
Manche Dinge sind einfach sicher: zum Beispiel das Amen in der Kirche und die gemütsaufhellende Wirkung eines kühlen Drinks nach einem langen Arbeitstag. Bei anderen Dingen bestehen Zweifel. So ist es eine gute Nachricht, als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Dienstag in Anspielung auf Norbert Blüms berühmten Satz feststellt, dass auch die Rente sicher bleibe. Und kein Genosse postwendend widerspricht. Ganz neue, harmonische Töne im politischen Berlin. Darauf ein kühler Drink!
Die gibt es reichlich beim Empfang der F.A.Z. im Berliner Restaurant Borchardt. Sicher ist dabei traditionell der Champagner, und fast sicher, dass Hochsommerhitze über Berlin liegt. Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil: Ein Sommerfest bei 19 Grad und Nieselregen macht ja wenig Spaß.
So kommen die rund 450 Gäste schon früh am Abend in beste Laune. Der Maler Markus Lüpertz, mit Hut und Totenkopf-Gehstock, ist in Begleitung seiner Töchter gekommen. Und scherzt, es sei ja manchmal kritisch über ihn geschrieben worden in der F.A.Z., er hoffe, die Verantwortlichen heute zu stellen. Die Töchter bekräftigen lachend: Sie seien auf Krawall aus.
Eine Rentenreform will auch gefeiert werden
Ein paar Meter weiter ist F.A.Z.-Herausgeber Jürgen Kaube im Gespräch mit dem Grünen-Politiker Anton Hofreiter. Kaube hatte sich vor Beginn der Party weit aus dem Fenster gelehnt und die Spielergebnisse des Fußballabends prophezeit: Portugal gegen Usbekistan 2:0 – vorsichtig geschätzt, zwei Stunden später endet die Partie 5:0. Für England gegen Ghana tippt Kaube 3:1, bei Panama gegen Kroatien sagt er ein 0:2 voraus.
An einem Tisch hat sich eine illustre Runde eingefunden: Außenminister Johann Wadephul (CDU) sitzt mit Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und deren Mann Oliver Bär zusammen, der als Vizepräsident des Bayerischen Landkreistags heute ebenfalls in Berlin zu tun hat, da kommt auch Gesundheitsministerin Nina Warken herbei. Bär berichtet vom Sommerfest der Unionsfraktion, das am selben Abend stattfindet und von dem sie gerade kommt: Da sei die Stimmung raketenmäßig gewesen, auch wegen der guten Vorschläge der Rentenkommission.
In jedenfalls sehr gute Stimmung versetzt auch Berthold Kohler die Gäste. Er begrüßt als gegenwärtiger Vorsitzender der Herausgeberkonferenz der F.A.Z. die Gäste. Zu einem derzeit viel diskutierten Thema hat er eine klare Botschaft im Gepäck: Die F.A.Z. nutze durchaus Künstliche Intelligenz, und zwar als Werkzeug. Doch in der Zeitung schrieben immer noch Menschen für Menschen.
Man wäre ja „mit dem Klammerbeutel gepudert“, so Kohler, wenn die Zeitung nicht die vielen klugen Köpfe nutzen würde, die für sie arbeiteten. Und die Redaktion sei nicht nur die größte in der Geschichte der F.A.Z., sondern auch die beste. Nun aber solle gefeiert werden, animiert der Herausgeber die Gäste. Man zahle immerhin eine „imposante Getränkepauschale“ im Borchardt, so imposant, dass sie in der Geschichte der Sommerempfänge der Zeitung hier noch nie ausgeschöpft worden sei. Vielleicht lasse sich das heute ja ändern, Champagner sei Dank. Wasser trinken sei aber auch willkommen.
Wer sucht Amthors Krawatten aus?
Und so tun die Gäste wie ihnen geheißen. Es gibt ungewöhnliche Gesprächskonstellationen: Was haben zum Beispiel der Stand-up-Comedian Oliver Polak und die Vorsitzende der Mittelstandsunion, Gitta Connemann (CDU), gemeinsam? Beide stammen aus dem Emsland. Connemann kennt Polaks Eltern. So klein ist die Welt.
Eine klassische Gesprächskonstellation ist das Paar: Staatssekretär Philipp Amthor plaudert – zwischen Händeschütteln mit Bekannten – mit seiner Partnerin Carlotta Voß, die als Politische Referentin und Publizistin arbeitet. Auch wer hinzukommt, findet leicht ins Gespräch mit den beiden, sie sind zu Fröhlichkeiten aufgelegt. Thema Amthors Krawatte: Wer sucht die aus?
Amthor betont, dazu sei er selbst im Stande. Voß bekräftigt: Bei ihnen sei die Rollenaufteilung nicht altmodisch in der Hinsicht, dass die Frau dem Mann die Sachen herauslege. Dann aber räumt Amthor ein: Gelegentlich frage er seine Partnerin schon um modischen Rat. Und sie lacht: Ja, das komme vor. Nun aber ist die Krawatte ja gewählt – Amthor trägt sie eisern weiter trotz der subtropischen Temperatur im Borchardt. Aber die sind der Stimmung nicht abträglich, im Gegenteil.
Manche kühlen sich in der lauen Abendluft vor dem Restaurant ab und beobachten, welche späten Gäste noch eintreffen; da kommt etwa Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). Sie war erst auf dem Fest der Unionsfraktion, dann auf dem Fest der Grünen und krönt den Abend nun bei der F.A.Z. Später warten noch Akten auf sie. Zu den Dingen, die sicher sind, zählt auch: Der Sommerfestabend wird noch lang.
