Eine Kultur der bildhaften Sprache und großen Erzählungen tut ihr Übriges und lässt sich auch auf die automobile Welt übertragen. Batterien heißen Blade Battery, Assistenten God’s Eye und Designmerkmale Dragon Face. Für deutsche Ohren klingt das bisweilen nach Märchenstunde. Gleiches, wenn man den Namen BYD wörtlich nimmt. „Build Your Dreams“, sinngemäß „Bau dir deine Träume“, nennt sich der Autobauer, der in Deutschland inzwischen zwei Prozent Marktanteil hat. Tendenz steigend.
Und, das muss man den Chinesen lassen, sie sind in der Realität wenig kleinlich. Im weltweiten Verkauf von Elektrofahrzeugen hat sich BYD vor Tesla auf Platz eins gesetzt, mit mehr als 4,6 Millionen New Energy Vehicles, Plug-in-Hybride eingeschlossen. Zu ihnen gehört der Dolphin G DM-i, als Teil der Ozeanserie nach einem Meeressäuger benannt.

Das G steht für eine neue, gezielt für Europa konzipierte Generation. DM-i bezeichnet den Plug-in-Hybrid, Dual Mode genannt, der nicht dumm, sondern i wie intelligent sein soll. Dazu schwirrt Reklame mit Aussagen an der Grenze zur Selbstüberschätzung über den Bildschirm. Der Dolphin fährt elektrisch weiter, lädt schneller als gedacht und bringt Träume mit Premiumtechnik auf die Straße. Schließlich sei es nicht irgendein Auto, sondern ein BYD.
Mag man darüber lächeln, lachhaft ist der Dolphin nicht. Sein Auftreten, an manchen Stellen noch so blechern, wirkt auf den ersten Blick nicht billig. Das Design stammt von Wolfgang Egger, seit 2017 Designchef bei BYD, er kommt von Alfa Romeo, Audi und Lamborghini. Ein cleverer Zukauf, vermarkten sich Autos doch gut übers Aussehen. Dazu kommen bis zu 105 Kilometer elektrische Reichweite, 26 Minuten Ladezeit von zehn auf 80 Prozent und 425 Liter Kofferraum. Keine schlechten Werte, die, bis auf letzteren, erst von der Ausstattung Boost an gelten.

Es lohnt der genaue Blick. Oder ein näheres Hineinriechen. Denn mit Einsteigen rümpft sich die Nase. Es müffelt nach Kleber, als wäre eine Uhu-Flasche ausgelaufen. Gesund? Wohl kaum. Hässlich ist der umfänglich mit teils billigem Kunststoff ausstaffierte Innenraum nicht, schlechter verarbeitet als andere auch nicht. Über Verformungen nach Jahren lässt sich keine zuverlässige Aussage treffen.
Hübsch, müffelt aber
Doch lernen die Chinesen überaus schnell und tun offenbar alles, um auch den letzten Kritiker milde zu stimmen. Zwei Bildschirme, neun und 13 Zoll groß, bilden die hochaufgelöste Steuerzentrale, sofern man das überfrachtete Mäusekino im digitalen Kombiinstrument akzeptiert. Die Funktionsflut ist schnell erlernt. Dem Minimalismus zuträglich, nicht der Bedienfreundlichkeit, ist die Klimasteuerung übers Touchdisplay. Kaum besser arbeitet die mit „Hi, BYD“ gestartete Sprachbedienung. Nicht immer versteht die Dame den Fahrer. Ist im wahren Leben aber auch so.

Die wichtigsten Funktionen, auch die Deaktivierung der belästigenden Assistenten, sind per Wisch erreichbar. Andernfalls braucht es Nerven wie Drahtseile, denn Geschwindigkeitswarner und Spurhalteassistent funken dazwischen, der Aufmerksamkeitswarner duldet keinen kurzen Blick zum Beifahrer. Build your Albtraum. Positiv ist die üppige Ausstattung der zweithöchsten Variante Comfort. Beheizte Sitze und beheiztes Kunstlederlenkrad, Head-up-Display, Glasdach, Android Auto und Apple Carplay, induktives Laden, Updates over the air, 360-Grad-Kamera und viel zu viele Assistenten.
Die besseren Varianten beginnen bei 32.000 Euro, mit Comfort-Allüren sind es knapp 34.500 Euro. Davon zieht BYD mehr als 10.000 Euro aus Rabatt und staatlicher Förderung ab. Es bleiben gut 22.000 Euro, was die Frage nach dem Restwert aufwirft, sofern nicht geleast wird. Und weil der BYD Dolphin, anders als die Werbung vermitteln soll, doch einfach ein Auto ist, kann er sogar fahren.

