
In Niger sind in der Nacht zum Samstag und in den frühen Morgenstunden in der Hauptstadt Niamey Schüsse und Explosionen zu hören gewesen. Zeugen in der Stadt vermuteten die Schüsse in der Nähe des internationalen Flughafens und im Stadtzentrum nahe dem Präsidentenpalast. Journalisten und Sicherheitsexperten in den sozialen Medien spekulierten zunächst über einen möglichen Angriff islamistischer Terroristen oder eine Meuteurei innerhalb des Militärs.
Das Verteidigungsministerium teilte am Nachmittag in einer im Staatsfernsehen verlesenen Stellungnahme mit, dass eine Gruppe von Soldaten gegen die Militärregierung gemeutert habe. Die aufständischen Soldaten hätten zunächst ihre Kameraden innerhalb eines Stützpunkts am internationalen Flughafen der Hauptstadt Niamey festgesetzt, hieß es in der Stellungnahme. Danach hätten sie weitere strategische Punkte in Niamey angegriffen. Aufgrund der „raschen Reaktion“ der Streitkräfte sei der Aufstand jedoch eingedämmt und die Kontrolle schrittweise wiedererlangt worden.
Schon zuvor hatte die Militärregierung laut dem französischen Auslandssenders RFI mitgeteilt, „schrittweise die Kontrolle“ zurückzuerlangen. Die Streitkräfte in den Kasernen befänden sich in höchster Alarmbereitschaft. Auf Videos in den sozialen Medien waren Militärfahrzeuge in der Umgebung des Flughafens zu sehen.
In diesem Jahr hat es bereits zweimal Angriffe auf den Flughafen in Niamey gegeben. Im Januar hatten Terroristen des Islamischen Staats (IS) einen Anschlag verübt, im Juni folgte ein Anschlag der Terrororganisation Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM), dem Sahel-Ableger von Al-Qaida. Im Juni kamen dabei elf Soldaten und zwei Zivilisten ums Leben, außerdem wurden nach Angaben des nigrischen Verteidigungsministeriums 22 bewaffnete Angreifer getötet.
Russischer „Afrikakorps“ in Niger stationiert
Eine Militäreinheit hat in Niger 2023 den damaligen gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum gestürzt und die Macht übernommen. Unter der Führung von General Abdourahamane Tiani stieg der Sahel-Staat aus der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS aus und schloss sich mit den ebenfalls von Militärregierungen geführten Nachbarländer Mali und Burkina Faso zu der Allianz der Sahel-Staaten (AES) zusammen. Diese hat sich von westlichen Partnern ab- und Russland zugewandt. Soldaten des russischen „Afrikakorps“ unterstützen seit April 2024 die nationalen Streitkräfte. Der weitläufige Wüstenstaat mit 28 Millionen Einwohnern verfügt über reiche Vorkommen von Uran, Gold und Öl.
Mehreren Berichten zufolge waren am Samstag auch Schüsse auf der Luftwaffenbasis 101 auf dem Flughafengelände zu hören gewesen. Es handelt sich um eine Militärbasis, wo sich unter anderem das Hauptquartier des Afrikakorps und der Stab der Streitkräfte der AES befinden. Angeblich werden dort auch große Mengen Uran für den Export gelagert.
Zwischenzeitlich war das Fernsehprogramm im nigrischen Staatsfernsehen unterbrochen, die Zuschauer sahen nur einen schwarzen Bildschirm. Später wurde im Fernsehen eine Erklärung des Verteidigungsministers General Salifou Mody vorgelesen. Der Minister rief die Bevölkerung dazu auf, „Ruhe zu bewahren und ihren gewohnten Tätigkeiten nachzugehen“. Wie Anwohner berichteten, sind die Zufahrtsstraßen zum Regierungsviertel, wo sich der Präsidentenpalast und das Staatsfernsehen befinden, abgesperrt, der Betrieb am Flughafen ist laut RFI wegen erheblicher Schäden behindert.
