Die europäische Grenzschutzagentur Frontex setzt im Ärmelkanal erstmals eigene Schiffe zur Seenotrettung ein. Vor der französischen Küste sollen Frontex-Schiffe die Such- und Rettungsmaßnahmen französischer Schiffe unterstützen, die Menschen helfen, die bei der Überfahrt von Nordfrankreich nach Großbritannien in Seenot geraten.
Die Schiffe sollen mit einem Überwachungsflugzeug zusammenarbeiten, das die Europäische Grenz- und Küstenwache seit 2021 über dem Ärmelkanal einsetzt, teilte Frontex mit. Demnach sollen von September bis Oktober zwei spanische Schiffe und anschließend bis Januar ein litauisches Schiff die französischen Patrouillen verstärken. Die französische Meerespräfektur behält die Hoheit über den Einsatz der von Frontex gestellten Schiffe.
Die Entscheidung folgt auf ein Treffen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit dem britischen Premierminister Andy Burnham, bei dem auch über Migrationsfragen beraten wurde. Frontex wolle mit dem Einsatz die französischen Kapazitäten bei Such- und Rettungseinsätzen vorübergehend ergänzen, hieß es in einer Erklärung der französischen Meerespräfektur für den Ärmelkanal und die Nordsee. Es gehe dabei nicht um das Abfangen von Migranten auf See, teilte Frontex mit.
Frankreich stoppt keine Migranten auf See
Französische Beamte gehen gegen Schleuser vor, stoppen
Migranten aber nicht bei der Überfahrt selbst, um diese nicht in Gefahr zu
bringen. Nach einer Rettung auf See bleiben die Migranten in Frankreich auf
freiem Fuß.
Der Ärmelkanal gehört zu den am stärksten befahrenen
Schifffahrtsstraßen der Welt. Seit Jahren versuchen Migranten, darüber von
Frankreich aus in Schlauchbooten nach Großbritannien zu gelangen. Wegen der
starken Strömung ist dies hochgefährlich, immer wieder kommen dabei Menschen
ums Leben. Im August musste die französische Küstenwache 157 Menschen von
einem brennenden Boot retten.
Rückläufige Zahl von Migranten via Ärmelkanal
Im ersten Halbjahr 2026 ging die Zahl der über den
Ärmelkanal nach Großbritannien gekommenen Migranten nach Angaben des britischen
Innenministeriums erheblich zurück. Die britische Regierung versucht seit Längerem, die Migration auch mit französischer Hilfe zu begrenzen. Im Rahmen
eines dreijährigen Grenzsicherungsabkommens hatte Großbritannien im April
vereinbart, Frankreich bis zu 780 Millionen Euro (660 Millionen Pfund) zu zahlen,
um illegale Überfahrten zu verhindern. Ein Teil der Gelder ist an Erfolge
gekoppelt.
Im vergangenen Jahr hatten sich beide Länder zudem auf ein
Pilotprojekt geeinigt. Demnach nimmt Frankreich Migranten ohne Papiere zurück,
die mit kleinen Booten in Großbritannien ankommen. Im Gegenzug nimmt Großbritannien
die gleiche Anzahl von Asylsuchenden mit familiären Bindungen auf.
