
Es lohnt sich, mit Donald Trump verwandt oder verschwägert zu sein. Meistens jedenfalls. Der milliardenschwere Weltmeisterschaftsdeal der FIFA mit privaten Investoren hatte alle Zutaten für ein Erfolgsrezept: den Verbandschef Gianni Infantino als Busenfreund des Präsidenten und Joshua Kushner, den Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, als Hauptinvestor. Am Ende aber machte die UEFA ihnen einen Strich durch die Rechnung. Der europäische Fußballverband drohte in dieser Woche sogar mit rechtlichen Schritten: Der Plan sei grundsätzlich unvereinbar gewesen mit einer „ordnungsgemäßen Führung des Fußballs“.
Über Moral und Standards ist man dieser Tage uneins. Der amerikanische Präsident soll Hilferufe Infantinos bislang nicht beantwortet haben. Dass er den Deal für problematisch hielt, ist jedoch unwahrscheinlich. Kein amerikanischer Präsident vor Trump hat sich während seiner Amtszeit dermaßen bereichert; kein Präsident hat seine Familie und sein Umfeld so unverhohlen an den Erträgen der Macht teilhaben lassen.
Amt und Eigennutz verschmelzen
Die Dimensionen sprengen jeden historischen Rahmen. Der jüngste Finanzbericht weist für Trump Einnahmen von rund 2,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr aus. Zum Vergleich: Bei seinem Vorgänger Joe Biden waren es im ersten Amtsjahr 610.000 Dollar, etwas mehr als das offizielle Präsidentengehalt von 400.000 Dollar.
Bedenklich ist aber vor allem, wie Amt und Eigennutz verschmelzen. 1,4 Milliarden Dollar machte Trump allein im Kryptogeschäft – einer Branche, die er vor nicht Langem heftig kritisiert hatte. Seine Beteiligung an dem Unternehmen World Liberty Financial, das seine Söhne gemeinsam mit Trumps Freund und Sondergesandtem Steve Witkoff gründeten, brachte ihm eine halbe Milliarde Dollar ein.
Die Verbindungen reichen immer wieder auch ins Ausland. Als 2025 eine mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbundene Investmentfirma fast die Hälfte des Unternehmens übernahm, folgte vier Monate später ein Abkommen Washingtons über den Export strategisch wichtiger Computerchips an das Land. In einem anderen Fall profitierten Trumps Söhne Eric und Don Junior sowie die Söhne von Handelsminister Howard Lutnick von einem Rohstoffdeal in Kasachstan.
In Qatar treibt die Trump Organization ein Projekt mit Golfplatz und Villen voran, das zu Teilen von einem der qatarischen Regierung gehörenden Unternehmen entwickelt wird. Kurz nach dem Besuch des saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman kündigte die Firma außerdem an, man baue die Immobilienpläne in Saudi-Arabien auf zehn Milliarden Dollar aus.
Wo bleibt die allgemeine Empörung?
Das amerikanische Recht nimmt den Präsidenten vom Verbot von Geschäften bei Interessenkonflikten aus. Das Weiße Haus weist derartige Vorwürfe ohnehin zurück: Trumps Vermögen werde nicht von ihm selbst verwaltet. Nach den Berichten über sein Einkommen im vergangenen Jahr verwies Trump lediglich auf die erfolgreichen Aktienmärkte. Aber Trump wäre nicht Trump, teilte er nicht auch seine ehrlichen Gedanken dazu. Im Gespräch mit der „New York Times“ Anfang des Jahres gab er freimütig zu, er habe in Bezug auf mögliche Interessenkonflikte während seiner ersten Präsidentschaft festgestellt: Das interessiert niemanden.
In Vor-Trump-Zeiten hätten wahrscheinlich schon einzelne Fälle in diesem Wust aus Geopolitik, Macht und Geschäft für einen politischen Skandal gereicht. Trump bereichert sich ohne Scham, während ein Drittel der Amerikaner der Meinung ist, die wirtschaftliche Lage im Land sei schlecht – neuerdings auch immer mehr Republikaner. Eine allgemeine Empörung über Trumps persönliche Beutezüge bricht sich trotzdem nicht Bahn. Viele Amerikaner werfen Politikern ohnehin vor, sie wirtschafteten in die eigene Tasche, das wird mit einem gewissen Achselzucken zur Kenntnis genommen.
Trump selbst hat Washington zum Hort des gierigen Establishments erklärt. Er aber, der Geschäftsmann, hat Narrenfreiheit. Seine Wähler wissen, dass er hin und wieder über das Ziel hinausschießt, und sie verzeihen es ihm in der Regel. Aggressives „Dealmaking“ ist schließlich sein Markenzeichen. Die amerikanische Regierung lebt außerdem frei nach dem Motto: Aufregung vergeht. Vizepräsident J. D. Vance sagte vor einigen Wochen, der Watergate-Skandal wäre heute nur zwölf Stunden ein Thema. Die meisten Amerikaner verfolgen Nachrichten nur noch in der eigenen Blase, rund ein Drittel informiert sich überhaupt nicht mehr über das aktuelle Geschehen.
Im nächsten Jahr könnte Trump seine Dreistigkeit aber doch zum Verhängnis werden. Gelingt es den Demokraten, eine der beiden Kammern im Kongress zurückzugewinnen, sind dem Präsidenten und seiner Familie Korruptionsuntersuchungen gewiss. Auch dann ist die Frage, ob diese Botschaft jemals bei Trumps Wählern ankommt. Aber die müssen sich 2028 ja ohnehin für einen anderen Kandidaten entscheiden.
