiter von Fraport berichteten von entspannten Fluggästen, vereinzelten Nachfragen, aber einer insgesamt gut überblickbaren Lage. „Es lief den Umständen entsprechend gut“, sagte ein Fraport-Sprecher am Montag.
Besonders Hitze belastet Mitarbeiter
Mit den „Umständen“ ist vor allem die Hitze gemeint, die insbesondere die Mitarbeiter auf dem Vorfeld enorm herausforderte. „Da vollbringen die Kollegen derzeit Tag für Tag Heldentaten“, sagte der Sprecher. An „sensiblen Prozessstellen“, etwa beim Service im Terminal selbst, hat man das Personal aufgestockt.

Allein am ersten Ferienwochenende hatte der Flughafenbetreiber rund 616.000 Passagiere am Frankfurter Drehkreuz abzufertigen. Höchstbetrieb ist das aber noch nicht. Denn in den großen Flächenländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Bayern beginnen die Sommerferien erst deutlich später. In den Sommerferien sollen insgesamt rund neun Millionen Fluggäste kommen, bei rund 60.000 Starts und Landungen.
Dennoch hatte Fraport Wartezeiten insbesondere bei der Grenzkontrolle für Reisende aus Nicht-EU-Staaten prophezeit. Grund sind die von der EU verschärften Erfassungsanforderungen für Drittstaatler im Rahmen des EU-weiten Entry-Exit-Systems. „Alle am Standort Frankfurt Verantwortlichen rechnen vor allem für Reisende aus Nicht-EU-Ländern mit längeren Wartezeiten an der Ein- und Ausreise“, schrieb Fraport-Chef Stefan Schulte jüngst mit Blick auf das Wochenende auf der Plattform Linkedin.
Das System ersetzt den Stempel im Reisepass durch eine digitale Registrierung. Bei der Einreise werden biometrische (Fingerabdrücke, Gesichtsbilder) und persönliche Daten erfasst, was länger dauert als das alte Verfahren. Nach dem Wochenende lässt sich sagen: Die Wartezeiten waren bei manchen tatsächlich erheblich. „Wir hatten punktuell in Spitzenzeiten auch Wartezeiten, die deutlich über einer Stunde lagen“, sagte der Fraport-Sprecher.
Das sei nicht durch die Bank bei der Mehrzahl der Drittstaatler vorgekommen, aber doch bei manchem. Weiterhin gilt die vom Betreiber vor den Ferien formulierte Empfehlung an Drittstaatler, bereits drei Stunden vor dem Abflug am Flughafen einzutreffen, damit alles reibungslos und rechtzeitig klappt.

Gut funktioniert hat am Samstag die gerade erst wieder reparierte und erst seit gut zwei Monaten in Betrieb stehende neue Skyline-Bahn. Weder an der Station am Terminal 1 noch am Terminal 3 waren am Samstagmorgen oder am -mittag lange Schlangen zu sehen, obwohl die Züge gut gefüllt waren. Die Wartezeiten an den Stationen beliefen sich bei kurzer Stichprobe auf zwei bis selten mal vier Minuten.
Auch Fluggesellschaften berichten von fast reibungslosem Betrieb
Die Fahrt selbst dauerte aufgrund reduzierter Geschwindigkeit ein bisschen länger als ursprünglich geplant. Das war aber kaum spürbar. Der Selbsttest ergab: Vom Gleis des Regionalbahnhofs im Norden bis zur Check-in-Halle des Terminals 3 dauerte es am Samstagmorgen 14 Minuten. Zurück bis zu den Check-in-Hallen des Terminals 1 dauerte es rund 15 Minuten, weil im Terminal 3 kurz auf die Bahn gewartet werden musste.
Auch die Fluggesellschaften berichten auf Anfrage von einem weitgehend reibungslosen Betrieb. Lufthansa teilt mit, dass die Abläufe insgesamt gut funktioniert hätten. Für die Ferienzeit habe man die Zahl der Mitarbeiter an Gates und Schaltern verstärkt und viele Abläufe digitalisiert. Belastet wurde insbesondere die Bodenabfertigung durch die hohen Temperaturen. Am Wochenende hat die Gesellschaft laut den Angaben rund 185.000 Passagiere von Frankfurt aus in den Urlaub oder zu Geschäftsreisen geschickt.
Für Condor verlief der Beginn der Sommerferien ebenfalls „insgesamt planmäßig“, wie eine Sprecherin mitteilte. Auf das erhöhte Passagieraufkommen habe man sich mit mehr Personal eingestellt. Am vergangenen Wochenende sind mit Condor den Angaben zufolge 38.000 Gäste in mehr als 220 Abflügen von Frankfurt aus geflogen. Am Samstag war die Schlange wartender Menschen in der Condor-Halle C im Terminal 1 zeitweise lang, wurde aber schnell wieder kürzer.
Beliebt seien insbesondere Mallorca und die griechischen Inseln gewesen. Auch die Fluggesellschaft berichtet von zeitweise aufgetretenen Wartezeiten, die aber auch den hohen Temperaturen geschuldet gewesen seien. „Insgesamt bewegten sich die Abläufe jedoch im erwarteten Rahmen.“
Gestört wurde der Betrieb nach dem Wochenende dann noch kurz vom Unwetter, das in der Nacht zum Montag und in den frühen Morgenstunden über die Region zog. Rund 100 Flüge seien in den frühen Morgenstunden annulliert worden, wie Fraport mitteilte. Zweimal sei die Bodenabfertigung zwischen drei und sechs Uhr kurzzeitig eingestellt worden.