Mit einem Plug-in-Hybridantrieb, der in der Kleinwagenklasse kaum zu finden ist, weil er sich in diesem Segment gewöhnlich nicht rechnet. Die Chinesen interessiert das wenig, womit sie ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Ein 1,5 Liter großer Vierzylinder bekommt Schützenhilfe von einer permanent erregten Synchronmaschine oder umgekehrt. Beide sitzen an der Vorderachse und leiten 212 PS und 210 Newtonmeter an die Vorderräder.
Träume sind Schäume
Wählbar ist, ob hybridisch oder elektrisch gefahren wird. Überwiegend geht es nahezu geräuschlos voran, sofern die 18,8 kWh große LFP-Batterie geladen ist. Mit höherem Strombedarf speist der Verbrenner als Generator den Akku, fast unmerklich. Ungemütlich wird es mit gesteigerter Leistungsabfrage. Dann schaltet er sich über eine Kupplung als Antriebsquelle hinzu, wirkt mürrisch, dreht unpassend hoch, es fühlt sich so an, als rutsche permanent die Kupplung durch.

Lenkung und Fahrwerk gehen für einen Kleinwagen in Ordnung, die versprochenen 1000 Kilometer Reichweite würden wir aber ungern am Stück fahren. Tatsächlich sahen wir die Tankstelle im zweiwöchigen Test nur einmal, nach mehr als 800 Kilometern. Das ist bemerkenswert. Die Sparsamkeit hat aber Bedingungen. Auf schnelles Fahren und Spaß ist zu verzichten, außerdem sollte die Batterie so oft wie möglich extern geladen werden.
Das gelingt mit gut sechs kW an der Wallbox oder bis zu 39 kW Gleichstrom. Keine Werte, die vom Hocker hauen. Von zehn auf 80 Prozent vergingen bestenfalls 28 Minuten. Leer genehmigt sich der Benziner gut acht Liter auf 100 Kilometern, voll sinkt der Bedarf bei entspannter Fahrt auf etwa zwei Liter, dafür steigt der Stromverbrauch samt Ladeverlusten auf gut 18 Kilowattstunden. Auf der Autobahn, rechte Spur, im Windschatten eines Lastwagens, sind die Herstellerwerte bestimmt erreichbar.
So lasse man die Chinesen weiterträumen. Von einem Fahrzeug, das vieles in den Schatten stellen soll, von selbst ernannter Premiumtechnik und von der Idee, deutschen Autobauern vor allem über den Preis das Leben schwer zu machen. Das mag in manchen Punkten sogar gelingen. Aber auf die vielerorts prophezeite, alles überrollende Autowelle aus Fernost warten wir noch immer.
Unser Fazit
STARK: Ein Kleinwagen als Plug-in-Hybrid, das hat sonst keiner. Üppige Ausstattung, große Reichweite, im Verbund recht sparsamer Antrieb.
SCHWACH: Nervige Assistenten, Bedienung mit Mängeln, mäßige Ladeleistung, mürrischer Verbrenner, Freude am Fahren geht anders, Innenraum mit zweifelhafter Duftnote.
FRAGWÜRDIG: BYD gewährt auf seine Modelle extreme Rabatte, den Dolphin gibt es derzeit mehr als 10.000 Euro unter Listenpreis.
Die Daten
BYD Dolphin G DM-i Comfort
Empfohlener Preis 33.490 Euro
Preis des Testwagens 33.490 Euro
Plug-in-Hybrid, Vierzylinderbenziner mit 1,5 Liter Hubraum plus E-Motor, Frontantrieb
Leistung im System maximal 212 PS, maximales Drehmoment 210 Nm
Stufenloses Automatikgetriebe
LFP-Akku mit 18,3 kWh, Laden mit maximal 39 kW Gleichstrom und 6,6 kW Wechselstrom (Wallbox)
Länge/Breite/Höhe 4,16/2,11/1,58 Meter
Radstand 2,61, Wendekreis 10,30 Meter
Leergewicht 1555, zulässiges Gesamtgewicht 2040 Kilogramm, Anhängelast maximal 750 Kilogramm
Kofferraumvolumen 425 bis 1225 Liter
Reifengröße 215/50 R 18
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, von 0 auf 100 km/h in 8,3 s
Verbrauch Nach Norm 16 kWh Strom plus 1,4 Liter Benzin auf 100 Kilometer, Benziner allein mit entladener Batterie 4,5 Liter. CO₂-Emission gemäß WLTP-Norm 32 g/km. Im Testbetrieb 14,4 bis 23,7, im Durchschnitt 18,6 kWh einschließlich Ladeverlust. Benziner allein im Test 7,9 Liter. Elektrische Reichweite nach Norm 105, im Test 89 Kilometer. Gesamtreichweite nach Norm 1040 Kilometer, im Test 850 Kilometer.
Komfort & Sicherheit Glasdach mit Rollo, Updates „over the air“, Head-up-Display, 360-Grad-Kamera, externe Stromversorgung (V2L), Digitaler Fahrzeugschlüssel
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