
Der Taschen Verlag hat die Preise herabgesetzt, nach einem Großeinkauf machen sich zwei unförmige Pakete auf den Weg. Geliefert werden sie durch FedEx. Am 10. September sollen sie zugestellt werden, durch einen Zufall trifft der Bote niemanden an. Da die Ware aufgrund der Bestimmungen des Unternehmens nur dem Empfänger persönlich übergeben werden darf und die Kurierfahrt erst gegen seine Unterschrift abgeschlossen ist, nimmt der Bote die Pakete wieder mit. Seitdem warten sie im großen Lager am Flughafen Hannover. Gut zwei Wochen später ist ein weiterer Zustellungsversuch vereinbart, nach mehreren Kurznachrichten, E-Mails und freundlichen Telefonaten mit den Mitarbeitern des Lagers. Diesmal wird jemand da sein, um die Pakete zu empfangen und die Unterschrift zu leisten, irgendwann zwischen 8 und 15 Uhr.
Um 8.41 Uhr klingelt das Handy. Es ist das Lager. Eine bisher nicht in den Austausch involvierte Mitarbeiterin erkundigt sich, ob die beiden Pakete an diesem Tag hätten ausgeliefert werden sollen. Ja, sagt der Kunde, dem Übles schwant. Das sei bedauerlich, heißt es aus Langenhagen, denn die Pakete seien nicht verladen worden. Und alle Wagen Richtung Kunde schon um 7.50 Uhr losgefahren. Wie schön, dass der Fehler innerhalb von lediglich 51 Minuten bemerkt wurde, denkt sich der Kunde gefasst, auch wenn das Resultat des Telefonats ist, dass die Pakete an Taschen zurückgehen, weil der Kunde die sichere Annahme erst wieder nach dem Ende der Frankfurter Buchmesse garantieren kann und das Lager, das die beiden Pakete zwei Wochen lang ohne Murren betreut hat, plötzlich der Meinung ist, es könne sie nicht länger aufbewahren. Man könne ja bei Taschen anrufen und darum bitten, als Zusteller nicht FedEx mit seinen Unterschrifts-Prinzipien zu nutzen. Vielen Dank und auf Wiederhören.
Der Kunde sieht sich in einem bürokratischen Irrgarten gefangen. Taschen von einem anderen Lieferanten überzeugen? Das geht doch schief. Anschließend mit FedEx noch einmal das vergebliche Zustellungsspiel? Bloß nicht! Nach kurzem Zögern ruft er deswegen in Langenhagen an. Ob er die Pakete selbst abholen könne? Nach zwei Stunden erhält er die Nachricht, das sei kein Problem, die Rückgabe an Taschen sei gestoppt. Der Kunde setzt sich also in die Regionalbahn.
Das FedEx-Areal liegt vom Halt aus gesehen auf der anderen Seite des Flughafens, zwischen den Start-und-Lande-Bahnen, durch einen Tunnel unter dem Rollfeld von Terminals, Parkplätzen und Hotels getrennt. Der Kunde kommt zu Fuß vom fünf Kilometer entfernten Bahnhof Langenhagen-Pferdemarkt, denn Spazierengehen ist gesund. Außerdem fährt die S-Bahn zum Flughafen nur alle halbe Stunde, die eine ist gerade weg, die nächste hat 40 Minuten Verspätung, und der Bus kommt auch nicht. Als der Kunde das Tor des FedEx-Geländes erreicht, ist er müde, denn fünf Kilometer sind fünf Kilometer, vor allem entlang der viel befahrenen Flughafenstraße mit ihrem schmalen Seitenstreifen, der ständige Aufmerksamkeit auf buckeligen Grasbüscheln erfordert.
Der tatkräftige FedEx-Pförtner packt den Kunden daher für die letzten Meter auf den Beifahrersitz eines Lieferwagens, der das Tor zum Gelände gerade passiert. Und setzt ihn nach Abholung der Pakete einschließlich Unterschrift vorne zum Fahrer eines weiteren Lieferwagens, der das Areal gerade verlässt. Der Rückweg zu Terminal und S-Bahn-Station ist daher kurz und bequem. Und der Kunde würde nach dieser Erfahrung jederzeit wieder FedEx buchen.
