
Als die Deutsche Fußball Liga in der vergangenen Woche verkündet hat, dass sie den Außenring der Meisterschale für die Gravuren der neuen Gewinner vergrößert hat, ist danach immer wieder derselbe Witz gemacht worden. War das wirklich nötig, wenn es auf absehbare Zeit doch gar keinen neuen Gewinner geben wird? Hihi. Darüber wird noch gelacht, aber in der Bundesliga sollten sie aufpassen, dass ihnen das Lachen nicht im Halse stecken bleibt, weil die Gefahr besteht, dass der wichtigste deutsche Fußballwettbewerb von mehr und mehr seiner Fans als genau das gesehen wird: als Witz.
Durch das 4:2 gegen Stuttgart hat der FC Bayern München am Sonntagabend das 35. Mal die deutsche Fußballmeisterschaft gewonnen. Damit sind die Bayern nun aus 13 der vergangenen 14 Saisons als Sieger gegangen. Und doch wird diese Schale bei der Übergabe nicht nur wegen des neuen Außenrings größer wirken als viele von den anderen davor. Das Team hat unter dem Trainer Vincent Kompany mit einer mitreißenden Spielweise den Bundesliga-Torrekord aufgestellt und wenn sie die vier verbliebenen Partien gewinnt, kann sie den Bundesliga-Punkterekord einstellen. Mit dieser Meisterschaft können die Bayern protzen und prahlen.
Das Problem ist: Die Bundesliga kann das nicht.
Es sollte mittlerweile außer Frage stehen, dass die Stärke des FC Bayern der Bundesliga schadet. Doch weil es für dieses Problem erst einmal keine Lösung gibt, kann man sich mit einer anderen Frage auseinandersetzen, die mit Blick auf die Champions League gerade wieder diskutiert wird: Schadet die Schwäche der Bundesliga dem FC Bayern?
Wer mit Vertretern des Vereins spricht, hört auch in dieser Saison den Vergleich, der schon in den vergangenen Saisons zu hören war: Dass die Absteiger der Premier League mehr Fernsehgeld bekommen als der Meister der Bundesliga. Warum sollten Medienunternehmen auch mehr Geld ausgeben für einen Wettbewerb, der, siehe dieser Sonntag, schon am 29. Spieltag entschieden ist? Doch wenn man verständlicherweise zu dem Schluss kommt, dass der FC Bayern im internationalen Vergleich wegen der Bundesliga einen finanziellen Nachteil hat – heißt das dann wirklich auch, dass er einen sportlichen Nachteil hat?
Die „Smoking Gun“ in Paris
So sehen das die Beobachter, die glauben, dass man als Mannschaft spät in der Saison nur dann über die eigenen Grenzen gehen kann, wenn man auch davor regelmäßig an die Grenzen gehen musste. Ihr Argument: Weil es in der Bundesliga zu wenige Gegner gibt, die die Schwachstellen der Bayern angreifen, können diese gar nicht gut darauf vorbereitet sein, wenn diese Schwachstellen dann in der Champions League angegriffen werden. Das unterscheide sie von ihren Konkurrenten in England, aber auch in Spanien.
Doch man kann dieses Argument auch umdrehen: Die Spanier und vor allem die Engländer werden in ihren Ligen von der ersten Woche an so angegriffen, dass sie sich im Viertelfinale der Champions League nicht mehr mit derselben Kraft wehren können. Und die Bayern, die in dieser Saison einen eher kleinen Kader haben? Sie konnten im Viertelfinale auch deswegen über ihre Grenzen gehen, weil sie bisher seltener an ihre Grenzen gehen mussten.
Im Halbfinale spielen sie nun allerdings gegen eine Mannschaft, die in ihrer Liga in den vergangenen Jahren oft noch weniger Gegenwehr gehabt hat. Und wer eine „Smoking Gun“, einen eindeutigen Beweis, dafür sucht, dass die Schwäche des nationalen Wettbewerbs für den internationalen ein Vorteil sein kann, der muss nach Frankreich schauen. Dort, wo Paris Saint-Germain, der Champions-League-Sieger, auch in dieser Saison immer besser wird.
