Nein, lieber Herr Reese, „heute Held, morgen Hassfigur“, das ist keine Erfindung der Internet-Generation. Gab es schon in der Antike. Kann man nachlesen. Damals ging’s häufig übler aus, wenn das Volk in der Arena sein Mütchen kühlte. Rübe ab statt Pfiffe von 40.000 Aufgebrachten wie am Samstag. Nur, weil Sie wie ein Legionär von der Hertha zu Wolfsburg marschierten, angeblich Verrat begingen. Autsch, auch nichts Neues.
Der Schmerz muss raus
Sie sind nicht der Erste, dem die eintönige Lautmalerei diesmal von Karlsruher Fans – aus lauter Freundschaft Leidensgenossen der Hertha – in der Seele wehtat. Darauf pfeifen die Pfeifer. Der Schmerz muss raus. Wissen Sie doch. Lustvolle Alltagsbewältigung in der Rotte.
Die Evolution des Großhirns wird mitunter überschätzt. Vor allem von jenen, die nach 1,5 Millionen Jahren Entwicklung stolz sind auf das jüngste Update im Oberstübchen. Dachten nur keinen Moment daran, was so eine Diffamierung auslösen könnte. Herzlos.
Was noch so alles an Organen fehlte, wissen wir nicht. Ihre Sprache auf dem Spielfeld und nach der Partie hinterließ aber ein Indiz. Wem, wie Ihnen, zwei Tore und eine Vorlage beim 5:3 während der Geißelung auf dem Marktplatz gelingen, dem verlieh die Schmähung offensichtlich Kraft. Weil auch das nichts Neues ist, könnte man behaupten, die Herzlosen seien auch hirnlos gewesen.
