Falls in ferner Zukunft der Grundstein zu den Hellerhöfen im Frankfurter Gallusviertel noch einmal geöffnet werden sollte, so werden die F.A.Z.-Leser von übermorgen auf der Titelseite über einen vor Dänemark verendeten Buckelwal lesen und erfahren, dass die Bundestagsabgeordneten auf Wunsch der Koalition wohl auf eine Erhöhung ihrer Diäten verzichten müssen. Denn eine tagesaktuelle Ausgabe der F.A.Z. vom 19. Mai 2026 steckt nebst Bauplänen und Münzen in einer Kapsel im Grundstein, der tief in den Hellerhöfen verbaut wird.
Mit dem Projekt im Gallusviertel, auf dem Gelände, auf dem früher die F.A.Z. ihren Sitz hatte, geht es voran. Ein knappes Jahr nach dem Spatenstich für das neue Stadtquartier ist am Dienstag der Grundstein gelegt worden. Auf der Baustelle laufen die Arbeiten während der kleinen Feier weiter. Der Zeitplan soll eingehalten werden.
Noch klafft an dieser Stelle eine riesige Baugrube. Wie Volker Geenen vom Projektentwickler Bauwens erläutert, wird derzeit die Decke über dem zweiten Untergeschoss geschlossen. Bald sollen die Gebäude auch oberirdisch Gestalt annehmen. Schon in gut zwei Jahren soll der erste Bauabschnitt fertig sein, zu dem außer 131 Mietwohnungen auch ein Büroturm gehört, der in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet wird. Wenn er auf seiner endgültigen Höhe von 67 Metern angelangt ist, wird er das höchste Gebäude in dieser Bauweise in Frankfurt sein. Anschließend folgen der zweite und der dritte Bauabschnitt östlich der Hellerhofstraße.
Mietwohnungen, Kitas, Büros und eine Grundschule
Von der S-Bahn-Haltestelle Galluswarte hat man einen guten Überblick über die Baustelle. Die Fahrgäste können seit drei Jahren beobachten, wie aus einem lange von Redaktions- und Verlagsgebäuden geprägten Standort ein neues Stadtquartier wird, mit einer Mischung aus mehr als 500 Mietwohnungen für 1000 Menschen, Bürofläche, Einzelhandel, Gastronomie und zwei Kindertagesstätten. Außerdem entsteht eine Grundschule, die die Stadt Frankfurt allerdings selbst realisieren wird.

Die F.A.Z., die Ende 2022 in ein Hochhaus im nahe gelegenen Europaviertel umgezogen ist, bleibt ihrem alten Standort verbunden und an der Entwicklung beteiligt. Sie hat sich für diese Bauaufgabe in einem Joint Venture mit dem Hopp Family Office und Bauwens Development zusammengeschlossen.
Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) betont anlässlich der Grundsteinlegung, dass es nicht selbstverständlich sei, ein solches Projekt unter wirtschaftlich anspruchsvollen Rahmenbedingungen anzugehen. Es sei für den Frankfurter Wohnungsmarkt wichtig, dass die Mietwohnungen im Bestand gehalten werden von einem Unternehmen, das im Gallus verwurzelt sei. „Ich freue mich, dass Sie so für das Gallus brennen. Hier entstehen viele Wohnungen für die Mitte der Gesellschaft. Das Projekt ist eine Bereicherung, nicht nur für das Gallus, sondern für die gesamte Stadt“, sagt der Dezernent.
Zwei Drittel der Einwohner haben Anspruch auf sozialen Wohnraum
30 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert und an Bewohner vergeben, deren Einkommen eine bestimmte Grenze nicht überschreitet. Laut Gwechenberger sind zwei Drittel der Frankfurter Bevölkerung berechtigt, eine geförderte Wohnung zu beziehen. „Bezahlbarer Wohnraum ist wichtig, um Fachkräfte zu gewinnen“, sagt er. Frankfurt stehe mit seiner stabilen Wirtschaft für Wachstum, während andere Gegenden in Deutschland schrumpften.
F.A.Z.-Geschäftsführer Volker Breid wirft einen weiten Blick zurück in die Vergangenheit: 1379 sei das Areal erstmals urkundlich erwähnt worden. Seinen Namen erhielt der „Hellerhof“ nach dem Bürgermeister Jakob Heller, der das Hofgut laut dem Hessischen Institut für Landesgeschichte 1453 erwarb. Ein Zeitungsstandort wurde das Gelände erst viele Jahrhunderte später. 1960 zog die F.A.Z. von der Innenstadt in die Hellerhofstraße. 1988 wurde das alte Redaktionsgebäude fertiggestellt.
Für die F.A.Z. sei das Gelände von besonderer Bedeutung, sagt Breid. „Der Ort steht für Öffentlichkeit, Debatte und tägliches Ringen um gute Entscheidungen.“ Er wünscht dem Projekt einen sicheren Bauablauf – ohne Unfälle und mit dem nötigen Pragmatismus.
